Rettungsarbeiten in Málaga | Bildquelle: REUTERS

Suche nach Kind in Spanien Rückschlag bei Rettungsaktion für Julen

Stand: 22.01.2019 17:47 Uhr

Die Rettungsarbeiten für den kleinen Julen geraten ins Stocken: Der Rettungstunnel muss teilweise neu gebohrt werden. Das kostet wertvolle Zeit, die am Ende fehlen könnte.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Alle Beteiligten dieser Rettungsaktion müssen vor allem eines beweisen: Geduld. Seit inzwischen neun Tagen bekommen sie regelmäßig zu hören, dass es morgen soweit sei, dass man morgen zu dem vermissten Jungen Julen im 100 Meter tiefen Erdloch vorstoßen könne. Doch die Helfer halten die Zeitpläne nicht ein. So dauerte die Bohrung des Rettungstunnels, der parallel zum Unglücksschacht verläuft, 55 Stunden. Angesetzt waren 15 Stunden.

Harte Steine verbiegen Bohrweg

"Wir hätten uns gewünscht, dass wir früher fertig geworden wären. Aber die Realität war eine andere: Wir stießen auf extrem harte Steine, was uns vor außergewöhnlich große Probleme stellte", sagte Angel Garcia Vidal, der Sprecher der Rettungskräfte, auf seiner vorerst letzten Pressekonferenz, bevor die neuesten Schwierigkeiten bekannt wurden.

Auch sie haben etwas mit dem harten Untergrund in Totalán zu tun. Er führte nämlich dazu, dass der Rettungstunnel einen Knick bekommen hat, in etwa 40 Metern Tiefe. Offenbar haben feste Steine die Riesenbohrmaschine quasi von ihrem Weg abkommen lassen, dafür gesorgt, dass die Bohrung nicht komplett vertikal erfolgen konnte. Doch genau das wäre entscheidend gewesen, sagt Mineningenieur Tomás García.

Rettungsarbeiten in Málaga | Bildquelle: DANIEL PEREZ/EPA-EFE/REX
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Die vorgesehenen Rettungsröhren passen nicht in den neuen Schacht.

Rettungsröhren passen nicht

Die Wände des Schachts müssten vertikal sein, um riesige Metallröhren einzusetzen. Sie sollen dafür sorgen, dass der Tunnel stabil genug ist für die Rettungsaktion, und dass es keinen Erdrutsch gibt. Doch diese Rohre passen nun nicht. Die Helfer füllen nun wieder Erde und Steine in den Schacht und versuchen, die letzten 20 Meter neu zu bohren und einen vertikalen Verlauf hinzubekommen.

Erst wenn die Metallröhren im Rettungstunnel verbaut sind, kann das Grubenrettungsteam sicher hinabgelassen werden. Die Spezialisten sollen vom tiefsten Punkt des Schachts einen horizontalen Tunnel zum Unglücksschacht graben, in den der zweijährige Junge offenbar gestürzt war. Ohne Maschinen, nur mit Hacken und Schaufeln. Die Grubenretter haben genau das vorab trainiert und wollen sobald wie möglich loslegen. Dafür sind etwa 24 Stunden veranschlagt. Die Experten hoffen, Julen dann bergen zu können.

 Wenig Hoffnung

Doch die Hoffnung schwindet von Stunde zu Stunde, den Zweijährigen lebend aus dem Unglücksschacht zu befreien. Zwar hieß es von der Regionalregierung Andalusiens am Morgen noch, man hoffe auf ein "final feliz", ein glückliches Ende. Doch den meisten Beteiligten ist bewusst, dass ein Kleinkind kaum neun Tage in einem engen, kalten Schacht überstehen kann - ohne etwas zu trinken und zu essen.

Doch die Helfer behalten ihre Geduld. Eigentlich sollte die letzte Etappe der Rettungsaktion - der Bau des Verbindungstunnels zwischen den beiden Schächten - heute beginnen. Nun äußern sich die Verantwortlichen nicht mehr zu möglichen Zeitplänen.

Spanisches Kleinkind in Erdloch: Neue Probleme bei den Rettungsarbeiten
Oliver Neuroth, ARD Madrid
22.01.2019 17:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. Januar 2019 um 10:50 Uhr.

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