Kommentar

Trumps Haltung zur Presse Gefährliche Hetze

Stand: 30.07.2018 18:54 Uhr

6,5 falsche Behauptungen pro Tag - so viele stellt US-Präsident Trump einem Faktencheck zufolge auf. Den Mächtigen auf die Finger zu sehen, ist die Aufgabe der Presse. Doch die ist in den USA gefährdeter denn je.

Ein Kommentar von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Nein - die Presse ist nicht der Feind. Das musste Donald Trump mal gesagt werden. Ob er sich die Worte des "New-York-Times"-Herausgebers zu Herzen nimmt, ist allerdings zweifelhaft. Von Tag eins an hat Trump als US-Präsident die Medien heruntergemacht, ihre Glaubwürdigkeit in Frage gestellt, Journalisten einzeln über Twitter an den Pranger gestellt. Der Begriff "Fake News" stammt aus seinem engsten Umfeld.

Das Ziel bei all dem: Die Hoheit über die Informationen und ihre Deutung zu bekommen. Das ist gefährlich. Damit das nicht passiert, gibt es die Pressefreiheit. Damit Medien aus den unterschiedlichsten Perspektiven allen Mächtigen auf die Finger schauen. Trump stellt jeden Tag nach Angaben eines Faktenchecks der "Washington Post" 6,5 falsche Behauptungen auf.

Da muss jemand gegenrecherchieren, Fakten dokumentieren. Der US-Präsident aber hetzt immer wieder gegen Medien, die ihm aus seiner Sicht nicht gewogen sind. Die Auswirkungen bekommen Journalisten zu spüren. Die Zahl der Angriffe auf Journalisten in den USA ist erschreckend gestiegen. Der "US Press Freedom Tracker" zählt allein in einem halben Jahr, von August letzten Jahres bis Januar 2018, 125 Vorfälle im Zusammenhang mit der Pressefreiheit.

Rempeleien gehören inzwischen dazu

Dabei ist es nicht Trump allein, der gegen Journalisten pöbelt. Am Rande von Demonstrationen wurden schon Kameras von Journalisten zerstört. Rempeleien - durchaus auch von Politikern - gehören inzwischen dazu. Eine CNN-Reporterin, die für alle US-Fernsehstationen stellvertretend beim Juncker-Besuch Fragen stellte, wurde von der Pressekonferenz im Weißen Haus ausgeschlossen. Begründung: Sie habe zuvor unangemessene, sprich Trump nicht genehme, Fragen in den Raum gerufen. Viele Kollegen stellten sich hinter die Journalistin.

Es ist ermutigend zu sehen, wie die amerikanischen Kollegen ihre Aufgabe, ihren Job und damit die Pressefreiheit verteidigen. Klar, Trump hat auch die Presse in den USA beflügelt. Seit er im Amt ist, haben mehrere Zeitungen Investigativ-Abteilungen eingerichtet. Die Zahl der digitalen Abos von "Washington Post" und "New York Times" sind in den letzten eineinhalb Jahren in die Höhe geschnellt.

Minutenlange Beschimpfung

Doch die Frage ist: Wer liest diese Zeitungen? Die Antwort: ziemlich sicher nicht die Trump-Wähler. Und dessen Pressebeschimpfungen zeigen Wirkung. Das habe ich am eigenen Leib erlebt, als ich auf die einfache Frage, ob mir eine Trump-Anhängerin ihre Meinung zum US-Präsidenten sagen will, minutenlang beschimpft wurde - die Worte glichen denen Trumps auffallend.

Eine kritische Presse gehört zur Demokratie. Den Mächtigen, egal welcher Partei, auf die Finger zu schauen, ist unsere Aufgabe. Und auch wenn man als Leser, Hörer oder Zuschauer den Rückschlüssen nicht immer zustimmt, ist der Wert dieser Informationen unschätzbar und sei es auch nur, um die eigene, andere Meinung zu schärfen.

Wissen ist Macht. Das wissen auch die Mächtigen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass möglichst viele Menschen möglichst viele Informationen erhalten, um sich eine Meinung zu bilden und am Ende eine Wahl zu treffen. Dabei passieren auch Fehler. Keine Frage, auch Journalisten sind nicht perfekt. Aber die Pressefreiheit ist ein hohes Gut, das man verteidigen muss - denn als Feind des Volkes verstehen sich weder die amerikanischen Kollegen, noch die vielen deutschen Journalisten, die ich kenne. Ganz im Gegenteil.

Donald Trump, die New York Times und die Pressefreiheit
Martina Buttler, ARD Washington
30.07.2018 18:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Juli 2018 um 10:45 Uhr.

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