Die Sonne kämpft sich über Santa Rosa, Kalifornien, USA, durch dichten Rauch von Waldbränden. | Bildquelle: dpa

US-Bericht über Folgen "Der Klimawandel ist hier und passiert jetzt"

Stand: 24.11.2018 05:47 Uhr

Der neueste Bericht der US-Regierungsbehörden zum Klimawandel dürfte dem Präsidenten nicht gefallen: Demnach sind die Folgen in den USA schon jetzt nicht mehr zu übersehen. Die Experten fordern dringend, gegenzusteuern.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Die US-Regierung muss dem Kongress in regelmäßigen Abständen einen Bericht über die Folgen des Klimawandels in den USA vorlegen. 13 Bundesbehörden und zahlreiche Klimawissenschaftler haben nun auf 1600 Seiten zusammengestellt, wie sehr die USA schon jetzt die Folgen des Klimawandels zu spüren bekommen.

Das sei die wichtigste Botschaft der Studie, betonte der Klimaforscher Michael Oppenheimer, Professor an der Universität Princeton, im Sender PBS: "Der Klimawandel ist hier und passiert jetzt. Die Amerikaner zahlen bereits für die Folgen und leiden darunter." Es sei eben kein abstraktes Problem mehr, das die USA erst irgendwann in einigen Jahrzehnten treffe. 

Hurrikane und Waldbrände

Extreme Wetterereignisse hätten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Seit 2015 entstanden durch die Hurrikane Maria und Harvey sowie die verheerenden Waldbrände in Kalifornien Schäden in Höhe von 400 Milliarden US-Dollar. Besonders bedroht durch die Folgen des Klimawandels seien Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus.

Der Klimawandel in den USA führe auch zu mehr Krankheiten, die über Zecken oder Mücken übertragen werden. Der Regierungsbericht warnt: Wenn die politisch Verantwortlichen in den nächsten Jahren nicht energisch gegensteuern, werde Amerika bis zum Ende des Jahrhunderts zehn Prozent seines Bruttoinlandsproduktes einbüßen:

"Wir tun nicht genug, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Und wir tun nicht genug, um uns gegen die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels zu schützen. Wir tun nur sehr wenig, um uns auf die Risiken einzustellen."

Am stärksten betroffen seien die Küstenbewohner. So gebe es in den Bundesstaaten Louisiana und Virginia Küstenabschnitte und Inseln, die bald unbewohnbar seien. Auch Küstenstädte wie Miami litten längst unter den Folgen des Klimawandels, sagt Oppenheimer: "Ihre Straßen werden immer häufiger überschwemmt. Das passierte früher vielleicht fünf bis zehn Mal pro Jahr, jetzt etwa 30 bis 40 Mal. Weil die Meeresspiegel ansteigen. Und was verursacht das? Die Erderwärmung!"

Wellen brechen in Miami an die Küste | Bildquelle: AP
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Miami während des Hurrikans "Irma"

Al Gore kritisiert Zeitpunkt der Veröffentlichung

In mehreren US-Medien wurde der Klimabericht der Regierungsbehörden als Ohrfeige für Präsident Donald Trump bezeichnet. Denn die Ergebnisse und Empfehlungen der Regierungsbeamten und Wissenschaftler stehen in deutlichem Widerspruch zur Politik des Präsidenten: Trump hat das Pariser Klimaschutzabkommen gekündigt und setzt auf fossile Energieträger wie Kohle und Erdöl. Wird Trump auf Klimastudien angesprochen, winkt er meist ab: "Zeigen Sie mir den Klimaforscher. Die haben eine sehr große politische Agenda." 

Noch vor wenigen Tagen spottete Trump auf Twitter über die ungewöhnliche Kälte zu Thanksgiving: "Was bitteschön ist mit der Erderwärmung passiert?"  

Der frühere US-Vizepräsident und Klimaaktivist Al Gore kritisierte den Zeitpunkt der Veröffentlichung des Klimaberichts: Trump habe den für ihn unangenehmen Klimabericht bewusst am "Black Friday" verstecken wollen. Wörtlich twitterte Al Gore: "Der Präsident mag versuchen, die Wahrheit zu vertuschen, aber seine eigenen Wissenschaftler und Experten zeigen sie so schonungslos und klar wie möglich."

US-Studie zum Klimawandel: Regierungsbehörden contra Trump
Martin Ganslmeier, ARD Washington
24.11.2018 06:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. November 2018 um 06:20 Uhr.

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