Hungernder Eisbär | Bildquelle: picture alliance / NTB scanpix

IPCC-Bericht zum Klimawandel Eindeutige Fakten, verheerende Aussichten

Stand: 25.09.2019 15:02 Uhr

Es ist ein alarmierendes Bild, das der Weltklimarat IPCC zeichnet: Beim Klimawandel hat sich nichts zum Positiven geändert. Nun muss vor allem die Politik reagieren.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Bilder von abbrechenden Eismassen in den Polarregionen, hungernde Eisbären, die sich durch tauende Landschaften schleppen: Wenn es um den Klimawandel geht, werden sie immer wieder als Beispiele gezeigt. Doch wie steht es wirklich um den Einfluss des Klimawandels auf Meeres- und Eisregionen?

Damit haben sich internationale Wissenschaftler im Auftrag des Weltklimarates eingehend beschäftigt. Nun haben sie die Ergebnisse in Monaco vorgestellt. Und die sind alles andere als beruhigend.

Kaum Veränderungen - und gerade darum alarmierend

Wirklich viel Neues hat der Sonderbericht zu Ozeanen und Eisregionen im Klimawandel eigentlich nicht zu bieten. Aber genau das ist vielleicht die schlechte Nachricht. Denn die Fakten und Prognosen, die die international anerkannten Wissenschaftler zusammengetragen und gebündelt haben, bestätigen einmal mehr die düsteren Aussichten, zu denen der Klimawandel regelmäßig Anlass bietet.

"Die Eisfelder in Grönland und der Antarktis verlieren immer schneller an Masse", berichtete die Klimaforscherin und Mitautorin für Fragen der Eisvorkommen Valérie Masson-Delmotte und prognostizierte:

"Während des 20. Jahrhunderts ist der weltweite Meeresspiegel um etwa 15 Zentimeter gestiegen. Aktuell steigt er doppelt so schnell. Und die Geschwindigkeit wird zunehmen."

Die Meere als vollgesogener Schwamm

"Ein Ozean, der wärmer und saurer wird und Sauerstoff verliert, hat Auswirkungen - auf das Meeresleben, seine Ausbreitung und Produktivität. Das hat das weltweite Fischfangpotenzial bereits reduziert", folgerte Hans-Otto Pörtner, Meeresbiologe in Bremerhaven und Mitautor für Auswirkungen des Klimawandels auf die Weltmeere.

"Die Weltmeere haben wie ein Schwamm CO2 und Hitze aufgefangen, um unsere Temperatur zu regulieren. Aber sie können das nicht weiter so tun", sagte Ko Barrett, Vizevorsitzende des Weltklimarates.

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Ursachen und Folgen des Klimawandels

Grafik zu Abweichungen von der weltweiten Durchschnittstemperatur

Wie sehr weicht die Durchschnittstemperatur vom langjährigen Mittelwert ab? Diese Grafik zeigt die jährlichen Temperaturabweichungen weltweit seit 1900. Die Nulllinie wurde aus den Durchschnittstemperaturen im Zeitraum von 1901 bis 2000 errechnet.

Weniger Arten, mehr Überschwemmungen

Die Liste solch schlechter Nachrichten, die die Forscher auf der Bühne in Monaco verkündeten und die sich noch wesentlich detaillierter im jetzt vorgelegten Sonderbericht des Weltklimarates nachlesen lässt, ist lang: schmelzende Eisschilde und Gletscher, ein Meeresspiegel, der bis zum Ende des Jahrhunderts um mehr als einen Meter steigen könnte, der Verlust von Arten und Lebensräumen. Auch immer häufigere und heftigere Unwetter und Überschwemmungen gelten demnach als wahrscheinlich. Und das ist erstmals in dieser Form auch wissenschaftlich belegt.

Am Sonderbericht des Klimarates waren mehr als 100 international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Autoren beteiligt, fast 7000 wissenschaftliche Studien und Publikationen wurden ausgewertet, Zehntausende Kommentare von Wissenschaftlern eingearbeitet.

Das deutsche "Klimapaketchen"

Die Botschaft ist eindeutig: "Dieser neue Sonderbericht hebt die Dringlichkeit heraus, schnelle ambitionierte und abgestimmte Maßnahmen gegen umfangreiche und dauerhafte Veränderungen der Meer- und Eisgebiete zu ergreifen", sagte Debora Roberts, ebenfalls Mitautorin des Berichts, der bewusst auch als Handlungsempfehlung für Regierungen und Politiker gedacht sein soll. Denn der einzige Ausweg aus dem klimatischen Teufelskreis, schlussfolgern die Wissenschaftler, liege in einer schnellen und drastischen Reduzierung der Treibhausgase.

Umweltverbände wie etwa der WWF sehen das als Steilvorlage für ihre Kritik, auch an der deutschen Politik: "Das, was die Bundesregierung in der vergangenen Woche verabschiedet hat, ist kein Klimapaket sondern ein Paketchen und es ist absolut nicht geeignet als Maßnahme, um den Klimawandel zu stoppen", mahnte Heike Vesper, Leiterin des Meeresschutzes beim WWF Deutschland.

Düstere Aussichten: Sonderbericht des Weltklimarats zu Meeren und Eis
Marcel Wagner, ARD Paris
25.09.2019 14:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. September 2019 um 11:01 Uhr.

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