Kohlekraftwerk Niederaußem | dpa
Analyse

UN-Klimagipfel Was taugen die Pläne zum Kohleausstieg?

Stand: 04.11.2021 19:39 Uhr

190 Staaten, Regionen und Organisation haben auf dem Klimagipfel in Glasgow zugesagt, aus der Kohle auszusteigen. Konferenzpräsident Sharma sprach bereits vom sicheren Ende der Kohle. Doch viele Experten äußern Kritik.

Von Werner Eckert, SWR

Keine neuen Kohlekraftwerke, kein Geld mehr für Kohlekraft im Ausland, kein Geld mehr für Kohle und Öl im Ausland: Die Ankündigungen überschlagen sich. Die britischen Gastgeber wollen ihr Versprechen erfüllt sehen, dass hier in Glasgow das Ende der Kohle eingeläutet wird. Konferenzpräsident Alok Sharma stellt schon mal fest: "Schon heute können wir das sagen, dass das Ende in Sicht ist." 190 Staaten, Regionen und Organisationen etwa reklamieren die Briten für ihre Deklaration "von Kohle zu Erneuerbaren Energien" - die auch von Deutschland begrüßt wird.

Werner Eckert

Aber die zahlreichen Ankündigungen und eine Fülle von Zahlen schaffen mehr Verwirrung als Klarheit. Alok Sharma muss sich gegen den Vorwurf verteidigen, hier einfach alte Zusagen neu zu verpacken: "Sie haben recht, die 190, da sind auch andere schon bestehende Zusammenschlüsse drin." Aber was das zeige, sei doch eine starke Bewegung gegen Kohle, so Sharma. Es gehe nicht darum, dass man sich fremde Federn anstecken wolle, es sei einfach ein gemeinsames Vorgehen.

Zehn Jahre zu spät

Allerdings hat die Konferenzpräsidentschaft die Latte auch tief gelegt. 2030 müssten Industriestaaten, 2040 Schwellenländer das letzte Kohlekraftwerk abschalten, sagen Analysten - wenn das Paris-Abkommen erfüllt werden soll. Die Deklaration in Glasgow spricht von "in den Dreißigerjahren" und in den Vierzigern. Immerhin hat deshalb auch Polen mitgemacht. Lisa Göldner, Klima- und Energie-Kampagnerin bei Greenpeace Deutschland, kritisiert aber, die polnische Regierung habe das gleich so übersetzt, dass sie das letzte Kohlekraftwerk erst 2040 vom Netz nehmen. Und das sei zehn Jahre zu spät.

Niklas Höhne, Leiter der Denkfabrik NewClimateInstitute, hat sich diese verschiedenen Ankündigungen angesehen und kommt zu dem Schluss: "Grundsätzlich ist es so, dass viele Länder ja schon Vorschläge gemacht haben, was sie zu tun gedenken. Und dass diese Initiativen eigentlich nur unterstützen, dass sie das, was sie sowieso schon vorgeschlagen haben, umsetzen."

Je früher, desto besser

Zusätzlich zu den jetzigen Verpflichtungen sei das wenig, so Höhne weiter. Aber es sei trotzdem gut, das zu tun. Denn, so betont er, es setze den Fokus auf das Allerwichtigste heute. "Nämlich: aus der Kohle raus!" Auch er hält es für entscheidend, dass der Kohleausstieg nicht irgendwann kommt, sondern schnell:

2030 als Ausstiegsdatum für Deutschland für die Kohle ist das Mindeste. Ob das sogar früher geht? Das wäre noch besser.

"Diese Zeit haben wir nicht mehr"

Das können entweder die Koalitionäre in Berlin entscheiden, oder aber der Markt - wenn nämlich die steigenden Preise für CO2 im europäischen Emissionshandel den Betrieb von Kohlekraftwerken früher unrentabel machen. Auch an die anderen fossilen Energieträger müsse man denken, sagt der Analyst.

In Deutschland herrsche noch so ein bisschen die Meinung, man hätte noch Zeit, von Kohle auf Gas umzusteigen. Diese Zeit habe man nicht mehr, so Höhne. Nicht in Deutschland, auch nirgendwo auf der Welt sollte man überlegen, jetzt noch Gaskraftwerke zu bauen. "Es muss direkt auf Erneuerbare gehen."

In Glasgow haben in einer weiteren Initiative 20 Staaten zugesagt, keine Gas- und Ölkraftwerke mehr im Ausland zu finanzieren. Hier ist noch nicht klar, ob Deutschland teilnehmen wird.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. November 2021 um 14:52 Uhr.