Polizisten gehen an einem Wahllokal in Bogota vorbei. | Bildquelle: AFP

Stichwahl in Kolumbien Schicksalstag für den Friedensprozess

Stand: 17.06.2018 05:05 Uhr

Duque gegen Petro: Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Kolumbien geht es nicht nur um eine allgemeine Richtungsentscheidung. Ein Sieg Duques könnte das Ende des Friedensprozesses bedeuten.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

"Duque ist die Zukunft und die Zukunft gehört allen" - so klang der Wahlkampf des rechtskonservativen Iván Duque in Kolumbien. Sein Gegner Gustavo Petro setzt auf einen anderen Rhythmus, aber fast dasselbe Versprechen. "Für ein besseres Land und eine bessere Zukunft", heißt es im Wahlkampfsong des linken Wahlbündnisses "Menschliches Kolumbien." Dabei könnten die beiden Stichwahl-Kandidaten kaum unterschiedlicher sein.

Kolumbianer entscheiden über ihren neuen Präsidenten
tagesthemen 23:15 Uhr, 17.06.2018, Xenia Böttcher, ARD Mexio-Stadt

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Eine ungewohnt deutliche Wahl

Die Kandidaten aus der Mitte des politischen Spektrums haben es nicht in die Stichwahl geschafft. Jetzt tritt Rechtsaußen gegen Linksaußen an, ein junger Karrierepolitiker gegen einen früheren Guerillakämpfer. Ein absolutes Novum für Kolumbien - noch nie stand ein betont linker Kandidat auf dem Stimmzettel einer Stichwahl. Das Land erlebt also eine ungewohnt deutliche Richtungswahl.

Beide Kandidaten haben einen Angst-Wahlkampf geführt. So wiederholte Duque immer wieder, ein linker Präsident Petro werde Kolumbien in ein zweites Venezuela verwandeln, einen sozialistischen Pleitestaat. "Wir sind gegen einen Politik des Klassenhasses und der Enteignungen, die sich in alles einmischt, und die wie ein Herrscher alles bestimmen will", so Duque.

Ivan Duque reckt lachend den Daumen. | Bildquelle: dpa
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Die erste Runde vor drei Wochen gewann der rechtsgerichtete Kandidat Iván Duque mit 39 Prozent der Stimmen.

Wunschnachfolger oder Marionette Uribes?

Der Linkskandidat Petro verspricht eine Umkehr in der Wirtschaftspolitik. Kolumbien müsse sich von der Abhängigkeit von Rohstoffexporten lösen. Er will auf Landwirtschaft und Öko-Tourismus setzen statt darauf, Öl und Kohle zu verkaufen. Petro warnt, ein Wahlsieg Duques werde Kolumbien direkt zurück in den gerade halbwegs überwundenen Konflikt führen. "In der Frage von Krieg und Frieden ist der fehlende Respekt für den Vertrag, den der Staat unterzeichnet hat, brandgefährlich", sagt Petro. "Er spielt wortwörtlich mit dem Feuer. Auch wenn die FARC nicht wieder zu Gewalt zurückkehren, könnte er so eine ganz neue Form der Gewalt entfesseln."

Denn zu den Versprechen Duques gehört auch, er werde die Friedensabkommen mit den mittlerweile entwaffneten FARC-Rebellen ändern. Von einer früheren Aussage, er werde das ganze Abkommen in Stücke reißen, ist er inzwischen abgerückt.

Aber der scheidende Präsident Juan Manuel Santos sei vor den früheren Guerillakämpfern auf die Knie gegangen, habe ihnen Straffreiheit und Sitze im Parlament zugebilligt - das will Duque ändern. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Haupttäter ihre Verantwortung auf sich nehmen, nicht weiter mit Drogen handeln, den Opfern Entschädigung zahlen, die Wahrheit sagen und ihre Strafen antreten, sonst wird der Frieden nicht von Dauer sein."

Damit liegt Duque ganz auf der Linie seines politischen Ziehvaters, des Ex-Präsidenten Alvaro Uribe. Dieser hatte den Friedensprozess seines Nachfolgers Santos erbittert bekämpft - manchen gilt Duque als Marionette Uribes.

Gustavo Petro | Bildquelle: dpa
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In Kolumbien umstritten: Ein Ex-Guerillero in der Politik. Gustavo Petro kam im ersten Wahlgang auf 25 Prozent.

Erneutes Referendum über Friedensabkommen

Die Wahl zwischen Duque und Petro ist insofern auch noch einmal eine Gelegenheit für die Wähler, über den Friedensprozess abzustimmen - nachdem sie ihn in einem Referendum vor zwei Jahren schon einmal abgelehnt haben.

Harte Kante verspricht Duque auch beim Kampf gegen den Koka-Anbau. Der Frieden mit der FARC hat das Geschäftsmodell der Drogenkartelle nicht zerstört, sondern beflügelt, der Koka-Anbau erreichte einen neuen Rekord. Dagegen stehen für Petro die immer weiter wuchernden Koka-Plantagen nicht ganz vorn auf der Agenda.

Petro hat in Umfragen seit dem ersten Wahlgang aufgeholt, aber Duque führt immer noch mit weitem Vorsprung. Wenn die Umfragen nicht völlig daneben liegen, steht Kolumbien vor einem Rechtsruck, mit unvorhersehbaren Folgen für den Friedensprozess. Nach wie vor gibt es keinen Frieden mit den ELN-Rebellen, der zweiten großen Guerillagruppe Kolumbiens.

Stichwahl in Kolumbien: Richtungsentscheid für den Friedensprozess
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
16.06.2018 23:49 Uhr

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