Bekannte kondolieren den Eltern des zweijährigen Julen in El Pablo (Spanien) | Bildquelle: AP

Junge tot aus Schacht geborgen Spanien trauert um Julen

Stand: 26.01.2019 12:43 Uhr

Alle Rettungsbemühungen waren vergeblich: In Spanien ist der zweijährige Julen tot in einem 110 Meter tiefen Bohrloch gefunden worden. Nun gibt es Kritik an den Rettungsdiensten. War der Einsatz falsch geplant?

Spanien trauert mit den Eltern des zweijährigen Julen. Nach 13-tägigen Bemühungen konnten Retter den Jungen in der Nacht nur noch tot aus einem 110 Meter tiefen Brunnenschacht bergen.

König Felipe VI. und Ministerpräsident Pedro Sánchez kondolierten den Eltern. "Ganz Spanien nimmt Anteil an der unendlichen Trauer von Julens Familie", schrieb Sánchez auf Twitter.

Die Eltern hatten bis zuletzt auf einen glücklichen Ausgang des Dramas um den Jungen gehofft. Allerdings gab es zu keiner Zeit ein Lebenszeichen von dem Kind oder Kontakt zu ihm. Erst ein Büschel Haare, das einem DNA-Test unterzogen wurde, gab einen Hinweis darauf, dass Julen sich in dem Loch befand. Außerdem wurde bei Kameraaufnahmen im Schacht eine Tüte mit Süßigkeiten entdeckt, die Julen bei sich hatte. Er war offenbar am 13. Januar hineingestürzt, als die Familie mit der Vorbereitung des Mittagessens beschäftigt war.

Einsatz mit vielen Hindernissen

Hilfskräfte hatten seither versucht, den Jungen zu bergen. Da das Loch mit 25 Zentimetern zu schmal für einen Erwachsenen war, erst einen vertikalen Parallelschacht bohrten, um dann von dort einen 3,8 Meter langen horizontalen Tunnel zu dem Grund des Bohrlochs zu graben.

Die Beschaffenheit des Berges erschwerte aber die Arbeiten. Immer wieder stießen die Retter auf extrem hartes Gestein, das die Arbeiten verzögerte. Seit Donnerstagabend hatten erfahrene Bergarbeiter unter schwierigsten Bedingungen mit Spitzhacken und Presslufthämmern einen horizontalen Tunnel gegraben, um zu Julen vorzudringen. Jedoch war bis zuletzt unklar, ob der Junge tatsächlich in der von den Experten vermuteten Tiefe gefunden werden würde. Am Samstag erreichten sie dann die Stelle, an der die Leiche des Kindes lag.

Rettungsteam, das sich auf den Abstieg in den Brunnenschacht vorbereitet | Bildquelle: dpa
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Das Rettungsteam arbeitete sich langsam immer weiter zu dem Jungen vor. Ganz Spanien hatte tagelang mit den Eltern gehofft und gebangt.

Einsatz falsch geplant?

Inzwischen werfen Kritiker den Rettungsdiensten vor, den Einsatz nicht richtig geplant zu haben, berichtet ARD-Korrespondent Oliver Neuroth. Demnach hätten sie früher zu dem Kind vordringen müssen und nicht erst nach 13 Tagen.

Ein Vertreter der spanischen Regierung in Andalusien sagte dazu, man habe Julen einerseits so schnell wie möglich aus dem Brunnenschacht holen wollen, andererseits aber so vorsichtig, dass dem Kind kein weiterer Schaden zustoßen konnte.

Appell an Grundstücksbesitzer

Auch über die weit verbreitete Praxis, ohne Genehmigung Brunnen zu bohren, wird in Spanien kritisch diskutiert. Der Vertreter der Zentralregierung in Andalusien rief alle Grundstücksbesitzer dazu auf, illegale Bohrlöcher zu versiegeln, damit ein solches Unglück nicht noch einmal passieren kann.

Umweltschützer schätzen, dass es in Spanien rund eine Million dieser Brunnenschächte gibt - vor allem im trockenen Süden des Landes. Viele Spanier zapfen ohne Erlaubnis das Grundwasser an, zum Beispiel um landwirtschaftliche Flächen zu wässern.

Julen ist tot: Helfer finden leblosen Körper im Brunnenschacht
Oliver Neuroth, ARD Madrid
26.01.2019 07:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete BR24 am 26. Januar 2019 um 13:37 Uhr.

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