Mitglieder der leicht bewaffneten Kosovo-Sicherheitskräfte (KSF) | Bildquelle: AFP

Kritik von Serbien und NATO Der heikle Plan für eine Kosovo-Armee

Stand: 05.12.2018 21:27 Uhr

Im Kosovo sorgt eine NATO-Schutztruppe für Sicherheit. Doch die Regierung will eine eigene Armee. Das ist heikel. Serbien droht indirekt mit militärischen Mitteln, bei der NATO ist man ernsthaft besorgt.

Die Pläne der Regierung des Kosovo, eine eigene Armee aufzubauen, stoßen in Serbien und Russland aber auch bei der NATO auf scharfe Kritik. Die serbische Regierung schließt sogar den Einsatz militärischer Gewalt nicht aus. "Ich hoffe, dass wir niemals unsere Armee einsetzen müssen, aber zurzeit ist dies eine der möglichen Optionen", sagte Regierungschefin Ana Brnabic.

Auch Russland, ein Verbündeter Serbiens, warnte das Kosovo: "Der Schritt der Behörden des Kosovos zur Bildung einer eigenen 'Armee' könnte zu den schwersten Konsequenzen nicht nur für die serbische Bevölkerung in der Region, sondern auch für die Sicherheit des ganzen Balkans führen", hieß es in einer Stellungnahme des Außenministeriums in Moskau.

NATO: Ein Vorstoß zum falschen Zeitpunkt

NATO-Generalsekretär Stoltenberg | Bildquelle: KOCA SULEJMANOVIC/EPA-EFE/REX/Sh
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NATO-Generalsekretär Stoltenberg warnt vor den Folgen für das Kosovo.

Von der NATO hieß es, der Vorstoß komme zum falschen Zeitpunkt. "Er ist wider den guten Rat vieler NATO-Partner. Und er kann schwere Erschütterungen für die künftige euro-atlantische Integration des Kosovos mit sich bringen", sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Sollte die kosovarische Regierung tatsächlich eigene Streitkräfte aufstellen, müsse das Militärbündnis "das Ausmaß seines Engagements im Kosovo überdenken."

Für die Sicherheit im Kosovo sorgen derzeit die NATO-geführte internationale Schutztruppe KFOR sowie die leicht bewaffneten heimischen Kosovo-Sicherheitskräfte (KSF). Am 14. Dezember will die kosovarische Führung in Pristina per Parlamentsbeschluss die KSF in eine neue Kosovo-Armee umwandeln. Der Schritt ist umstritten. So gesteht die UN-Sicherheitsratsresolution 1244 aus dem Jahr 1999, die bis heute Geltung für den Umgang mit dem Kosovo hat, dem kleinen Balkanland nur leicht bewaffnete Sicherheitskräfte, aber keine eigene Armee zu.  

Serbien: Armee dient der Vertreibung der Serben

Das Kosovo war früher Teil Jugoslawiens, ab 2003 dann eine Teilregion Serbiens. 2008 erklärte es einseitig seine Unabhängigkeit. Etwa 110 der 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen erkennen dies an - darunter auch Deutschland. Serbien betrachtet das Kosovo dagegen nach wie vor als seine Provinz. Ethnische Serben leben heute aber fast nur noch im Nordteil des Kosovo. Die Bevölkerungsmehrheit stellen ganz eindeutig Kosovo-Albaner.

Serbische Regierungsvertreter äußerten den Vorwurf, die kosovarische Regierung wolle eine eigene Armee dazu nutzen, um die serbische Minderheit zu vertreiben. "Wir können nicht an der Seite stehen und ruhig zuschauen, wie jemand eine neue ethnische Säuberung vornimmt", sagte die serbische Regierungschefin Brnabic.

Der kosovarische Regierungschef Ramush Haradinaj wies diesen Vorwurf zurück: Die Pläne richteten sich nicht gegen die Kosovo-Serben, vielmehr solle die künftige Armee die NATO-Einsätze in Afghanistan und dem Irak unterstützen. Vize-Ministerpräsident Enver Hoxhaj twitterte: "Die Umwandlung der KSF in die Streitkräfte eines künftigen NATO-Mitglieds wird nur Frieden und Stabilität garantieren."

Neue Kriegsgefahr auf dem Balkan? NATO in großer Sorge wegen Kosovo
Andreas Meyer-Feist, HR Brüssel
06.12.2018 07:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 06. Dezember 2018 um 06:37 Uhr.

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