Helfer in Schutzanzügen tragen im Ort Beni im Kongo einen Sarg mit einem Ebola-Opfer aus einem Haus. | Bildquelle: REUTERS

Ebola-Epidemie im Kongo Kampf gegen Gerüchte und Angst

Stand: 26.01.2019 14:29 Uhr

Eine Ebola-Epidemie im Kongo hat bereits Hunderte Tote gefordert. Doch um die Ausbreitung zu verhindern, müssen Helfer erst den Kampf gegen etwas anderes führen: Gerüchte und Ungläubigkeit.

Von Linda Staude, ARD-Studio Nairobi

Ein paar junge Frauen streifen auf der Suche nach Feuerholz durch den dichten Busch. In großen Bündeln schleppen sie die Äste auf dem Rücken über die staubige Straße in ihr verstecktes Dorf. Zwischen den einfachen Lehmhütten hält ein Geländewagen: Ein Expertenteam ist gekommen, um die Menschen über die Ebola-Epidemie zu informieren, die in der Region Mulekera wütet.

"Einige Leute haben schon verstanden, dass es die Seuche gibt. Aber gerade in den Dörfern werden viele das niemals glauben. Wenn wir Ihnen sagen, lasst euch impfen, bewerfen sie uns oft mit Steinen oder schlagen uns. Dann geben wir auf und fahren zurück. Unsere Arbeit ist wirklich schwierig", erzählt Avie Mbusa, der zu dem Team gehört. Er war selbst mit Ebola infiziert und hat mit viel Glück überlebt. Jetzt ist der 22-jährige für UNICEF unterwegs, um seine Landsleute aufzuklären. Aber die sind nicht so leicht zu überzeugen wie Bertrant aus der Stadt Beni:

"Ich persönlich habe noch keinen einzigen Ebola-Fall gesehen. Sie sagen, dass hier in der Stadt Dutzende Menschen sterben. Das ist einfach nicht wahr, hier ist gar nichts. Die bringen Leute mit ein bisschen Fieber ins Krankenhaus und auf einmal sind sie tot. Wir verstehen das nicht."

Ein Werkzeug der Regierung

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat es bisher noch nie einen Ebola-Ausbruch gegeben. Die Regierung warnt vor der Ansteckungsgefahr - aber der vertraut in der Region kaum jemand, in der Dutzende Milizen seit Langem die Bevölkerung brutal terrorisieren, und das weitgehend ungehindert.

"In den sozialen Netzwerken und auch in anderen Medien sind Anschuldigungen gegen die Zentralregierung und verschiedene Gruppen aufgetaucht. Unter anderem, dass Ebola als politisches Werkzeug benutzt wird", sagt Peter Salama von der Weltgesundheitsorganisation. Genau das ist vor den Wahlen Ende Dezember auch geschehen, an denen die Oppositionshochburgen im Ebola-Gebiet nicht teilnehmen durften.

Noch gefährlicher sind die Gerüchte über die erstmals eingesetzten Medikamente und den Impfstoff gegen das Virus. "Viele verweigern die Impfung, weil alles Mögliche darüber erzählt wird. Die Leute sagen, dass der Impfstoff unfruchtbar macht oder dich vielleicht sogar tötet", erklärt Henry Maneno, der in einem Impfteam arbeitet.

Online findet man Verschwörungstheorien, dass Ebola absichtlich verbreitet wurde, um die Pharmaindustrie reich zu machen. Oder dass genügend Vitamin C die Seuche kuriert. Ebola zu bekämpfen, heißt zunächst einmal, die wilden Spekulationen zu bekämpfen - und die Angst.

Helfer, die im Kongo gegen Ebola kämpfen, reinigen ein Haus mit Desinfektionsmittel. | Bildquelle: dpa
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Die Schutzanzüge der Helfer rufen häufig Misstrauen hervor.

Als Hexerei abgestempelt

"Wir arbeiten mit den ganzen Gemeinden: zum einen mit technischen Mitteln der Massenkommunikation, zum anderen, indem Helfer von Haus zu Haus gehen und die Gemeindemitglieder selbst mobilisieren", sagt Salama. Die Informationsoffensive von internationalen Helfern und der kongolesischen Regierung ist zum ersten Mal Teil der Ebolabekämpfung. Das Team sammelt zunächst die kursierenden Gerüchte, erklärt Ombretta Baggio von der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung:

"Wenn Familien darüber reden, dass Ebola kein Virus ist, sondern Hexerei, müssen wir dagegen angehen. Oder wenn sie denken, dass Desinfektion das Virus noch weiter verbreitet, dann müssen wir diese Information angreifen."

Internetvideos sind Teil der Aufklärungskampagne. Die echten Informationen werden über dieselben Kanäle verbreitet wie die Gerüchte: soziale Netzwerke, das Internet und die Medien.

"Die Geschichte des Ebola-Virus" - der Zeichentrickfilm erklärt auf Lingala, wie die Krankheit sich verbreitet und wie man sich schützt. Auch neue Behandlungsmethoden helfen, ohne die angsteinflößenden Schutzanzüge. "Ihretwegen müssen wir spezielle Verfahren bei der Pflege einhalten, weil es so lange dauert, sie anzuziehen und sie auch die Bewegungsfreiheit behindern. Sie schränken unseren Kontakt mit den Patienten ein, weil sie unsere Gesichter nicht sehen können", kritisiert Emmanuel Berbain von Ärzte ohne Grenzen.

Vertrauen als wichtigste Basis

In Beni wird stattdessen der "CUBE" eingesetzt, auf Deutsch Würfel - ein Minikrankenzimmer aus durchsichtigem Plastik. Ärzte und Pfleger können die Patienten durch eingebaute Handschuhe erreichen. "Das ermöglicht eine Behandlung mit mehr Kontakt. Außerdem haben auch die Angehörigen einen besseren Zugang zu den Patienten. Sie können bei ihnen sein, wie es mit den Anzügen, die wir vorher hatten, nicht möglich war" sagt Oummani Rouafi von der senegalesischen Organisation ALIMA, die den "CUBE" entwickelt hat.

Das schaffe Vertrauen - und das ist bitter nötig im Ostkongo. Damit wütende politische Demonstranten nicht noch einmal ein Ebola-Behandlungszentrum niederbrennen wie in Beni. Und damit erboste Angehörige nicht wieder Helfer attackieren, die ein Ebola-Opfer sicher beerdigen wollen - so wie es immer wieder geschieht.

Immerhin: Nach einem Angriff in Butembo haben die Täter den gestohlenen Sarg später zurückgebracht, sich bei den verletzten Helfern entschuldigt und sich anschließend sogar von ihnen gegen Ebola impfen lassen. Ein gutes Zeichen, dass die Informationskampagne beginnt, Wirkung zu zeigen.

Kongo: Gefährliche Gerüchte und Misstrauen erschweren Kampf gegen Ebola
Linda Staude, ARD Nairobi
26.01.2019 12:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Bayern 2 am 30. Januar 2019 um 18:05 Uhr.

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