Die südkoreanische Umweltministerin Han Jeoung-ae und der italienische Minister Roberto Cingolani begrüßen sich beim G20-Gipfel in Neapel im Juli 2021. | via REUTERS

G20-Treffen in Neapel Zähes Ringen um mehr Klimaschutz

Stand: 22.07.2021 19:53 Uhr

Sie wollen ja mehr für den Klimaschutz machen - und trotzdem tun sich die G20-Staaten auf ihrem Treffen in Neapel schwer. Die Ziele des einen sind dem anderen noch viel zu hoch.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Der Rahmen ist barock-pompös, die Verhandlungen sind spröde bis schwierig. Wenig überraschend, denn gerungen wird im Palazzo Reale in Neapel um nichts weniger als eine gemeinsame Linie der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer für eine weltweite Umweltpolitik.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Dazu müssen sich so unterschiedliche Akteure wie die Europäische Union, die USA, China, Russland, Japan, Indien, Saudi-Arabien, Südafrika oder Brasilien auf einvernehmliche Lösungen verständigen. Der Wunsch - vor allem der Europäer - lautet: Ein gemeinsames Nein zur Wegwerfkultur und das Bekenntnis, dass in allen G20-Staaten künftig Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Recycling Vorrang haben vor der weiteren Ausbeutung der Ressourcen.

Auch wenn die praktische Wirksamkeit von G20-Beschlüssen umstritten ist - eine entsprechende Selbstverpflichtung der beteiligten Staaten wäre ein Meilenstein im Kampf gegen Umweltzerstörung und Klimawandel.

Streit um mehr Naturschutzgebiete

Genauso wie der Punkt, über den in der Vorbereitung der geplanten Abschlusserklärung mit am heftigsten gestritten wurde: Bis 2030, so wünschen es vor allem die Europäer, sollen 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Naturschutz gestellt werden. Weltweit und in jedem Land, um weiteren Raubbau an der Natur zu stoppen. Widerstand gegen diesen Plan kommt unter anderem aus China.

Der US-Klimaschutzbeauftragte John Kerry zeigte sich am Rande des Treffens optimistisch. Er habe den Eindruck, dass die einzelnen Staaten mehr tun wollen für den Schutz der Umwelt und dass sie bereit seien, es jetzt zu tun.

Für Streit sorgt auch der Vorschlag, staatliche Unterstützung für Kohlekraftwerke im Ausland zu verbieten. Vor allem China stellt sich bei diesem Thema quer.

Der Planet - ein "sinkendes Schiff"

Das Umwelt-, Klima- und Energietreffen der G20 wurde zum Auftakt von Protesten begleitet. Aktivisten blockierten unter anderem die Zufahrt zum Hafen von Neapel und Autobahnausfahren. "G20 tanzt auf der Titanic", war auf einem Transparent zu lesen. Davide Dioguardi, Sprecher der beteiligten Initiativen, sagt:

Die G20 Staaten bewegen sich auf einem Schiff, das untergeht. Und damit meinen wir unseren Planeten. Das vorherrschende Wirtschaftsmodell ist gescheitert. Die Flutkatastrophen in Deutschland und China zeigen, dass wir eine radikale Umkehr brauchen, weg vom aktuellen Entwicklungsmodell, das zerstörerische Auswirkungen hat auf die Territorien und die Menschen, die dort leben.

Parallel zum G20-Treffen findet in Neapel ein ökosozialer Gegengipfel statt, organisiert unter anderem von autonomen Gruppen, Umweltverbänden, Gewerkschaften und der Bewegung "Fridays for Future". Unter den Teilnehmerinnen ist auch die alternative Nobelpreisträgerin Vandana Shiva.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. Juli 2021 um 19:22 Uhr.