Ein junger Lumpensammler sucht auf der Bhalswa-Mülldeponie im Abfall nach Verwertbarem.  | picture alliance/dpa

UNICEF zur Corona-Pandemie 100 Millionen Kinder in Armut abgerutscht

Stand: 09.12.2021 09:24 Uhr

Die Corona-Pandemie ist nach Einschätzung von UNICEF die größte Krise für Kinder seit Gründung der Organisation. Mehr als 100 Millionen Minderjährige seien in Armut abgerutscht, 1,6 Milliarden konnten zeitweise nicht zur Schule gehen.

Die Corona-Pandemie hat nach einer Studie des UN-Kinderhilfswerks UNICEF weltweit zusätzlich 100 Millionen Kinder in Armut gestürzt. Das seien innerhalb von weniger als zwei Jahren zehn Prozent mehr, berichtete die Organisation. Schon vor der Pandemie hatten eine Milliarde Kinder weltweit nicht ausreichend Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Unterkünften, Ernährung, sanitären Einrichtungen oder sauberem Wasser gehabt.

Schlimmste Krise seit Bestehen von UNICEF

Eine solche Krise habe es in den 75 Jahren seit Bestehen von UNICEF noch nicht gegeben. "Während die Zahl der Kinder, die hungern, nicht zur Schule gehen, missbraucht werden, in Armut leben oder zwangsverheiratet werden, steigt, sinkt die Zahl der Kinder, die Zugang zu medizinischer Versorgung, Impfstoffen, ausreichender Nahrung und wichtigen Dienstleistungen haben", teilte UNICEF-Chefin Henrietta Fore mit. Es werde im besten Fall sieben bis acht Jahre dauern, bis die Rückschläge in vielen Bereichen wieder wettgemacht seien.

"Ein verlorenes Jahrzehnt verhindern" nennt UNICEF den Bericht, der die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kinder in der Welt beschreibt. 50 Millionen Kinder litten an Auszehrung, der schwersten Form von Mangelernährung. 2022 könnten weitere neun Millionen hinzukommen.

160 Millionen Minderjährige müssen arbeiten

Zeitweise seien in der Corona-Zeit wegen Lockdowns weltweit 1,6 Milliarden Kinder nicht zur Schule gegangen. Fast 80 Prozent des Präsenzunterrichts sei im vergangenen Jahr ausgefallen. Nach neuesten Schätzungen müssten 160 Millionen Minderjährige arbeiten, ein Anstieg von 8,4 Millionen innerhalb von vier Jahren. Bis Ende 2022 bestehe die Gefahr, dass weitere neun Millionen Minderjährige in die Kinderarbeit geraten, weil sie zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen müssen.

Mädchen sind laut UNICEF in einigen Bereichen besonders betroffen: Bis 2030 könnten zusätzlich zehn Millionen minderjährige Mädchen zwangsverheiratet werden. Außerdem hätten allein 2020 rund 23 Millionen Mädchen keine Impfungen gegen gefährliche Infektionskrankheiten bekommen.

Das Kinderhilfswerk fordert unter anderem eine entschlossenere Bekämpfung der Pandemie, auch durch höhere Impfraten, und mehr Investitionen in die sozialen Sicherungssysteme.

Mit Informationen von Peter Mücke, ARD-Studio New York.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Dezember 2021 um 08:00 Uhr.