Teilnehmer der Klimakonferenz in Kattowitz | Bildquelle: dpa

Nach dem UN-Klimagipfel Sind wir noch zu retten?

Stand: 16.12.2018 05:28 Uhr

Nicht alle freuen sich über das Ergebnis des UN-Klimagipfels. Für Klimaschützer sowie Jugenddelegationen und Inselstaaten blieben einige Wünsche offen. Erwartungsvoll schauen sie nun auf die nächste Konferenz.

Von Jan Koch, WDR, zzt. Kattowitz

Felix Hoffmann sitzt mit gemischten Gefühlen in der Eingangshalle in der Nähe des Plenarsaals der Weltklimakonferenz in Kattowitz. Gut eine Woche lang war der 22 Jahre alte Student als Jugenddelegierter unterwegs. Hoffmann war einer von vielen Jugenddelegierten, die verzweifelt darum warben, dass es doch um die Zukunft kommender Generationen geht und dass genau für diese Generationen hier Politik gemacht werden muss. Die kommenden Generationen sind es vor allem, die mit dem Klimawandel konfrontiert sein werden.

Gemeinsam mit anderen Jugenddelegierten war Hoffmann am Freitag noch zu einem Gespräch mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Teilen der deutschen Klimagipfel-Delegation geladen. "Es ist wunderbar, dass man uns zuhört", sagt er. "Aber mein Wunsch wäre auch, dass die Delegationen generell mehr Jugendliche einbeziehen. Dass sie Jugendlichen eine größere Rolle zusprechen."

Nächstes Jahr in Chile - nicht in Brasilien

Vielleicht im nächsten Jahr? Die kommende Klimakonferenz wird 2019 in Chile stattfinden, nachdem Brasilien als Gastgeber zurückgetreten war. Das Land unter der Regierung des ultrarechten Ex-Militärs Jair Bolsonaro wird wohl generell aus dem Klimaabkommen aussteigen.

Chile wird dann wieder eine neue Chance auch für Inselstaaten wie die Malediven sein, die seit Jahren immer und immer wieder betonen, dass es stärkerer Verbindlichkeiten und größerer Ambitionen bedarf. Hussain Rasheed Hassan, Umweltminister der Malediven, sagt: "70 bis 90 Prozent der Korallenriffe in tropischen Gegenden, die verhindern, dass unsere Inseln überschwemmt werden, werden zerstört. Wenn die also nach und nach verschwinden, würde das genauso bedeuten, dass auch unsere Heimat verschwindet und untergeht."

Geteilte Reaktionen auf Ergebnisse der UN-Klimakonferenz
tagesthemen 23:15 Uhr, 16.12.2018, Martin Polansky, ARD Berlin

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Inselstaaten fordern mehr Ambitionen

Die Klimaschützerin Sabine Minninger setzt sich schon seit Jahren für Inselstaaten wie die Malediven ein. Sie arbeitet als Referentin für "Brot für die Welt" und hat immer wieder in Gesprächen mit Delegationen versucht zu betonen, dass ein Bekenntnis und eine Anerkennung des Regelwerks vor allem wichtig für die Staaten sind, die am meisten unter den Klimaschäden leiden - Fidschi, die Malediven oder die Marshall-Inseln. "Es ist sehr traurig zu sehen, dass die Leugner des Klimawandels hier in Kattowitz einen recht großen Raum eingenommen haben", sagt sie. "Sei es jetzt, ob man den Weltklimabericht ablehnt, oder Erkenntnisse, wie man eine Erhöhung um 1,5 Grad globale Erwärmung noch überhaupt einhalten kann."

Ihrer Kritik schließt sich auch Martin Kaiser von Greenpeace Deutschland an: "Gerade die Inselstaaten haben hier deutlich gemacht, dass zwei Punkte bei den Verhandlungen extrem wichtig sind. Das eine ist, dass die Empfehlung des Klimarates wirklich in Klimaaktion umgesetzt wird und in der Abschlusserklärung verbindlich festgeschrieben wird. Und zum anderen, dass natürlich diese Länder unterstützt werden." Da seien finanzielle Unterstützungen auch von deutscher Seite aus wichtig - aber nicht genug.

Deutschland hatte bereits zu Beginn des Gipfels angekündigt 1,5 Milliarden Euro in den "Green Climate Fund" zu geben. Das ist doppelt so viel, wie vorher angekündigt. "Diese Klimakonferenz hat dabei versagt, die drängendste Frage zu beantwortet: Wann fangen Regierungen endlich an, ihren Ausstoß an Treibhausgasen spürbar zu senken?", sagt Kaiser.

Umweltministerin Svenja Schulze beim Klimagipfel in Kattowitz | Bildquelle: dpa
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Umweltministerin Schulze schloss sich der "High Ambition Coalition" an - einer Gruppe zur Nachbesserung der Klimabeschlüsse.

Brief an Kanzlerin Merkel

Gemeinsam mit den Umweltorganisationen BUND, Germanwatch und WWF präsentierte Greenpeace am Freitag ein Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Hierin verlangen die NGOs vor allem ein einheitlicheres und ernsthafteres Auftreten der Bundesregierung, nachdem Umweltministerin Schulze sich der "High Ambition Coalition" angeschlossen hatte - einer Gruppe von Vertretern verschiedener Industrie- und Entwicklungsländer zur Nachbesserung der Klimabeschlüsse. Daraufhin sagte ihr Kabinettskollege und Wirtschaftsminister Peter Altmaier, dass der Anschluss an die Koalition nicht im Auftrag der Bundesregierung geschehen sei.

Bis zur Konferenz im nächsten Herbst haben alle Länder nun Zeit nachzurüsten und ihren Zielen nachzukommen. In Deutschland wird ein Kohleausstiegsplan der Kohlekommission erwartet. Außerdem soll ein Klimaschutzgesetz entwickelt werden.

Bereits vergangenen Freitag hatten bundesweit einige Schüler die Schule geschwänzt, um für eine konkrete Klimapolitik zu demonstrieren. Aufgerufen hatte die 15 Jahre alte Schwedin Greta Thunberg, die mit ihren wöchentlichen Freitagskundgebungen zu einer neuen Klimaschutzikone geworden ist.

Beim Weltklimagipfel in Kattowitz sagte sie abschließend und im Hinblick auf Chile 2019: "Wir hatten so viele Klimakonferenzen, und nichts ist passiert. Wenn sich nichts ändern wird, wird es immer so weitergehen."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 15. Dezember 2018 um 23:30 Uhr.

Korrespondent

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Jan Koch, WDR

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