Am Rheinufer bei Düsseldorf  sind durch die anhaltende Trockenheit Risse entstanden. | Bildquelle: dpa

Internationale Studie Gesundheitsrisiko Klimawandel

Stand: 29.11.2018 11:47 Uhr

2018 war eines der heißesten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung, melden die UN. Das verändert nicht nur die Umwelt. Eine neue Studie zeigt: Die steigenden Temperaturen werden auch zum Gesundheitsrisiko.

Das Jahr ist noch nicht zu Ende, doch schon jetzt lässt sich feststellen: 2018 zählt zu den heißesten Jahren seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Wie die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in einem vorläufigen Bericht zum Stand des Klimas mitteilte, wird das ablaufende Jahr voraussichtlich als das viertheißeste Jahr verzeichnet werden.

Wenn der gegenwärtige Trend anhalte, drohe die globale Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um drei bis fünf Grad zu steigen, warnte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Er verwies auch auf eine Vielzahl von Wetterxtremen wie eine deutliche Zunahme von Tropenstürmen und die ausgeprägte Hitzewelle in diesem Sommer in Europa.

Was bedeutet das für die Menschen?

Auf die Folgen dieser Entwicklung für die Gesundheit der Menschen machen die Vereinten Nationen (UN) und 27 führende internationale Forschungsinstitute im Fachmagazin "The Lancet" aufmerksam. Der Klimawandel, warnen sie, werde zu einem immer größeren Gesundheitsrisiko.

Besonders gefährlich wird dabei der Temperaturanstieg und damit verbunden intensivere Hitzewellen. Laut der "Lancet"-Studie stieg die Zahl der gefährdeten Menschen, die solchen Hitzeperioden ausgesetzt waren, weltweit um 18 Millionen an. Im Vergleich zum Jahr 2000 waren es sogar 157 Millionen Menschen mehr. Als gefährdet gelten etwa Menschen, die älter sind als 65 Jahre oder an Krankheiten leiden wie Diabetes, Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden.

Europa stärker betroffen als Asien oder Afrika

Vor allem Einwohner von Städten bekommen die zunehmende Hitze deutlich zu spüren. Hier stieg die Durchschnittstemperatur zwischen 1986 und 2017 im Durchschnitt um 0,8 Grad Celsius an. Weltweit verzeichneten die Forscher im selben Zeitraum ein Plus von 0,3 Grad Celsius.

Da in Europa und im östlichen Mittelmeerraum deutlich mehr ältere Menschen in dicht besiedelten Gebieten leben, verzeichnet die Studie für diese Weltregionen ein höheres Risiko von Gesundheitsschäden durch Hitze als beispielsweise in Afrika oder in Südostasien.

Der Temperaturanstieg gefährdet die Gesundheit aber auch anderer Hinsicht. Da es immer heißer wird, erwarten die Wissenschaftsinstitute, dass sich künftig auch tropische Krankheiten stärker ausbreiten, darunter Malaria oder das Dengue-Fieber.

Außerdem wirkt sich eine höhere Durchschnittstemperatur auch auf die Luftqualität aus - wiederum vor allem in Stadtgebieten. In Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommensniveau landen laut Studie 97 Prozent aller untersuchten Städte unter den Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Luftqualität.

Tod durch Klimawandel?

Alle schädlichen Faktoren zusammengenommen - darunter die Gesundheitsgefahr, die Luftverschmutzung, aber auch eine schlechtere Trinkwasserqualität oder im weltweiten Durchschnitt zunehmende Mangelernährung - geht die WHO davon aus, dass zwischen 2030 und 2050 pro Jahr 250.000 Menschen an den Folgen des Klimawandels sterben könnten.

Die Auswirkungen auf die Gesundheit spiegeln sich auch in der Wirtschaft wider: durch den Ausfall von Arbeitsstunden. Im vergangenen Jahr waren das weltweit 153 Milliarden Stunden, im Vergleich zum Jahr 2000 ein Plus um 62 Milliarden.

Höhere Kosten durch extremes Wetter

Zudem kommen hitzebedingte Wetterphänome Staaten teuer zu stehen. Mit rund 288 Milliarden Euro, die Länder 2017 investieren mussten, um die Schäden von extremen Wetterereignissen zu beheben, verdreifachte sich die Summe gegenüber dem Vorjahr. "The Lancet" erfasste in seiner Studie für das vergangene Jahr mehr als 700 solcher Wetterphänomene weltweit.

Doch die Forscher sehen für die künftige Prognose des Klimas auch nicht komplett schwarz. So gebe etwa das Umdenken vieler Länder in Sachen Energiegewinnung Grund zur Hoffnung. "Aufregende Trends in Schlüsselbereichen für die Gesundheit, darunter der Ausstieg aus Kohle, der Einsatz gesünderer, sauberer Verkehrsträger und die Anpassung des Gesundheitssystems, rechtfertigen einen vorsichtigen Optimismus", ziehen die Forscher in ihrer Studie auch eine positive Bilanz.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. November 2018 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.

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