Kosovos Präsident Hashim Thaci. | AP

Anklage wegen Kriegsverbrechen Kosovos Präsident Thaci tritt zurück

Stand: 05.11.2020 13:25 Uhr

Im Juni hatte die Staatsanwaltschaft in Den Haag eine vorläufige Anklage gegen Kosovos Präsident Thaci und weitere Politiker erhoben. Die Anklage wurde nun bestätigt. Der Staatschef zieht die Konsequenzen.

Der kosovarische Präsident Hashim Thaci ist nach der Bestätigung der Kriegsverbrechen-Anklage gegen ihn von seinem Amt zurückgetreten. Er wolle damit die Integrität des Staates schützen, erklärte Thaci auf einer Pressekonferenz in Pristina. Das Kosovo-Sondertribunal in Den Haag habe die bisherige vorläufige Anklage gegen ihn nunmehr bestätigt, sagte er weiter.

Kriegsverbrechen vorgeworfen

Das Gericht gehört formal zur Justiz des Kosovos. Es war auf internationalen Druck aber in Den Haag eingerichtet worden, um die von der Kosovo-albanischen Seite begangenen Verbrechen während des Unabhängigkeitskrieges des Kosovo 1998-1999 strafrechtlich zu verfolgen.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im vergangenen Juni Anklage gegen Thaci erhoben. Ihm und anderen Politikern wird vorgeworfen, während des Konflikts mit Serbien Verbrechen begangen zu haben, darunter Mord, Verfolgung und Folter. Hunderte Kosovo-Albaner, Serben, Roma und Angehörige anderer ethnischer Gruppen sowie politische Gegner gehörten der Anklage zufolge zu ihren Opfern.

Mehr als 10.000 Tote

Thaci war Oberkommandierender der Kosovo-albanischen Untergrund-Armee UCK, die im Unabhängigkeitskrieg gegen die serbischen Sicherheitskräfte kämpfte. Viele Spitzenpolitiker hatten zu der Zeit Kommandeursposten in der Miliz.

Mehr als 10.000 Menschen kamen damals ums Leben, Hunderttausende wurden vertrieben. Die meisten Opfer gingen auf das Konto der serbischen Sicherheitskräfte. Mit ihren Verbrechen beschäftigte sich das Internationale Jugoslawien-Tribunal (ICTY) in Den Haag.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 05. November 2020 um 12:30 Uhr.

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Moderation 05.11.2020 • 21:53 Uhr

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