Politische Unruhen Ist die Wirtschaft Hongkongs in Gefahr?

Stand: 08.08.2019 08:46 Uhr

Die Bevölkerung Hongkongs protestiert. Doch die Stadtregierung bleibt stur. Experten warnen nun davor, dass diese Situation wirtschaftliche Konsequenzen für die Metropole haben könnte.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Werbung für den Wirtschaftsstandort Hongkong ist das nicht gerade: Demonstranten liefern sich Straßenschlachten mit Ordnungskräften. Die antworten mit Tränengas und Gummigeschossen. Seit Juni gehen fast täglich Hunderttausende gegen die Stadtregierung und ihren Peking-freundlichen Kurs auf die Straße. Doch die gibt nicht nach.

Die Proteste verunsichern Händler und Betreiber von Geschäften in Hongkong, sagt Duncan Innes-Ker, er leitet die Asien-Abteilung des Thinktanks "Economist Intelligence Unit" in Hongkong. "Natürlich sorgt das alles für Unsicherheit. Viele in der Wirtschaft sind nervöser als sonst", sagt er. "Trotzdem gehen wir davon aus, dass die Proteste in den kommenden Monaten irgendwann abklingen werden". Vor allem für ausländische Firmen sollte es dann genauso weitergehen wie bisher.

Demonstranten gehen durch die Straßen in der Nähe der Gebäude der Zentralregierung, um weiterhin gegen ein umstrittenes Auslieferungsgesetz zu protestieren. | Bildquelle: dpa
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Hongkonger demonstrieren in der Nähe der Gebäude der Zentralregierung. Die gibt den Forderungen der Menschen auf der Straße nicht nach.

Besucher bleiben in den Hotels

Bisher sind die Auswirkungen der Proteste auf die Wirtschaft der autonom regierten Stadt gemischt: Der für Hongkong wichtige Gastonomie-Sektor etwa verzeichnet nach jüngsten Zahlen ein leichtes Minus. Besonders deutlich gingen zuletzt die Umsätze im Luxuswaren-Handel zurück: Kleidung, Kosmetik, Eletronik. Geschäfte, die solche und ähnliche Produkte anbieten, verdienen einen Großteil des Geldes mit Reisenden aus Festlandchina.

Und die bleiben angesichts der Anti-Regierungs-Demos zunehmend in ihren Hotels, statt einzukaufen. Komplett weg bleiben Touristen und Geschäftsreisende aus Festlandchina und dem Rest der Welt aber noch nicht. Im Juni, als die Hongkonger Massenproteste losgingen, legte die Zahl ausländischer Besucher sogar noch deutlich zu: um mehr als acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das muss aber nicht so bleiben, denn die Proteste weiten sich aus und sie sprechen immer breitere gesellschaftliche Schichten an.

"Unter den Demonstranten sind Banker, Angestellte, Juristen, Ärzte und so weiter. Das ganze ist nicht einfach mehr nur eine Studentenbewegung," sagt Kevin Lai. Er ist Chef-Ökonom der japanischen Investmentbank Daiwa Capital Markets in Hongkong.  "Selbst Geschäftsleute, die eigentlich der Zentralregierung in Peking nahestehen, äußern sich inzwischen sehr kritisch."

Verständnis von der deutschen Wirtschaft

Weder die von der chinesischen Staats- und Parteiführung unterstützte Regierungschefin Carrie Lam noch die Demonstranten sind bisher zu Zugeständnissen bereit. Neben einer Kommission zur Aufklärung der jüngsten Polizeigewalt fordern die Protestierenden weiter  die vollständige Rücknahme des umstrittenen China-Auslieferungsgesetzes. Dieses hatte die Massenproteste vor zwei Monaten ausgelöst.

Demonstranten in Hongkong versuchen, mit Barrikaden den Verkehr lahmzulegen. | Bildquelle: dpa
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Der Verkehr in der Millionenmetropole Hongkong steht still. Aktivisten blockierten Straßen und versperrten die Eingänge der Metro-Bahnhöfe.

Björn Lindner, Präsident der deutschen Handelskammer in Hongkong, zeigt Verständnis für die Demonstranten. Immerhin rüttle das Gesetz an dem Grundsatz "One Country, Two Systems". Er könne nachvollziehen, dass die Menschen extremst irritiert seien und ihre politische Meinung auf die Straßen tragen. "Wahrscheinlich wäre es einfacher, zu sagen: Das Gesetz wird vollständig zurückgezogen, um den Demonstranten und der Bevölkerung in Hongkong mehr Sicherheit zu geben", sagt Lindner.

Doch danach sieht es nicht aus. Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam hat das umstrittene Gesetz zwar für "tot" erklärt. Das reicht den Demonstranten aber nicht. Sie gehen deswegen weiter auf die Straße. Fürs Wochenende wurden neue Proteste angekündigt. Diesmal am Internationalen Flughafen von Hongkong.

Massenproteste und Gewalt: Gefahr für Wirtschaft in Hongkong
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
08.08.2019 07:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. August 2019 um 07:43 Uhr.

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