Joe Biden | Bildquelle: AFP

Umweltschutz in den USA Schafft Biden die Klima-Kehrtwende?

Stand: 19.11.2020 11:37 Uhr

Jahrelang hat US-Präsident Trump den Klimaschutz torpediert und Umweltrichtlinien im Land aufgeweicht. Nun lastet alle Hoffnung der Umweltschützer auf dem künftigen Präsidenten Biden. Gelingt ihm die 180-Grad-Wende?

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Der Kampf den Planeten zu retten und das Klima unter Kontrolle zu bringen steht ganz oben auf der To-Do-Liste des neugewählten US-Präsidenten Joe Biden. Das machte er in seiner Siegesrede nach der US-Wahl klar. Tatsächlich sind die Auswirkungen des Klimawandels in den USA nicht mehr zu übersehen. Verheerende Buschfeuer im Westen des Landes, immer häufiger vorkommende Hurricanes im Südosten. Noch-Präsident Trump hat den Klimawandel während seiner Amtszeit ignoriert und stattdessen mehr als 160 Umweltrichtlinien zurückgenommen - oft zugunsten der Öl- und Gasindustrie und anderer Wirtschaftszweige.

Joe Biden muss also Zeit wett machen und will als erstes wieder dem Pariser Klimaabkommen beitreten. Außerdem wird er die entsprechenden Posten in der Umweltbehörde neu besetzen, sagt Gina McCarthy, die ehemalige Chefin der Umweltbehörde EPA, im US-Radiosender NPR. "Wir können bei der Umweltbehörde Leute künftig einsetzen, die sich weniger um sich selbst sorgen, sondern mehr um das Wohl der amerikanischen Bevölkerung" so McCarthy.

USA soll bis 2050 klimaneutral sein

Joe Biden hat ehrgeizige Ziele: bis 2035 will er bei der Stromversorgung ohne Kohle, Öl und Gas auskommen. Bis 2050 möchte er die USA klimaneutral machen. Dafür will er rund zwei Billionen Dollar in erneuerbare Energien stecken. Gleichzeitig plant er, dadurch Hunderttausende neue Jobs zu schaffen und mehr Gerechtigkeit für Minderheiten. Erst im Januar, nach der Stichwahl in Georgia, wird sich herausstellen, ob die Demokraten die erforderliche Mehrheit im Senat haben werden, um diese Vorhaben durchzukriegen.

"Selbst wenn die Republikaner die Mehrheit im Senat haben, hat die Biden-Harris Regierung die Autorität zur Regulierung, z.B. in der Umweltbehörde, beim Clean Air Act und bei den Standards für Emissionen von Kraftwerken, Autos und Lkw", sagt Jason Bordoff, Energieexperte an der Columbia University, bei PBS. "Und sie haben eine Menge politische Autorität in der Außenpolitik."

USA sind zweitgrößter Klimasünder

Joe Biden hat schon angekündigt, so bald wie möglich einen internationalen Klimagipfel einzuberufen. Auf die Zusammenarbeit mit seinen europäischen Partnern kann er sich beim Thema Umwelt verlassen, auf die Republikaner eher nicht.

Man müsse den konservativen Klimawandel-Skeptikern im Land den Kampf für eine saubere Umwelt mit guten Argumenten schmackhaft machen, erklärt Umweltexpertin McCarthy. "Die Leute wollen Jobs, Fairness und Gesundheit. Je mehr wir diese Vorteile von sauberer Energie hervorheben, desto weniger Angst haben die Menschen vor den Folgen des Klimawandels." Am besten man verkaufe das Ganze nicht als Klima-Offensive, sondern als Initiative, die Jobs schafft und die Wirtschaft ankurbelt.

Noch sind die USA mit ihren hohen CO2-Emissionen der zweitgrößte Klimasünder der Welt. Eine 180-Grad-Wende in der Klimapolitik herbeizuführen, wird für Biden und sein Team eine Herkulesaufgabe werden. 

180-Grad-Wende in der Klimapolitik?
Claudia Sarre, ARD Washington
19.11.2020 10:50 Uhr

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