Ein Kino in New York. | AFP

Corona-Lockerungen in New York Erst ins Kino, dann ein Steak

Stand: 05.03.2021 02:50 Uhr

In New York dürfen Kinos unter strengen Auflagen wieder aufmachen. Auch die Gastronomie öffnet wieder ihre Türen. An den Lockerungen in der US-Metropole gibt es aber auch Kritik.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Der Staubsauger rauscht durchs Nomadenland. Das Programmkino "Syndicated" in Brooklyn läuft sich warm. Golden Globe-Star "Nomadland" soll als einer der ersten Streifen vor Publikum über die Leinwand laufen seit der Schließung vor einem Jahr. Vorher gibt es noch viel zu tun. Luftfilterwechsel, Stühlerücken, Personal instruieren.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Die Liste der Auflagen ist lang. Kinochef Tim Chang hat auch gerechnet, ob sich das lohnt: "Normalerweise passen 60 Leute in diesen Saal. Jetzt dürfen es nur 15 sein. Und die Sitze müssen weit auseinanderstehen."

Großer Andrang

Nur ein Viertel der Besucher pro Saal - maximal dürfen es 50 sein. Der Run auf die Plätze ist groß, sagt Chang.

Die Leute brennen darauf, zurück ins Kino zu kommen. Erst seit einem Tag bieten wir Tickets an und sind bereits bis Ende nächster Woche ausgebucht.

Das "Syndicated" ist eines von rund 300 Kinos im Staat New York, die darum bangen, die Pandemie zu überleben. Wie viele andere unabhängige Filmpaläste hat es sich durch Streamings und Outdoor-Shows halbwegs über Wasser halten können.

Wir haben eine Außenwand weiß gepinselt, haben ein offenes Zelt aufgebaut, Tische und Stühle in ausreichender Entfernung aufgestellt, und haben Filme gratis gezeigt.

Keine Angst vor einer Ansteckung

Das war ein Trost, aber kein Ersatz für echte Kinofans wie Colin. "Das Kino habe ich vermisst. Ich werde sofort reingehen. Ich hab gehört, sie zeigen auch einen neuen Pixar-Film."

Leere Säle, das heißt: mehr Platz zum Beine-Ausstrecken, meint auch Harris, der sich auf "Nomadland" freut. Angst vor einer Ansteckung mit Covid hat er nicht: "Mit Entfernung und Masken - das klingt doch gut. Es gibt so viel Platz und Luftzirkulation."

Viel Auswahl gibt es nicht. Covid hat auch Hollywood gelähmt. Viele Filmstarts wurden verschoben. Etliche Kinobesitzer warten deshalb auch erst noch ab. "Erst müssen wir sehen, was sicher genug für unsere Mitarbeiter und Kunden ist und auch machbar" - erklärt sinngemäß das populäre Programmkino "Metrograph" in Manhattan. Viele New Yorker kritisieren die Lockerungs-Offensive von Gouverneur Andrew Cuomo auch. Er wolle die Wirtschaft retten, um politisch zu punkten.

Auch Innenbewirtung wieder erlaubt

In Peter Lugers Edel-Steakhouse ist die Stimmung hingegen gut. Gäste posieren mit Audrey Hepburn, kippen einen Cocktail mit Mad Man John Hamm. Die hippen Wachsfiguren von Madame Tussaud‘s sind geborgte Ehrengäste. Damit es auf den leeren Plätzen nicht ganz so einsam wirkt, sagt der Chef. "Es könnte sonst ein wenig leer wirken. Unsere Freunde hier füllen das Ganze mit Leben."

35 Prozent der Gäste dürfen die Lokale jetzt wieder drinnen bewirten. Höchste Zeit, sagt der Chef des Gaststättenverbands, Andrew Rigie: "Es ist eine harte Phase für die Restaurants. Die Besitzer versuchen sie und die Jobs zu retten. Die Angestellten müssen auch ihre Mieten zahlen."

Tausende Restaurants und Bars machen nicht wieder auf

Viele der rund 25 000 New Yorker Lokale haben Corona nicht überlebt.

Wir haben über das vergangene Jahr Tausende Restaurants und Bars verloren. Und 140.000 Jobs, die an ihnen hingen.

Die Branche brauche ganz schnell wieder normale Besucherzahlen. Alle setzen auf die Impfkampagnen, sagt Rigie. Noch sind erst rund 13 Prozent der acht Millionen New Yorker geimpft. Die Infektionszahlen sind weiterhin hoch. Doch Cuomo besteht darauf: Der Trend sei positiv. Er hat bereits weitere Öffnungen in Gang gesetzt. Sportarenen, Vergnügungsparks und Spielhallen. Und für das Frühjahr sind erste Konzerte angesagt. Nicht nur Kinofans hoffen auf ein Happy End.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 23. Februar 2021 um 17:30 Uhr in den Nachrichten.