Wladimir Klitschko neben Robert Habeck  | REUTERS

Klitschkos appellieren an Deutschland "Das ist blutiges Geld"

Stand: 31.03.2022 20:00 Uhr

Der eine war per Video zugeschaltet, der andere sprach in Berlin persönlich mit Wirtschaftsminister Habeck: Die Klitschko-Brüder haben Deutschland erneut um Hilfe gebeten. Ein eindringlicher Appell ging an die deutsche Industrie.

Der Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, Vitali Klitschko, hat deutsche Firmen nachdrücklich aufgefordert, keine Geschäfte mehr mit Russland zu machen. "Jeden Euro und jeden Cent, den die Russische Föderation bekommt, investiert sie nicht in ihre Wirtschaft und nicht in ihr Volk, sondern in ihre Armee", sagte Klitschko in einer Rede, die live in die Ratsversammlung von Hannover übertragen wurde. "Das ist blutiges Geld."

Das Ergebnis seien zerstörte Städte in der Ukraine. Den Blutzoll zahlten ukrainische Frauen und Kinder. Mit drastischen Worten schilderte Klitschko die Zerstörungen in den Kiewer Vorstädten mit zahlreichen Todesopfern und Menschen, die durch den Krieg obdachlos geworden seien. Er bat auch um weitere Waffen zur Verteidigung. "Wir freuen uns sehr über die Unterstützung aus Deutschland, aber es reicht nicht."

Russische Propaganda eine Art "Gehirnwäsche"

"Die wichtigste Waffe in diesem Krieg sind nicht Raketen, Panzer oder Maschinengewehre", betonte Klitschko. "Die wichtigste Waffe sind die Medien." Durch Staatspropaganda und die Unterdrückung der Pressefreiheit versuche die russische Regierung den Menschen einzureden, dass Russland die Ukraine von Nationalisten befreien wolle. Dabei handele es sich um Lügen und eine Art Gehirnwäsche.

Viele Ukrainer, die jetzt gegen Russland kämpften, hätten selbst Russisch als Muttersprache, sagte der Kiewer Bürgermeister. "Wie kann ich Russland hassen? In meinem Körper ist die Hälfte meines Blutes russisches Blut."

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay hatte Klitschko zu der Rede eingeladen. Hannover ist die führende Stadt der Organisation "Mayors for Peace" ("Bürgermeister für den Frieden") in Deutschland, zu der weltweit mehr als 8000 Städte und Gemeinden aus 163 Ländern gehören, darunter 700 aus Deutschland.

Klitschkos Bruder Wladimir trifft deutsche Politiker

Während Vitali Klitschko nur virtuell zu seinem deutschen Publikum sprach, traf sein Bruder Wladimir in Berlin zu einem Termin mit Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck zusammen. Dabei sollte es um weitere wirtschaftliche, humanitäre und militärische Hilfe für die Ukraine gehen, hieß es. In der Delegation aus Kiew waren demnach auch der Sonderbeauftragte des ukrainischen Außenministeriums für Sanktionspolitik, Olexij Makjejew, und die Abgeordnete Halyna Jantschenko.

Eine Ministeriumssprecherin bestätigt das Treffen der Delegation um den früheren Boxweltmeister Klitschko mit Habeck, nannte aber keine weiteren Details zum Inhalt der Gespräche. Später sollte Klitschko auch noch Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt treffen.

Am Abend betonte Klitschko im Sender "Bild TV", dass sein Land finanzielle und humanitäre Hilfe brauche. Die Wirtschaft liege am Boden und in manchen Städten gebe es weder Lebensmittel noch Wasser noch medizinische Versorgung. Und: "Wir brauchen Waffen", sagte Klitschko. Entscheidungen darüber müssten schnell getroffen werden. "Wir haben keine Zeit"

Über dieses Thema berichtete rbb24 in der Abendschau am 31. März 2022 um 19:30 Uhr.