Eine Gegnerin der Monarchie hält ein Plakat, auf dem "Not my King" steht | AFP

Umgang mit Protesten Kritik an den Royals? No thanks!

Stand: 13.09.2022 18:40 Uhr

Nach dem Tod der Queen scheint es, als sei ganz Großbritannien ein Volk untröstlicher Royalisten. Ein Grund: Kritiker kommen in den Medien kaum zu Wort. Und auch die Polizei geht hart mit Anti-Monarchie-Demonstranten um.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London 

Heile Welt in Großbritannien: Durch das Ableben der Queen ist die Krise rund um explodierende Energiepreise und Lebenshaltungskosten aus den Medien verschwunden, und bei der Berichterstattung über Elizabeth II. und den Wechsel auf dem Thron sind zwar viele Menschen in Trauerbekleidung zu sehen, aber der Grundton ist positiv.

Imke Köhler ARD-Studio London

Lange Dokumentationen und herrliche Fotostrecken zeigen eine Monarchin, die nicht nur für ihre Pflichterfüllung verehrt wird, sondern als junge Königin auch sehr schön war. Und diejenigen, die nun Blumen niederlegen oder am Straßenrand dem Trauerzug zuschauen, äußern sich erwartungsgemäß positiv über die Queen.

Graham Smith von Republic, einem Interessenverband, der sich für die Abschaffung der Monarchie einsetzt, hatte schon vor dem Thronjubiläum der Queen im Juni die Medien kritisiert.

Großbritanniens Problem sei, dass die Rundfunk- und Fernsehanstalten nicht besonders gut darin seien, "die Sache ausgewogen zu präsentieren", sagte Smith. "Ob das institutionell oder kulturell bedingt ist oder es absichtlich so gemacht wird, weiß ich nicht, aber die Medien sind sehr zurückhaltend, in ihre Berichterstattung Monarchie-Kritiker aufzunehmen." Damit erwiesen sie Großbritannien einen "Bärendienst“, meint Smith.

Festnahmen wegen Landfriedensbruchs

Die Treue zur Monarchie geht aber nicht nur in den Medien sehr weit. Denn in den vergangenen Tagen wurden mehrere Monarchie-Gegner festgenommen. Am Wochenende, als Charles III. als neuer König ausgerufen wurde, hat eine junge Frau in Edinburgh ein Schild hochgehalten auf dem "Imperialismus" stand und: "Abolish Monarchy", also der Aufruf, die Monarchie abzuschaffen. Die Frau wurde wegen Landfriedensbruchs festgenommen.

In Oxford wurde ein Mann in Handschellen abgeführt, nachdem er bei der Proklamation von Charles III. gerufen hatte: "Wer hat den gewählt?" Und einen weiteren Vorfall gab es während der Prozession in Edinburgh. Als der Trauerzug vorbeikam, schrie ein 22-jähriger Mann am Straßenrand Prinz Andrew entgegen: "Andrew, Du bist ein kranker, alter Mann." Der Rufer wurde von mehreren Leuten umgerissen. Auch der 22-Jährige wurde festgenommen, auch bei ihm lautet der Vorwurf Landfriedensbruch.

König oder Meinungsfreiheit?

Diese Entwicklung halten viele Briten für besorgniserregend. Andrew Marr, der zu den bekannten Moderatoren im Land gehört und vor Kurzem von der BBC zum Radiosender LBC wechselte, empörte sich auf Sendung lautstark:

Könige und Königinnen sind im Laufe der Zeit immer bejubelt worden, manche haben gebuht. Und nun wurden Leute festgenommen, weil sie gegen Charles III. protestiert haben. Eine Frau wurde weggeführt, weil sie ein Plakat hochgehalten hat mit der Aufschrift: 'Nicht mein König'. Das ist erbärmlich! Eine Monarchie, die keine Buhrufe und ein paar Pappschilder überlebt, ist ziemlich schwach, oder?

Diese Form der "idiotischen, harten Polizeikontrolle" sei langfristig gefährlich für die Monarchie, glaubt Marr. "Wenn der Vorschlag lautet: 'Wir können einen König haben oder Meinungsfreiheit', dann werden Millionen von uns sagen:'‚Oh, na dann, Meinungsfreiheit!'" Inzwischen haben sowohl die Polizei als auch die Regierung betont, dass Monarchie-Gegner das Recht haben, ihre Meinung zu äußern.

Die Royals - mächtig im Verborgenen

Inhaltlich hat deren Kritik viele Facetten. Es geht darum, dass die Monarchie den Steuerzahler viel Geld kostet und dass es dafür mutmaßlich keine Gegenleistung gibt - außer, dass Könige und Königinnen winken und Hände schütteln.

Es geht aber auch um die Kritik daran, dass sie im Verborgenen Gesetze beeinflussen und damit Macht ausüben. Dieser Demonstrant, der offenbar ohne Strafe davongekommen ist, formulierte seine Kritik so: "Das Prinzip, dass Macht vererbt wird, ist geradezu widerlich im Jahr 2022. Es kann keine philosophische oder moralische Rechtfertigung dafür geben, dass eine Familie qua Geburt diese politische Macht hat."

 

Über dieses Thema berichtete "Brisant" am 13. September 2022 um 17:15 Uhr.