Schüler des "Mehmet Akif College" in Pristina protestieren gegen die Abschiebung ihrer Lehrer in die Türkei.  | Bildquelle: AFP

Gülen-Anhänger im Kosovo Geheime Abschiebung in die Türkei?

Stand: 30.03.2018 14:16 Uhr

Im Kosovo sind sechs türkische Gülen-Anhänger festgenommen und an Ankara ausgeliefert worden. Der Regierungschef sprach von einer "bilateralen Operation" der Geheimdienste - und feuerte den Innenminister.

Weil er ohne das Wissen des Regierungschefs sechs Türken an Ankara ausliefern ließ, muss der Innenminister des Kosovo seinen Posten räumen. Offenbar hatte Flamur Sefaj die Festnahme und Auslieferung von sechs türkischen Lehrern, denen eine Verbindung zur Gülen-Bewegung nachgesagt wird, an Regierungschef Ramush Haradinaj vorbei organisiert.

Die türkischen Staatsangehörigen waren am Donnerstag festgenommen worden und binnen Stunden mit einem Privatflugzeug aus dem Kosovo ausgeflogen worden. Nun müssen sie sich der Strafverfolgung in ihrem Heimatland stellen.

Die türkische Regierung wirft den sechs Lehrern vor, Unterstützer für das Gülen-Netzwerk angeworben zu haben. Außerdem hätten sie Verdächtigen bei der Flucht aus der Türkei geholfen.

Schüler des "Mehmet Akif College" in Pristina protestieren gegen die Abschiebung ihrer Lehrer in die Türkei. | Bildquelle: AFP
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Schüler des "Mehmet Akif College" in Pristina protestieren gegen die Abschiebung ihrer Lehrer in die Türkei.

Präsident: Aktion war verfassungswidrig

Kosovo-Präsident Hashim Thaci verurteilte die vom Innenministerium veranlasste Abschiebung als verfassungswidrig. Neben dem Innenminister wurde auch Geheimdienstchef Driton Gashi entlassen. Ein entsprechendes Dekret unterzeichnete der kosovarische Regierungschef Haradinaj. Er kritisierte die "bilaterale Operation" der Geheimdienste beider Länder. Von der Festnahme bis zur Auslieferung an die Türkei sei der gesamte Vorgang ohne sein Wissen geschehen, erklärte Haradinaj.

Das kosovarische Außenministerium bedauerte den Vorfall, der "unter keinen Umständen" hätte passieren dürfen. Die türkischen Lehrer hätten eine gültige Arbeitserlaubnis gehabt. Sie unter diesen Umständen auszuliefern, stehe im Widerspruch zu internationalen Regeln.

Die Türkei hatte den Aufbau des Kosovo gefördert. Die Balkan-Republik erklärte 2008 seine Unabhängigkeit.

Was die Türkei der Gülen-Bewegung vorwirft

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan macht die Gülen-Bewegung für den Putschversuch im Juli 2016 in der Türkei verantwortlich und verlangt seit langem auch von den Balkanländern die Auslieferung mutmaßlicher Gülen-Anhänger. Der türkische Regierungschef Binali Yildirim sprach das Thema auch bei seinem jüngsten Besuch in Bosnien-Herzegowina an.

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