Klimaproteste in Italien (Archivbild). | Bildquelle: CHRISTIAN BRUNA/EPA-EFE/REX

Neues Schulfach in Italien Eine Stunde für den Klimaschutz

Stand: 09.11.2019 02:41 Uhr

An italienischen Schulen soll ab 2020 etwa eine Stunde pro Woche Klimaschutz unterrichtet werden. Es ist nicht das erste Mal, dass der Bildungsminister des Landes in Sachen Klimawandel aktiv wird.

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

"Meiner Meinung nach ist es wichtig, weil viele Menschen diese Sachen ignorieren. Vielen Jugendlichen ist das vollkommen gleichgültig und sie sagen: 'Egal, die Welt ist ja groß genug und es wird wohl nichts passieren.' Aber so könnten sie auch ihre Meinung ändern, etwa durch Zeitungen oder Nachrichten, die sie im Unterricht hören."

Alessia besucht in Rom die 9. Klasse, wie viele andere an ihrer Schule findet sie es gut, dass sie sich künftig verpflichtend mit Klimawandel befassen soll. Bildungsminister Lorenzo Fioramonti, Mitglied der Fünf-Sterne-Bewegung und seit dem 5. September in Regierungsverantwortung, will es ab nächstem September als Thema in der Schule einführen. 33 Stunden plant er dafür ein, also rund eine Stunde pro Woche.

Lorenzo Fioramonti | Bildquelle: REUTERS
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Eine Stunde Klimaschutz pro Woche - das plant Bildungsminister Fioramonti.

In einem ersten Schritt soll es zunächst als Teil der Zivil- oder Staatsbürgerkunde gelehrt werden. Doch dann, so Fioramonti, der unter anderem in Heidelberg und Berlin wissenschaftlich tätig war, wird es auch andere Fächer betreffen: "In einem weiteren Schritt soll es in andere Schulfächer integriert werden. Zum Beispiel könnte im Fach Erdkunde analysiert werden, was für Auswirkungen lokales menschliches Handeln auf andere Regionen in der Welt hat."

Inhalte basierend auf dem Alter der Schüler

Die Inhalte sollen sich nach dem Alter der Kinder richten. Die Jüngeren zwischen sechs und elf Jahren könnten sich beispielsweise mit verschiedenen Kulturen beschäftigen und deren Bezug zur Umwelt. Die älteren würden dann mehr technische Informationen bekommen, und Gymnasiasten könnten sich mit der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung auseinandersetzen.

Ganz konkret sind die Pläne allerdings noch nicht, nach Fioramontis Worten werde der Unterricht gerade analysiert und der Lehrplan von den Fachleuten erarbeitet. Im Januar sei das Ministerium dann soweit, um die Lehrer zu schulen. Bei Gruppierungen wie der Stiftung Symbola, die in der Qualität eine Antwort für viele Zukunftsfragen sieht, kommt das an, ihr Präsident Ermete Realacci sieht darin ein wichtiges Zeichen: "Ich glaube, es hat einen großen symbolischen Wert. Die Schulen sind in diesem Bereich schon sehr aktiv, auch schon vor den Demonstrationen der Jugendlichen aus der Greta-Generation. Die Förderung der jüngeren ist sehr wichtig in dieser Richtung."

Bildungsminister unterstützt "Fridays for Future"

Für den Klimaschutz hatte sich der Bildungsminister schon einmal stark gemacht. Anfang des Schuljahres ermunterte er die Schülerinnen und Schüler in Italien, sich an den "Fridays-For-Future"-Demonstrationen zu beteiligen, man werde dies als entschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht behandeln. Dafür war er von der Opposition heftig kritisiert worden. Doch für ihn ist klar: "Wir möchten Vorreiter beim Themengebiet Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit werden. Dies kann nur erfolgen, wenn wir Kindern konkret hier in unserem Bildungssystem in Italien altersgerechten Zugang zu diesen lebenswichtigen Themen ermöglichen."

Doch manchen Jugendlichen geht das noch nicht weit genug, so wie der 15-jährigen Anna. "Meiner Meinung nach ist es wichtig, auch wenn wir schon im Unterricht darüber sprechen. Wichtiger ist es allerdings, zu handeln, anstatt zu reden. Wir haben zum Beispiel im Automaten an der Schule Plastikflaschen oder Snacks in Plastik verpackt. Also entweder wir machen etwas oder es bringt nichts."

Klimawandel als Schulfach in Italien
Elisabeth Pongratz, ARD Rom
09.11.2019 00:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtet NDR Info am 09. November 2019 um 11:38 Uhr.

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