Rebellenführer Bosco Ntaganda vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. | Bildquelle: dpa

Strafgerichtshof zu Ntaganda 30 Jahre Haft für Ex-Rebellenführer

Stand: 07.11.2019 13:32 Uhr

Wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist der kongolesische Ex-Rebellenführer Ntaganda zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Es ist die höchste Strafe, die der Strafgerichtshof bisher verhängt hat.

Der Internationale Strafgerichtshof hat den ehemaligen kongolesischen Rebellenführer Bosco Ntaganda zu 30 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht in Den Haag sah es als erwiesen an, dass Ntaganda Massaker an Zivilisten verübt hat. Für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde nun die Haftstrafe verhängt - nachdem er bereits im Juli in 18 Fällen für schuldig befunden worden war. Die Strafe ist die höchste, die das Haager Gericht jemals verhängt hat. Die Zeit seiner Untersuchungshaft seit März 2013 werde angerechnet, erklärte das Gericht.

Obwohl Ntaganda für jeden der einzelnen Anklagepunkte zwischen acht und 30 Jahre Haft erhalten habe, begrenze das Statut die Länge der Haftstrafen auf insgesamt 30 Jahre, erklärte das Gericht. Von lebenslanger Haft sahen die Richter ab.

Derzeit läuft ein Berufungsverfahren gegen den Schuldspruch. Auch gegen das Strafmaß ist Berufung möglich. Über die Entschädigung der Opfer will der Gerichtshof noch entscheiden.

Morde, Vergewaltigungen und Verschleppung

Dem 46-jährigen kongolesischen Ex-Warlord werden zahlreiche Morde, Vergewaltigungen, sexuelle Ausbeutung sowie die Verschleppung und Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten vorgeworfen. Dabei geht es um Verbrechen in den Jahren 2002 und 2003. Ntaganda, der den Beinamen "Terminator" trägt, befehligte als Kommandeur die Miliz "Patriotische Kräfte für die Befreiung des Kongo" (FPLC). Die Verbrechen wurden im Ostkongo in der Provinz Ituri begangen.

Die Verteidigung hatte Ntaganda als Opfer dargestellt mit der Begründung, er sei ein Kindersoldat gewesen. Der Rebellenführer beteuerte seine Unschuld: "Ich bin ein Revolutionär, kein Verbrecher", hatte er in seinem Schlusswort vor Gericht gesagt.

Kämpfe um Rohstoffe

In der Provinz Ituri im Ostkongo herrscht seit über 20 Jahren ein blutiger Konflikt zwischen verschiedenen Rebellengruppen und Regierungssoldaten. Es kommt wiederholt zu Kämpfen um die Kontrolle der reichen Rohstoffvorkommen.

Ntaganda galt zeitweise als einer der einflussreichsten Rebellenführer der Region. 2006 erließ das Gericht einen Haftbefehl gegen ihn. 2013 stellte er sich überraschend der Justiz. Der Prozess gegen Ntaganda begann Anfang September 2015. Der frühere Chef der FPLC, Thomas Lubanga, war bereits vom Strafgerichtshof zu 14 Jahren Haft verurteilt worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. November 2019 um 13:00 Uhr.

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