Windräder an der schwedischen Küste | Bildquelle: picture alliance / Alexander Far

Klimaschutz-Index Schweden Vorreiter - Deutschland verbessert

Stand: 07.12.2020 11:24 Uhr

Mittelfeld trotz leichter Verbesserung: Deutschland rangiert im Klimaschutz-Index auf Platz 19. Schweden hingegen nimmt laut der Studie eine Vorreiterrolle ein. Das Urteil über Klimaschutz in den USA ist vernichtend.

Beim Klimaschutz hat sich Deutschland im internationalen Vergleich laut einer Studie mehrerer Umweltorganisationen etwas verbessert und ins obere Mittelfeld vorgeschoben. Die Bundesrepublik machte im Klimaschutz-Index vier Plätze gut und steht demnach auf Rang 19 im Vergleich der 58 emissionsstärksten Staaten.

Die Gesamtbewertung lautet weiter nur "mittelmäßig", wie die Autoren des Berichts von Germanwatch, dem Climate Action Network (CAN) und des New Climate Institute mitteilten. "Zum leicht verbesserten Abschneiden Deutschlands tragen auch gute Noten für die internationale Klimapolitik bei - zum Beispiel im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft bisher", erklärte Jan Burck von Germanwatch. "Trotz nur mittelmäßiger Noten für die nationale Klimapolitik schafft es Deutschland deshalb in der Kategorie Klimapolitik in den Bereich 'gut'", fügte Burck hinzu.

Deutschlands Problemfelder sind nach dem Urteil der Studienautoren zu schwache Ausbauziele für erneuerbare Energien, viel zu wenig Fortschritt im Verkehrssektor sowie ein noch immer hoher Energieverbrauch und auch hohe Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase pro Einwohner. Deshalb reiche es in den übrigen Kategorien nur für die Bewertung "mittelmäßig", erklärte Burck. Deutschland liege demnach noch hinter Staaten wie Indien, Chile und Marokko.

Vorbild Schweden

Spitzenreiter bleibt im vierten Jahr in Folge Schweden - es rangiert im Klimaschutz-Index auf Platz 4, die Klimaschutzbemühungen werden als "gut" bewertet. Das Land setze Maßstäbe in den Bereichen CO2-Emissionen, erneuerbare Energien und Klimapolitik. Nur der sehr hohe Energieverbrauch pro Einwohner verhindere eine noch bessere Bewertung, heißt es in dem Bericht. 

Die Klimaschützer urteilten aber auch, dass kein Land "sehr gut" abschneidet, und ließen die ersten drei Plätze der Rangliste erneut frei.

In der Gesamtwertung konnte sich die EU demnach um sechs Plätze auf Rang 16 verbessern, allerdings fast ausschließlich aufgrund einer von den Autoren besser bewerteten Klimapolitik. "In der Platzierung stecken also ein paar Vorschuss-Lorbeeren", erläuterte Burck. "Sollte die EU beim Klimaziel für 2030 oder bei der Umsetzung des Green Deal nun doch enttäuschen, wäre ein Absturz im kommenden Jahr sicher." Die EU-Staaten Ungarn, Polen, Tschechien, Slowenien und Zypern seien hingegen "Ausreißer nach unten", heißt es in dem Bericht. 

Zu den Aufsteigern gehören Portugal (von Platz 25 auf 17) und Neuseeland (von 37 auf 28).

USA "desaströs"

Als "desaströs" bezeichnen die Autoren hingegen das erneut schlechte Abschneiden der USA: Im vergangenen Jahr liegen sie zum zweiten Mal in Folge noch hinter Saudi-Arabien am Ranking-Ende. Als einziges Land neben Australien und Algerien erhielten sie sowohl bei der nationalen als auch der internationalen Politik die schlechteste Bewertung "sehr schwach". 

Global scheine "ein Wendepunkt zum Greifen nah", schreiben sie. Demnach könnte bei den weltweiten Emissionen von Kohlendioxid der Höhepunkt erreicht sein. Insgesamt stiegen die Emissionen nur noch ganz leicht an, in mehr als der Hälfte der betrachteten Staaten sanken sie.

Der Index betrachte noch die Emissionen vor Beginn der Corona-Pandemie, zeichne also kein verzerrtes Bild. "Umso wichtiger ist es jetzt, dass die weltweiten Konjunkturpakete nicht nur die Wiederbelebung der Wirtschaft unterstützen, sondern auch auf eine CO2-freie Wirtschaft vorbereiten", erklärte Niklas Höhne vom NewClimate Institute.

Über dieses Thema berichteten am 07. Dezember 2020 Inforadio um 10:44 Uhr und Deutschlandfunk um 11:36 Uhr.

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