Der ehemalige Vizepräsident und Chefunterhändler Gustavo Bell, rechts, bei Gesprächen im Mai dieses Jahres in Havanna. | Bildquelle: Alejandro Ernesto/EPA-EFE/REX/Sh

Kolumbien Friedensgespräche vor Wahl abgebrochen

Stand: 16.06.2018 05:14 Uhr

Es war die fünfte Runde der Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Guerillaorganisation ELN in Kolumbien. Doch auch sie ging ergebnislos zu Ende - zwei Tage vor der Wahl. Neue Gespräche werden nun schwierig.

Kurz vor der Präsidentenwahl in Kolumbien ist den Unterhändlern bei den Friedensgesprächen zwischen der Regierung und der linken Guerillaorganisation ELN kein Durchbruch geglückt. Die Delegationen beendeten wider Erwarten die fünfte Verhandlungsrunde, ohne sich auf eine langfristige Waffenruhe zu einigen.

Der ehemalige Vizepräsident und Chefunterhändler Gustavo Bell hatte zuletzt einen Durchbruch in der fünften Verhandlungsrunde in Aussicht gestellt. Doch auch Außenministerin María Ángela Holguín konnte bei ihrer Teilnahme an den Gesprächen im kubanischen Havanna keine Einigung herbeiführen.

Für die Tage um die Wahl am Sonntag hat die ELN eine einseitige Waffenruhe erklärt.

Alles deutet auf Regierungswechsel hin

Die Friedensverhandlungen könnten unter der neuen Regierung deutlich schwieriger werden, denn alles deutet auf einen Wahlsieg des konservativen Kandidaten Iván Duque hin. Nach seinen Vorstellungen soll die ELN ihre kriminellen Aktivitäten einstellen und ihre Kämpfer an einem Ort zusammenziehen, bevor die Gespräche fortgesetzt werden. Das dürften die Rebellen kaum akzeptieren.

Der noch bis August amtierende kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos wollte ursprünglich mit der ELN-Guerilla einen ähnlichen Pakt schließen wie mit der Farc-Guerilla. Das historische Friedensabkommen wurde 2016 in Havanna unterzeichnet. Die Guerilla gab ihre Waffen ab und wandelte sich zur politischen Partei.

Seit 1964 wurden in Kolumbien bei Kämpfen zwischen der Armee, linksgerichteten Guerillagruppen wie Farc und ELN sowie rechten Paramilitärs mehr als 260.000 Menschen getötet. Etwa sieben Millionen Menschen flohen vor der Gewalt, mehr als 60.000 weitere werden vermisst.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juni 2018 um 06:26 Uhr.

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