Mit zum Handschlag ausgestrecktem Arm läuft Nordkoreas Staatschef Kim auf seinen südkoreanischen Amtskollegen Moon an der Demarkationslinie zwischen beiden Ländern zu. | Bildquelle: AFP

Nordkorea-Südkorea-Gipfel Symbolik bis hin zur Speisekarte

Stand: 27.04.2018 07:16 Uhr

Es ist ein historisches Treffen zwischen dem süd- und nordkoreanischen Staatschef Moon und Kim - und so wird an Symbolik nicht gespart - vom ersten Handschlag bis zum Esstisch.

Von Jürgen Hanefeld, ARD-Studio Tokio

Applaus für zwei lächelnde Männer. Der erwartete Handschlag zwischen Südkoreas Präsident Moon Jae In und seinem nordkoreanischen Amtskollegen Kim Jong Un weitete sich aus zu einer freundschaftlichen Geste, als Kim den Präsidenten des Südens bei der Hand nahm, um ihn über die Demarkationslinie zwischen beiden Ländern zu führen.

Anschließend trug sich Kim mit großer Geste in ein Gästebuch ein und sagte: "Wir stehen heute an der Startlinie, an der eine neue Geschichte des Friedens, des Wohlstandes und der interkoreanischen Beziehungen geschrieben wird. Anstatt wie früher Ziele zu setzen, die wir nicht erreichen konnten, sollten wir gute Resultate erzielen, indem wir offen über die aktuellen Probleme sprechen."

Ein Moment für die Geschichtsbücher

Schon der Moment, als Kim den Grenzstreifen passierte, wird in die Geschichtsbücher eingehen. Denn es ist das erste Mal, dass der nordkoreanische Machthaber südkoreanischen Boden betritt. Eine Ehrengarde geleitete die nordkoreanische Delegation zum Verhandlungsort, dem sogenannten Friedensdorf Panmunjom.

Kim wird von neun Beamten begleitet, darunter seine Schwester, die ihn bei den Olympischen Winterspielen vertreten hatte, sowie der offizielle Staatschef Nordkoreas, der greise Kim Yong-nam.

Kann Treffen "Friedenshoffnungen" erfüllen?

Schon vorher eingetroffen war die südliche Delegation, an der Spitze ein lächelnder und winkender Präsident Moon. "Die Augen der Welt richten sich auf den Grenzort Panmunjom", sagte Moon:

"Er ist zu einem Ort des Friedens geworden. Ich hoffe, dass es zu einer Vereinbarung kommen wird, die die Friedenshoffnungen der Menschen erfüllt."

Gipfeltreffen vom Kim und Moon | Bildquelle: REUTERS
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Nordkoreas Machthaber Kim trägt sich in das Gästebuch ein.

Moon gab Impuls für Gipfel

Moon ist es zu verdanken, dass dieses denkwürdige Ereignis stattfindet. Er ist noch nicht einmal ein Jahr im Amt, doch mit der Einladung Nordkoreas zu den Winterspielen hat er offenbar den richtigen Impuls gesetzt für ein Treffen, das bisher nur zweimal zustande gekommen ist: in den Jahren 2000 und 2007.

Über die Inhalte der Gespräche war vorab wenig zu erfahren. Es gehe um die atomare Abrüstung und die Sicherung eines dauerhaften Friedens, hieß es etwas allgemein. Die erste Arbeitssitzung begann am Vormittag Ortszeit, aber Stellungnahmen werden erst für den Nachmittag erwartet.

Eine Kiefer als Brücke zwischen beiden Ländern

Es ist ein striktes Protokoll, dem sich die beiden Seiten unterworfen haben, voller symbolischer Gesten. Moon und Kim wollen zum Beispiel eine Kiefer pflanzen, die für Frieden und Wohlstand stehen soll. Deren Erde soll von südlichen und nördlichen Bergen der koreanischen Halbinsel stammen und sie soll aus südlichen und nördlichen Flüssen bewässert werden.

Auch das Abendessen erhält einen symbolischen Charakter: Lokale Spezialitäten aus den Heimatorten der Verhandlungspartner sollen serviert werden, darunter die berühmten kalten Nudeln aus Pjöngjang, die Kim im Gepäck hatte: "Ich habe kalte Nudeln mitgebracht. Ich hoffe, Präsident Moon wird sie genießen." Als Reminiszenz an den Aufenthalt Kims in der Schweiz soll es außerdem Rösti geben.

Gipfeltreffen an der Grenze
Jürgen Hanefeld, ARD Tokio
27.04.2018 08:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. April 2018 um 17:00 Uhr.

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