Ivan Duque steht an einem Pult und jubelt der Menge zu | Bildquelle: dpa

Wahl in Kolumbien Rechtskonservativer gewinnt erste Runde

Stand: 28.05.2018 10:59 Uhr

In Kolumbien haben sich die Favoriten durchgesetzt: In die Stichwahl um das Präsidentenamt kommen der rechtskonservative Duque und der Ex-Guerillero Petro. Der Sieger entscheidet auch über die Zukunft des Friedensvertrags mit der FARC.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Jubel bei den Anhängern von Iván Duque: Der 41-jährige Anwalt ist der klare Wahlsieger. Nach der vorläufigen Schnellauszählung kommt er auf 39 Prozent der Stimmen, ein Rekordergebnis in einer ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Kolumbien.

Und Duque setzte den Wahlkampf direkt fort - er erneuerte sein Versprechen, das Friedensabkommen zu verändern, damit auch frühere FARC-Kommandanten bestraft werden können. Er wehrte sich aber gegen den Vorwurf, er sei gegen den Frieden oder wolle gar - wie seine Gegner es formulierten: "Das Abkommen in Stücke reißen".

Duque sagt: "Wir müssen dafür sorgen, dass die Hauptverantwortlichen ihre Versprechen einhalten, keine neuen Verbrechen begehen, die Wahrheit sagen, Wiedergutmachung leisten, Verantwortung übernehmen und ihre Strafen absitzen." Sonst werde der Frieden nicht von Dauer sein.

Ivan Duque reckt lachend den Daumen. | Bildquelle: dpa
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Ivan Duque: Wunschnachfolger oder Marionette Uribes?

Duque - Wunschnachfolger oder Marionette?

Duque ist der Wunschkandidat des immer noch populären Ex-Präsidenten Uribe, der die FARC mit eiserner Hand bekämpft hatte und auch gegen das Friedensabkommen gewettert hatte. Duques Gegner sagen, er sei weniger der Wunschnachfolger, sondern eher eine Marionette Uribes, der die Macht eigentlich innehaben werde.

Duque spickte seine Ansprache mit Seitenhieben auf seinen linken Gegner: "Wir predigen keinen Klassenhass, sondern Brüderlichkeit zwischen Arbeitern und Arbeitgebern." Das gilt seinem linken Herausforderer Gustavo Petro. Dem wirft er vor, er wolle Kolumbien mit Enteignungen zu einem zweiten Venezuela machen. Also einem linken Pleitestaat.

Kolumbien - "größte Ungleichheit der Welt"

Petro wies das umgehend zurück: "Wenn wir von der Überwindung der Armut gesprochen haben, heißt das nicht, dass wir die Reichen ärmer machen wollen, sondern wir wollen die Armen Kolumbiens reicher machen."

Und der Weg dorthin führe vor allem über kostenlose Universitätsbildung für alle. "Wir wollen aus der kolumbianische Gesellschaft, die heute die größte Ungleichheit der Welt aufweist, eine Gesellschaft der Mittelschicht machen, die der gesamten Bevölkerung Chancen bietet."

Gustavo Petro | Bildquelle: dpa
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In Kolumbien umstritten: Ein Ex-Guerillero in der Politik. Gustavo Petro kommt bei der Wahl auf 25 Prozent.

Ein Ex-Guerillakämpfer als Präsidentschaftskandidat

Dass Petro mit gut 25 Prozent der Stimmen ebenfalls die zweite Runde erreicht, ist die eigentliche Überraschung dieser Wahl. Denn es ist das erste Mal, dass ein Linkskandidat in der Stichwahl steht. Und noch dazu ein Ex-Guerillakämpfer. Petro gehörte der Rebellengruppe M-19 an, die schon 1990 ihre Waffen niederlegte.

Die Stichwahl in drei Wochen wird also eine Richtungswahl für Kolumbien. Ein für Kolumbien ziemlich linker und ein rechtskonservativer Kandidat treffen aufeinander - beide stehen für völlig unterschiedliche Gesellschaftsmodelle und für völlig unterschiedliche Vorstellungen, wie der Friedensprozess weitergehen soll.

Das Ergebnis wird davon abhängen, auf welche Seite sich die unterlegenen Kandidaten aus der Mitte des politischen Spektrums jetzt schlagen. In Kolumbien ist es üblich, sie in Wahlbündnisse für die Stichwahl einzubinden. Bis jetzt hat keiner von ihnen eine Wahlempfehlung abgegeben oder auch nur eine Tendenz erkennen lassen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Mai 2018 um 01:47 Uhr.

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