Kommentar

Nach Comey-Anhörung Trump beschädigt das Amt

Stand: 21.03.2017 09:16 Uhr

Erstmals in der US-Geschichte haben zwei Regierungsvertreter ihren Präsidenten als Lügner entlarvt - dem es auch noch an staatsmännischer Größe fehlt, sich bei seinem Vorgänger Obama zu entschuldigen. So beschädigt Trump das Amt des Präsidenten.

Ein Kommentar von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Das Wort historisch soll man nicht inflationär gebrauchen. Aber auf die Anhörung von FBI-Direktor James Comey und NSA-Direktor Mike Rogers im Kongress trifft es zu: Erstmals in der US-Geschichte haben zwei führende Vertreter der Regierung ihren Präsidenten als Lügner entlarvt. Für Trumps in mehreren Wut-Tweets geäußerten Vorwurf, sein Amtsvorgänger Barack Obama habe ihn abhören lassen, gebe es keinerlei Belege, so der FBI-Direktor. Und dass Trumps Sprecher sogar den britischen Geheimdienst verdächtigte, stuft der NSA-Direktor als "Unsinn" ein.

Und wie reagiert Donald Trump? Das einzig Richtige wäre eine Entschuldigung bei Obama gewesen. Doch zu solch staatsmännischem Verhalten scheint Trump nicht fähig zu sein. Dabei hat nie zuvor ein US-Präsident solch gravierende Vorwürfe gegenüber seinem Amtsvorgänger erhoben. Schon jetzt hat Trump damit dem Amt des Präsidenten schweren Schaden zugefügt.

Der letzte Rest an Glaubwürdigkeit geht verloren

Ganz offensichtlich hat Trump Probleme, zwischen Fakten und Verschwörungstheorien zu unterscheiden. Immer wieder macht er sich zweifelhafte Informationen von "Breitbart News" zu eigen und schießt sie per Twitter in die Welt hinaus. So geht der letzte Rest an Glaubwürdigkeit verloren - das höchste Gut, das ein Präsident braucht, wenn er in einer echten Krise sein Land führen muss.

Politisch noch gravierender aber ist die zweite schallende Ohrfeige, die Trump in der Anhörung einstecken musste. Erstmals hat das FBI offiziell bekannt gegeben, dass seit Ende Juli wegen der Einflussnahme Russlands in die US-Wahl ermittelt wird: und zwar nicht nur die Hackerangriffe auf die Demokraten, sondern auch mögliche Verbindungen zwischen dem Trump-Team und der russischen Regierung.

Dass Russland versucht hat, den US-Wahlkampf zu beeinflussen und Hillary Clinton zu schaden - daran gibt es kaum mehr Zweifel. Bedrohlicher für Trump ist, dass sich die Anzeichen mehren, dass Leute aus seinem Wahlkampf-Team im Visier der Ermittler sind. Noch laufen die Ermittlungen und noch ist nichts bewiesen. So lange gilt die Unschuldsvermutung. Doch fällt es immer schwerer, die vielen Hinweise als bloße Zufälle abzutun.

Immerhin: nach Erkenntnissen des FBI wurden keine Wahlmaschinen von Russland gehackt oder Wahlergebnisse gefälscht. Ob Putin über die von WikiLeaks veröffentlichten Clinton-Mails Donald Trump zum Wahlsieg verholfen hat, darüber können später Historiker streiten.

Der Verdacht bleibt

Dennoch liegt ab sofort ein schwerer Verdacht wie ein dunkler Schatten über der Präsidentschaft von Trump. Am Ende muss und wird die Bundespolizei FBI Licht in dieses Dunkel bringen. Allein schon deshalb, um weitere Einflussversuche Russlands bei US-Wahlen oder in anderen westlichen Ländern zu verhindern. Trump wird diesen Schatten so schnell nicht wieder los.

Trump beschädigt Amt des Präsidenten
M. Ganslmeier, ARD Washington
21.03.2017 07:27 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. März 2017 um 09:12 Uhr

Darstellung: