Fische schwimmen über Seinkorallen am australischen Great Barrier Reef. | REUTERS

Wieder mehr Korallen Hoffnung für das Great Barrier Reef

Stand: 26.08.2022 20:10 Uhr

Australische Forscher haben am Great Barrier Reef den stärksten Korallenbewuchs seit 36 Jahren festgestellt. Das Riff scheint sich zu erholen. Die sich ausbreitende Korallenart ist allerdings sehr empfindlich.

Von Jennifer Johnston, ARD-Studio Singapur

Zwei Forscher gleiten in ihren Neopren-Anzügen an bunten Fischen und Korallen vorbei. Der eine Taucher hält ein langes gelbes Maßband in der Hand, vermisst das Riff. Der andere macht Fotos mit einer Unterwasser-Kamera. Fast ein Jahr haben Mike Emslie und seine Kolleginnen das Great Barrier Reef in Australien untersucht.

Jennifer Johnston

"Im Norden und im Zentrum des Great Barrier Reefs haben wir die stärkste Zunahme an Hartkorallen seit 36 Jahren festgestellt, also seit Beginn der Aufzeichnung, erklärt Emslie. Er ist Wissenschaftler am Australischen Institut für Meereswissenschaften. Im Süden hingegen hat der Dornenkronenseestern die Regeneration verhindert. "Er frisst gerne Steinkorallen", erzählt Emslie.

"Gute Nachrichten für das Riff"

Der Forscher ist mit dem Ergebnis dennoch sehr zufrieden: "Das sind wirklich gute Nachrichten für das Riff". Es zeige, dass es immer noch ein starkes, widerstandsfähiges System sei und in der Lage, sich von Störungen zu erholen.

Störungen wie Korallenbleichen, die in den vergangen sieben Jahren vier Mal passiert sind. Ist das Wasser länger zu warm, stoßen die Korallen Algen ab, mit denen sie sonst zusammenleben. Dadurch verlieren sie ihre Farbe. Gebleichte Korallen sind extrem gestresst, aber leben noch und können sich wieder erholen.

"Wir wussten immer, dass sich das Riff erholen kann", sagt Emslie. Das Überraschende sei, dass es trotz der beiden letzten großen Korallenbleichen im Jahr 2020 und in diesem Jahr 2022 seinen Aufwärtstrend fortgesetzt habe. "Ich denke, das deutet darauf hin, dass nicht alle Bleichereignisse gleich sind.“

Steinkorallen sind anfällig für Wellen

Die Wissenschaftler sehen jedoch, dass die Störungen häufiger auftreten und länger dauern. Was sie nicht wissen ist, wie sich die Bleichen langfristig auswirken. Das Riff sei auf dem Weg der Besserung, es sei aber definitiv noch nicht wieder gesund, erklärt Zoe Richards, Korallenforscherin an der Curtin University in Perth, in Australien.

Die Karte zeigt das Great Barrier Reef vor Australien

Das Weltnaturerbe habe sich besonders dank der schnell wachsenden Acropora-Korallen erholt, so die Forscherin. Sie seien wie Unkraut. Diese schnell wachsenden Korallen haben eine Art Lebenszyklus, bei dem es mal aufwärts und mal abwärts geht. Sie boomen einfach. Dann gibt es plötzlich sehr viele, aber ein einziger Wirbelsturm oder eine einzige Bleiche kann sie alle auslöschen.

Die Acropora-Korallen seien wegen ihrer langen, verzweigten Wuchsform besonders anfällig für Wellen. Bei einem starken Wind oder tropischen Wirbelsturm könnten sie leicht zerbrechen. Dazu kommen kleinere Bedrohungen wie schlechte Wasserqualität, die Schifffahrt oder der korallenfressende Seestern. Doch das größte Problem sei der Klimawandel, die steigende Wassertemperatur und in der Folge die Korallenbleiche.

Weiter Druck auf die Regierung

"Das lässt sich nicht leugnen", sagt Richards. Sie wünscht sich das gesunde Great Barrier Reef zurück, dass sie als Kind noch gesehen hat. Sie ist daher froh, dass bei der letzten Wahl die Parteien zulegen konnten, die in Australien etwas gegen die Erderwärmung tun wollen. Wir brauchen diese Veränderungen dringend. "Die Nachricht, dass sich das Riff erholt, ist positiv, zeigt, dass es noch Hoffnung gibt. Aber es ist kein Grund, den Fuß vom Pedal zu nehmen und keinen Druck mehr auf die Regierung auszuüben."

Diese hat selbst ein Interesse daran, dass sich das Riff erholt. Die UNESCO hat bereits mehrfach gedroht, das Great Barrier Reef auf die Rote Liste der gefährdeten Weltnaturerbestätten zu setzen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 26. August 2022 um 20:23 Uhr.