Ein Landwirt prüft sein Feld in Palestro nach starken Regenfällen. | Bildquelle: AFP

Klimawandel in Italien Jetzt geht’s ans Eingemachte

Stand: 07.10.2020 01:42 Uhr

2020 ist eines der wärmsten Jahre der jüngeren italienischen Geschichte. Der Klimawandel bedroht besonders die Landwirtschaft und damit auch viele Spezialitäten des Landes, zum Beispiel Olivenöl und den Weinbau.

Von Tilmann Kleinjung, BR

Gefüllte Zucchini Blüten sind eine besondere römische Spezialität. Als Vorspeise werden die orange-grünen Blütenblätter mit Mozzarella und Sardinen gefüllt und dann frittiert. Doch die Zucchiniblüte ist ein Sensibelchen. Giorgia Grandolini überprüft in Cesano bei Rom, welche Schäden der Starkregen der vergangenen Tage auf ihrem Zucchini-Acker angerichtet hat.

"Wie man sieht, sind sie sehr klein. Und da gibt es auch ein paar Blüten, aber die haben Probleme. Das sind solche Produkte, die wir im Sommer gepflanzt haben und gerade ernten. Die bräuchten aber deutlich höhere Temperaturen als in diesen Tagen."

Mittelitalien hat gerade einen gewaltigen Temperatursturz hinter sich. Nach einem der heißesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen fielen die Temperaturen, teilweise um 20 Grad. Dazu kamen Wassermengen vom Himmel, die in Italien bombe d’aqua genannt werden. Wasserbomben.

"Diese Wassermassen haben vor allem Folgen für die Sorten, die wir im Sommer angepflanzt haben, also vor allem kleine, junge Pflanzen sind betroffen. Und höchstwahrscheinlich werden wir auch Ernteeinbußen haben."

Klimaschwankungen setzen Landwirtschaft zu

Beim Bauernverband Coldiretti beobachtet man die extremen Klimaschwankungen mit Sorge. Die Landwirte müssen sich an die neuen klimatischen Bedingungen anpassen: Versicherungen gegen Ernteausfälle abschließen, Netze gegen Hagelschäden aufspannen. Und manche haben bereits ihre Produktpallette an das Wetter angepasst, stellt Lorenzo Bazzana von Coldiretti fest.

"In Sizilien werden Mangos oder Litschis angebaut, das sind tropische Früchte, die es früher in Italien nicht gab."

Exotische Früchte im Süden, Oliven im hohen Norden. Die warmen Temperaturen machen es möglich. Klingt wie ein Vorteil des Klimawandels.

"Wir können heute Hartweizen auch in Norditalien anbauen. Aber wenn es zu viel regnet, gibt es Qualitätsprobleme. Also ist es nicht nur eine Frage der Temperatur, wenn man eine Pflanze von Süden nach Norden exportiert. Auch andere klimatische Aspekte haben einen Einfluss auf die Gesundheit von Pflanzen."

Sorge um Olivenöl

Auf dem Bauernhof von Giorgia Grandolini in Cesano bei Rom versucht man das Beste aus den veränderten klimatischen Bedingungen zu machen. Giorgia erzählt, dass sie deutlich mehr Pfirsiche und Aprikosen anbauen können als in der Vergangenheit. Sorgen machen ihr die Oliven.

"Wir müssen mit der Olivenernte schon kommende Woche beginnen, also viel früher als sonst, weil sie früher reif sind. Und das hat natürlich Auswirkungen auf das Endprodukt. Unser Öl wird nicht so fruchtig sein."

Es geht an’s Eingemachte für Italiens Landwirte. Der gute Ruf italienischer Spezialitäten steht auf dem Spiel. Manche Auflagen für zertifizierte und geschützte Produkte sind kaum mehr zu erfüllen, warnt Coldiretti. Zum Beispiel, wenn Futtermittel wegen Missernten nicht mehr wie vorgeschrieben aus der Region kommen. Oder wenn die Temperaturen für die Reifung von luftgetrockneten Würsten und Käse einfach zu hoch sind.  

Wie der Klimawandel italienische Spezialitäten gefährdet
Tilmann Kleinjung, ARD Rom
07.10.2020 07:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Oktober 2020 um 05:41 Uhr.

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