Dokumente des Kindertransports im Zweiten Weltkrieg | Bildquelle: picture-alliance / /HIP

Entschädigung für "Kindertransporte" Späte Geste für geflüchtete Kinder

Stand: 17.12.2018 15:23 Uhr

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs flüchteten 10.000 jüdische Kinder vor den Nazis. Die Überlebenden der "Kindertransporte" nach Großbritannien erhalten von Deutschland nun eine Einmalzahlung.

Vor 80 Jahren starteten die ersten "Kindertransporte": Rund 10.000 Kinder flüchteten zwischen 1938 und 1939 vor den Nationalsozialisten nach Großbritannien. Acht Jahrzehnte später sollen die Überlebenden nun von Deutschland eine Einmalzahlung in Höhe von 2500 Euro erhalten.

Auf die einmalige Entschädigungszahlung haben sich die Bundesregierung und die Conference On Jewish Material Claims Against Germany - kurz Claims Conference - verständigt. Überlebende der Transporte sollen ab 1. Januar entsprechende Anträge stellen können. Das Bundesfinanzministerium stellt die Gelder zur Verfügung.

Historische Verantwortung Deutschlands

Mit der Entschädigungszahlung erhielten die Überlebenden "jetzt ein kleines Maß an Gerechtigkeit", erklärte Stuart Eizenstat, Verhandlungsführer der Claims Conference. Greg Schneider, ebenfalls von der Claims Conference, ergänzte, damit sei eine "schmerzliche Lücke" in den Entschädigungsregelungen geschlossen worden.

Das Finanzministerium betonte, Deutschland stehe "auch weiterhin zu seiner historischen Verantwortung für die durch das NS-Unrechtsregime verfolgten Menschen". Jährlich werden demnach weiterhin Zahlungen von insgesamt über einer Milliarde Euro an die Überlebenden geleistet.

Transporte zum Schutz vor Nationalsozialisten

Jüdische Gruppen in Nazi-Deutschland planten die "Kindertransporte" aufgrund der Pogrome gegen Juden. Zwischen Dezember 1938 und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 wurden rund 10.000 Kinder aus Deutschland einschließlich Österreichs und annektierter Teile der Tschechoslowakei zum Schutz vor den Nationalsozialisten nach Großbritannien gebracht. Es handelte sich um fast ausschließlich jüdische Kinder ohne ihre Familien.

Symbolbild: Synagoge nach Pogromnacht (Foto: dpa) | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Nach der Pogromnacht 1938 flüchteten viele jüdische Kinder ins Ausland.

Nach Schätzungen der Claims Conference leben weltweit noch rund 1000 Überlebende der "Kindertransporte". Die Hälfte der Flüchtlinge lebt laut New York Times in Großbritannien; andere siedelten unter anderem in die USA, nach Israel, Kanada oder Australien über.

Organisation vertritt Interessen der Opfer

Die Interessen jüdischer Opfer des Nationalsozialismus und Holocaust-Überlebender vertritt die Organisation Claims Conference seit 1951. Sie ist ein Zusammenschluss von 25 internationalen jüdischen Organisationen mit Sitz in New York. Die Organisation ist unter anderem in Repräsentanzen in Frankfurt am Main, Wien und Tel Aviv vertreten.

Als Teil der deutschen Entschädigungspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung Geldzahlungen. Das Bundesentschädigungsgesetz gewährt seit 1953 Personen, die während des Nationalsozialismus in Deutschland aus politischen, rassistischen, religiösen oder aus weltanschaulichen Gründen verfolgt wurden, eine finanzielle Entschädigung. Bis Ende 2017 wurden Entschädigungen für nationalsozialistische Verbrechen in Höhe von über 75 Milliarden Euro gezahlt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 17. Dezember 2018 um 17:00 Uhr.

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