Südkoreanische Soldaten stellen an der Grenze zu Nordkorea einen Lautsprecherturm für Propagandadurchsagen auf. | Bildquelle: AP

Vor Nord-Süd-Gipfel Seoul setzt Lautsprecher-Propaganda aus

Stand: 23.04.2018 07:28 Uhr

Es soll eine versöhnliche Geste vor dem Gipfeltreffen zwischen Nord- und Südkorea sein: Seoul hat vorläufig seine Propaganda-Beschallung mit Lautsprechern an der Grenze zu Nordkorea gestoppt.

Kurz vor dem geplanten innerkoreanischen Gipfeltreffen hat der Süden seine Propaganda-Beschallung an der Grenze zum Norden vorübergehend eingestellt. Ziel sei es, vor dem historischen Treffen des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un am Freitag eine "friedliche Atmosphäre" zu schaffen und "militärische Spannungen" abzubauen, erklärte das Verteidigungsministerium in Seoul.

Die Staatschefs beider Länder wollen am Freitag im Grenzort Panmunjom zum dritten gesamtkoreanischen Gipfeltreffen seit Ende des Korea-Krieges 1953 zusammenkommen. Neben dem Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms soll auch über die Bedingungen für einen dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel gesprochen werden.

Südkoreanische Soldaten stellen an der Grenze zu Nordkorea einen Lautsprecherturm für Propagandadurchsagen auf. | Bildquelle: AP
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Mit Dezibel gegen den Nachbarn: Seit 2016 beschallen sich Süd- und Nordkorea gegenseitig mit Musik und Propaganda.

Lautsprecher-Duelle an der Grenze

Die Propagandasendungen dienen seit Jahren als Mittel der psychologischen Kriegsführung. Beide Seiten hatten ihre gegenseitige Beschallung 2015 ausgesetzt. Als Nordkorea Anfang 2016 seinen vierten Nukleartest durchführte, hatte Südkorea die Übertragung der gegen Pjöngjang gerichteten Lautsprecher-Propaganda wieder aufgenommen. Der Norden reagierte seinerseits wieder mit eigenen Lautsprecherübertragungen.

Es ist das erste Mal seit mehr als zwei Jahren, dass die Propaganda-Botschaften und laute Pop- und Militärmusik in Richtung Norden gestoppt wurden. Aus Kreisen des Verteidigungsministeriums verlautete, es könne bislang nicht bestätigt werden, dass auch der Norden seine Propaganda gestoppt habe.

Angespannte Beziehungen verbessert

Die wegen des nordkoreanischen Atomprogramms angespannten Beziehungen mit Pjöngjang hatten sich zuletzt etwas verbessert, nachdem Nordkorea angekündigt hatte, seine Atomwaffen- und Raketentests mit sofortiger Wirkung auszusetzen.

Nun führte die geschäftsführende Abteilungsleiterin für Angelegenheiten in Ostasien und den Pazifikraum im US-Außenministerium, Susan Thornton, Gespräche mit der südkoreanischen Regierung in Seoul. Dabei ging es auch um die Koordinierung der Positionen beider Länder im Konflikt mit Nordkorea. Die Zusammenarbeit sei "lückenlos", sagte Thornton nach einem Treffen mit Vizeaußenminister Yoon Soon Gu. Die USA wie auch Südkorea wollen von Kim Jong Un konkrete Zusagen für einen vollständigen Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms.

Für Ende Mai oder Juni ist auch ein Gipfeltreffen von Kim mit US-Präsident Donald Trump geplant. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA erklärte, der Druck auf Nordkorea werde aufrecht erhalten, bis eine maßgebliche nukleare Abrüstung vollzogen sei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. April 2018 um 06:00 Uhr.

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