Illegal gefällt Bäume in Boulikhamsai, Laos

IPCC-Report des Weltklimarats Die Abholzung des Waldes schadet doppelt

Stand: 08.08.2019 19:34 Uhr

Der Weltklimarat fordert eine Kehrtwende bei der Landnutzung und warnt vor Hungerkrisen. Warum die intensive Tierhaltung und die Rodung von Wäldern so gefährlich sind.

Von Günter Marks, tagesschau.de

"Nach der Klimakatastrophe kommt die Hungerkrise" - der Weltklimarat IPCC warnt eindrücklich vor den Folgen der globalen Erwärmung. In ihrem neuesten Bericht, der nun in Genf vorgestellt wurde, mahnen die Wissenschaftler ein radikales Umsteuern in der Landwirtschaft an. Der Agrarwirtschaft komme eine Schlüsselstellung zu. Landnutzung und Klimawandel seien aufs Engste verknüpft - vor allem bei der Produktion der Treibhausgase CO2, Methan und Lachgas.

Aus dem Bericht geht hervor, dass zwischen 2007 und 2016 die Nutzung von Land für 13 Prozent aller vom Menschen gemachten CO2-Emissionen verantwortlich ist, für 44 Prozent des Methan‐Ausstoßes und für 82 Prozent der Lachgasemissionen. Der Klimaforscher Alexander Popp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sagt im Gespräch mit tagesschau.de, dass die Landnutzung global gesehen etwa ein Viertel der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen ausmache.

Das ist eine relevante Größe über die bloße Zahl hinaus. Denn die Landnutzung spielt in der Rechnung der IPCC-Wissenschaftler eine mehrfache Rolle. Zur Landnutzung zählen neben der Landwirtschaft auch die Forstwirtschaft sowie andere, nicht weiter definierte Landnutzungen. Vor allem die Landwirtschaft und die Forstwirtschaft bedingen sich. Landwirtschaft entsteht oft dort, wo Wald abgeholzt wird - zum Beispiel im brasilianischen Regenwald. Das wirkt doppelt auf den Klimawandel. Die Rechnung lautet: Zusätzliche Rinder produzieren mehr Treibhausgase. Und die kleiner werdenden Wälder können weniger Kohlendioxid speichern.

Werner Eckert, SWR, mit einer Einschätzung zu Problemen des Klimawandels
tagesthemen 22:15 Uhr, 08.08.2019

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Methan aus Reisanbau

Popp ist einer der Autoren des aktuellen IPCC-Berichts. In der Landwirtschaft werde vor allem Methan und Lachgas produziert, sagt er. Das Methan stamme hauptsächlich aus der Tierproduktion und Tierhaltung. Lachgas werde sowohl in der Stickstoffdüngung als auch in der Tierhaltung erzeugt.

Der Biologe Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig sagt, dass neben der Viehwirtschaft auch der weltweite Reisanbau für einen großen Teil des vom Menschen verursachten Methan-Ausstoßes verantwortlich sei. Er liege bei circa 20 Prozent des gesamten in der Landwirtschaft erzeugten Methans, so Settele gegenüber tagesschau.de.

Verantwortlich für die Treibhausgasentwicklung sind Mikroorganismen in den Böden von überfluteten Reisfeldern. Sie zersetzen Wurzeln und Pflanzenreste zu Methan. Im vergangenen Jahr hatten amerikanische Wissenschaftler festgestellt, dass der Reisanbau immerhin für rund 2,5 Prozent des menschengemachten Klimawandels verantwortlich sei.

Was ist der IPCC

Der Intergovernmental Panel on Climate Change wurde 1988 von der UN-Umweltorganisation (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gegründet. Seine Aufgabe ist es, die Politik neutral über die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Klimaveränderung und über mögliche Gegenmaßnahmen zu informieren. Dem IPCC gehören 195 Staaten an. Sie entsenden Experten, die eigenständig Berichte erstellen und das letzte Wort darüber haben.

"Klima ganz anderer Regionen bei uns"

In Mitteleuropa muss sich die Landwirtschaft unweigerlich an die neuen Verhältnisse anpassen. Wie schon vor zwei Wochen aus ersten Informationen über den IPCC-Bericht zu entnehmen war, verschieben sich die Klimazonen auf dem Globus. "Wir werden das Klima ganz anderer Regionen bei uns haben - oft mediterran aus dem Süden oder auch kontinental aus dem Osten", sagt Settele. "Eine Klimaanpassung kann in der Nutzung, beziehungsweise im Anbau neuer Kulturpflanzen oder Sorten bestehen", sagt er.

Dennoch sei die Viehhaltung der Bereich, in dem man in der Landwirtschaft am meisten erreichen könne, wenn man gegen den Klimawandel steuern wolle, so Settele.

Deutsche Reaktionen zum Sonderbericht des Weltklimarats
tagesschau 17:00 Uhr, 08.08.2019, Volker Schwenck, ARD Berlin

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Verbraucherverhalten entscheidend

Das Verbraucherverhalten sei entscheidend, so Settele. "Ein Rückgang des Fleischkonsums wäre ein ganz wichtiger Schritt", sagt er. Auch Popp sagt, dass jeder Verbraucher etwas machen könne, indem er sein Konsumverhalten überdenke. "Dabei geht es nicht nur um den Fleischkonsum", so der Klimaforscher. "Wir wollen das Fleischessen nicht verbieten, sondern plädieren für ein Zurück zum Sonntagsbraten." Es gehe darüber hinaus um den allgemeinen Überkonsum hierzulande, der eine intensive Landwirtschaft fordere. "Gerade in den westlichen Ländern werfen wir zu viel der produzierten Gütern einfach weg. Wenn wir das reduzieren, müssten sie gar nicht erst produziert werden."

"In Deutschland liegt der Anteil der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft bei rund sieben Prozent", sagt Popp. Der Rest der Emissionen stamme zum allergrößten Teil aus der Verbrennung fossiler Ressourcen für Transport und Verkehr sowie Energie. "Das sind die wichtigen Hebel", sagt Popp. Ganz wichtig in Deutschland sei die Braunkohle. Die Nutzung dieses Energieträgers gelte es, rasch zu beenden.

Trockenheiten, Stürme, Dürreperioden

"Wenn wir uns weiter so verhalten, wie bisher, dann steuern wir auf drei bis fünf Grad Temperatursteigerung bis Ende des Jahrhunderts zu", sagt Popp. Aber entscheidend sei nicht nur die Temperatur, die steige, "sondern wir rechnen auch mit einer Zunahme von Extremereignissen, die man jetzt schon merken kann". Trockenheiten, Stürme, Dürreperioden, Extremniederschlagsereignisse würden die Landwirtschaft besonders treffen.

Deshalb sei das Zwei-Grad-Ziel so wichtig. So wie sich ein Kippschalter umlege, würden sonst Schwellenwerte überschritten, und immer mehr und immer häufigere Extremereignisse würden dem Klimawandel weiteren Vorschub leisten. Das Auftauen der Permafrostböden in Sibirien, die Methan freisetzen und durch Brände Kohlendioxid produzieren, ist ein Beispiel für solche Ereignisse.

"Der Klimawandel findet statt. Die Frage nach dem Aufhalten ist obsolet", sagt Settele. "Das Zwei-Grad-Ziel ist eine wichtige Konvention, die der globalen Gemeinschaft hilft, auf etwas Gemeinsames hinzuarbeiten." Es werde nicht einfach werden, das Ziel zu erreichen, "aber jeder Schritt, der hilft, diesem näher zu kommen, ist wichtig".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. August 2019 um 11:00 Uhr.

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Günter Marks, tagesschau.de

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