Kolesnikowa bei Demo | TATYANA ZENKOVICH/EPA-EFE/Shutte

Festnahme Kolesnikowas "Sie riss ihren Pass in kleine Fetzen"

Stand: 09.09.2020 00:16 Uhr

Die Umstände von Maria Kolesnikowas Festnahme sind weiter umstritten. Zwei ihrer Mitarbeiter erklärten nun, sie habe abgeschoben werden sollen - das aber durch das Zerreißen ihres Passes verhindert.

Von Stephan Laack, WDR

Die Demonstranten riefen: "Maria, du bist eine Heldin!". Sie klatschten demonstrativ Beifall und hielten Schilder hoch mit der Aufschrift: "Wir sind Maria." Viele zeigten das Victory-Zeichen. Hunderte hatten sich am Abend in Minsk an dem Soliaritätsmarsch für die belarusische Oppositionelle Maria Kolesnikowa beteiligt. Auch Nadeschda, für die es eine Herzensangelegenheit war, dabei zu sein: "Ich bin gekommen, um Maria Kolesnikowa und alle politischen Gefangenen zu unterstützen. Ich hoffe, dass alle bald freigelassen werden und wir gewinnen werden. Ich hoffe, dass mit ihr alles in Ordnung ist und unsere Proteste Erfolg bringen, dass wir siegen und unsere Hoffnungen in Erfüllung gehen."

Stephan Laack

Doch wieder gab es viele, teils brutale Festnahmen. Belarusische Sicherheitskräfte - oftmals maskiert - gingen diesmal auch massiv gegen Frauen vor. Zahlreiche Mannschaftswagen ohne Kennzeichen waren in der Minsker Innenstadt zu sehen.

Kolesnikowas Mitarbeiter berichten von Festnahme

Etwa zur gleichen Zeit gaben zwei Mitarbeiter von Kolesnikowa in Kiew eine Pressekonferenz. Sie waren ebenfalls am Montag von Minsk aus verschleppt worden und schilderten, wie die 38-Jährige gegen ihren Willen gewaltsam in die Ukraine abgeschoben werden sollte. Unmittelbar an der Grenze wurden sie demnach in ein Auto verfrachtet, mit dem sie dann in die Ukraine fahren sollten. Kolesnikowa habe versucht sich zu widersetzen - zunächst ohne Erfolg, wie Anton Rodnenkow, Pressesekretär des belarusischen Koordinierungsrates schildert:  

Die hinteren Autotüren wurden blockiert und sie konnte das Auto nicht verlassen. Sie schrie, dass sie nirgendwo hingehen würde. Als sie in den Wagen stieg und ihren Pass vor sich sah, riss sie ihn in viele kleine Stücke. Die zerknitterte sie und warf sie aus dem Fenster zu den unbekannten Typen, die das Auto umstellten. Danach verließ sie den Wagen durch das Fenster und ging in Richtung der belarusischen Grenze.

Dort sei sie dann festgenommen worden. Wie aus ihrem Umfeld zu hören war, sitzt sie in einer Grenzschutzstation im Süden von Belarus fest. Die beiden Mitarbeiter von ihr fuhren indes in die Ukraine, da sie befürchteten, ebenfalls festgenommen zu werden.

Beeindruckt von Willensstärke Kolesnikowas

Iwan Krawzow hatte die versuchte Abschiebung Kolesnikowas ebenfalls vor Ort verfolgt.

Was die Beamten interessierte, war die Chance, Maria ins Ausland zu bringen. Sie erklärten, dies sei notwendig, da ihrer Meinung nach die Situation im Land so deeskaliert werden könne. Eine der vorgeschlagenen Optionen bestand darin, dass wir drei mit meinem Privatwagen die Grenze überqueren sollten.

Beide zeigten sich sehr beeindruckt von der Willensstärke Kolesnikowas. Rodnenkow fügte hinzu, er könne solche Taten wie sie nicht vollbringen. Deswegen sei sie auch eine Anführerin und er der Pressesprecher.

Die Mitarbeiter der belarusischen Oppositionellen Kolesnikowa ,Rodnenkow und Krawzow. | SERGEY DOLZHENKO/EPA-EFE/Shutter

Die Mitarbeiter der belarusischen Oppositionellen Kolesnikowa ,Rodnenkow und Krawzow. Bild: SERGEY DOLZHENKO/EPA-EFE/Shutter

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. September 2020 um 06:51 Uhr.