Protest gegen den Klimawandel in Madrid | Bildquelle: Luca Piergiovanni/EPA-EFE/REX

Klimakonferenz in Madrid Was bringt die zweite Woche?

Stand: 08.12.2019 15:34 Uhr

Die Klimakonferenz in Madrid geht am Montag in die zweite Woche: Schnelle, umfassende Maßnahmen wird es wohl nicht geben - obwohl die Appelle zum schnellen Umsteuern in der Klimapolitik immer lauter werden.

Von Jakob Mayr, BR, zurzeit Madrid

"Rettet die Erde, für den Wandel ist es noch nicht zu spät" - mit solchen Slogans haben am Freitagabend Zehntausende in der Innenstadt von Madrid für mehr Klimaschutz demonstriert, allen voran die Symbolfigur der Bewegung, Greta Thunberg.

Die 16-jährige schwedische Aktivistin und Begründerin der "Fridays-for-Future"-Bewegung stand mit ihrem Schild "Schulstreik fürs Klima" auf der Bühne und kritisierte die Politiker auf dem UN-Klimagipfel, der seit dem vergangenen Montag in Madrid tagt: Die Hoffnung finde man nicht in den Verhandlungssälen, sondern draußen bei den Menschen:

"Diejenigen, die an der Macht sind, müssen zu uns aufschließen. Denn wir sind im Augenblick diejenigen, die anführen. Sie müssen uns folgen, denn wir sind diejenigen, die zeigen, wo es hingeht."

Keine konkreten Entscheidungen erwartet

Aber die Hoffnungen der Demonstranten auf schnelle, umfassende Maßnahmen für mehr Klimaschutz werden enttäuscht werden. Schon jetzt ist klar: Beim Klimagipfel geht es um wichtige technische Fragen. Aber in Madrid werden Staaten nicht konkret sagen, was sie tun wollen, um das Ziel der Pariser Vereinbarung zu erreichen, die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten.

Die Chefin des UN-Klimasekretariats, Patricia Espinosa, erklärte zum Auftakt der Verhandlungen: "Natürlich haben wir den Punkt Emissionsreduktion gar nicht auf der Tagesordnung, deshalb wird es dazu auch keine eigene Entscheidung geben. Aber es gibt viele Tagesordnungspunkte und Gespräche auch auf höchster Ebene, wo es um ehrgeizigere Klimaschutzziele geht."

850 Organisationen veranstalten alternativen Klimagipfel in Madrid
tagesschau 20:00 Uhr, 07.12.2019, Natalia Bachmayer, ARD Madrid

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Im besten Fall eine Erklärung für schärfere Ziele

Im besten Fall kündigen G20-Staaten, also die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, in Madrid an, dass sie im kommenden Jahr schärfere Ziele vorlegen werden. Die G20 sind für 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Dabei steht vor allem die EU im Fokus: Kommissionschefin Ursula von der Leyen fordert, die CO2-Emissionen der Gemeinschaft bis 2030 deutlich stärker zu senken als bisher geplant, nämlich um 50 bis 55 Prozent statt wie bisher zugesagt 40 Prozent im Vergleich zu 1990.

Bewegt sich die EU?

Aber das ist derzeit nur ein Vorschlag, kein Beschluss. Bewegt sich die EU, könnte auch der weltgrößte Klimasünder China mitziehen und höhere Ziele ankündigen. Die deutsche Delegationsleiterin Nicole Wilke betont: "Die europäische Union arbeitet an ihrem Beitrag, der im nächsten Jahr vorgelegt werden soll. Wir sind guter Hoffnung, dass wir dann von allen Staaten wie in Paris vereinbart, Beiträge sehen werden."

In Paris haben die Staaten 2015 außerdem beschlossen, dass Regierungen und Unternehmen mit Ausstoßrechten handeln können, um mehr fürs Klima zu tun. Länder, die ihre Emissionen  stärker verringern als zugesagt, können diesen Überschuss in Form von Zertifikaten verkaufen. 

Die Sache mit den Emissionszertifikaten

Umweltverbände warnen vor Doppelzählungen - davor, dass sich Verkäufer und Käufer von Emissionszertifikaten eine Reduktion anrechnen, die nur einmal stattgefunden hat. Das will auch die Europäische Union in den Verhandlungen verhindern. Offenbar wehrt sich aber Brasilien gegen eine allzu strenge Buchhaltung.

Außerdem wollen China, Indien und Russland alte Zertifikate verkaufen, die aus Handelsmechanismen der weltweit ersten Klimavereinbarung von Kyoto stammen - enorme Mengen, die die Preise verderben könnten. "Da geht es um Zertifikate über 19 Milliarden Tonnen Kohlendioxid, das entspricht dem Ausstoß von 700 Kohlekraftwerken, die ununterbrochen für zehn Jahre laufen. Das droht, das Paris-Abkommen auszuhöhlen, wenn da nichts passiert", sagt Sam van den Plas von der Denkfabrik Carbon Market Watch.

Auch Industrieländer erstmals von Extremwetter betroffen

Im vergangenen Jahr waren erstmals auch Industrieländer unter den von Extremwetter besonders betroffenen Ländern. Neben Japan und den Philippinen steht Deutschland ganz oben im Klima-Risikoindex der Umweltorganisation Germanwatch - wegen der Hitze und der Dürre 2018.

Auf lange Sicht trifft Extremwetter aber vor allem Entwicklungsländer. Über die vergangenen 20 Jahre kamen sieben der zehn am stärksten betroffenen Länder aus dieser Gruppe - darunter Pakistan, Vietnam, Myanmar, Haiti und die Philippinen. Germanwatch-Expertin Laura Schäfer:

"Es gibt Länder, die von sehr starken Wirbelstürmen betroffen sind, die schwere  Schäden verursacht haben: Haiti, Myanmar - das ist eine Kategorie. Die zweite Kategorie sind Länder wie die Philippinen, die immer wiederkehrend von Ereignissen betroffen sind und dann kaum Zeit für den Wiederaufbau haben, bevor das nächste Ereignis kommt."

An der Spitze des 20-Jahre-Rankings steht Puerto Rico wegen der Verwüstungen, die 2017 der Hurrikan Maria angerichtet hat. In Madrid fordern Entwicklungsländer einen finanziellen Ausgleich für solche Schäden und Verluste. Der Inselstaat Vanuatu droht sogar damit, Regierungen zu verklagen.

Wer zahlt für Stürme, Dürren oder Überschwemmungen?

Die Industriestaaten haben zwar zugesagt, ab dem kommenden Jahr 100 Milliarden Dollar jährlich bereitzustellen, damit sich ärmere Länder an die Folgen des Klimawandels anpassen können. Für die Folgen von Stürmen, Dürren oder Überschwemmungen wollen Industrieländer aber nicht zahlen. Die Verhandlungen darüber stocken, sagt Sabine Minninger von der Entwicklungsorganisation Brot für die Welt: "Die Verursacher der Klimakrise müssen auch für die Schäden aufkommen und dafür bedarf es neuer zusätzlicher Finanzmittel."

Möglich, dass dafür Mittel aus schon bestehenden Klimafonds fließen, die entsprechend aufgestockt werden müssten. Auch darum geht es in der entscheidenden zweiten Gipfelwoche in Madrid. Ab Dienstag greifen 150 Ministerinnen und Minister aus rund 200 Staaten in die Verhandlungen ein.

Halbzeit beim Klimagipfel - entscheidende Woche beginnt
Jakob Mayr, ARD Brüssel, zzt. Madrid
07.12.2019 16:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Dezember 2019 um 20:00 Uhr.

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