Die Grabungsarbeiten retten weiterhin den zweijährigen Jungen Julen, der seit dem 13. Januar in einem Brunnen gefangen ist, im Dorf Totalan, Malaga, Südspanien. | Bildquelle: Daniel Perez/EPA-EFE/REX

Suche nach Kind Harter Fels behindert Rettung aus Erdloch

Stand: 21.01.2019 12:57 Uhr

Rettungskräfte versuchen seit mehr als einer Woche, den zweijährigen Julen aus einem 100 Meter tiefen Erdloch zu befreien. Nun wird an einem Parallelschacht gearbeitet, um sich dem Kind nähern zu können.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Er ist zum Gesicht der schlechten Nachrichten geworden: Angel García Vidal, der Sprecher der Rettungskräfte. Mehrmals täglich gibt er kurze Pressekonferenzen, um über den Stand der Arbeiten zu informieren, über die ständigen Verzögerungen beim Bau des Rettungstunnels. "Wir gelangen von hartem Material zu noch härterem Material. Das ist der Hauptgrund, warum wir im Moment mit den Bohrarbeiten nur sehr langsam vorankommen."

Schacht: Durchmesser nur etwa 30 Zentimeter

Die rund 300 Helfer brauchten die ganze Nacht, um weitere sieben Meter des Rettungstunnels fertigzustellen, weil sie auf Quarzgestein gestoßen waren. Sie bauen einen Schacht, der parallel zu dem Erdloch verläuft, in das der kleine Julen vor acht Tagen gefallen war. Die Rettungsteams können diesen Unglücksschacht nicht hinabsteigen, er hat nur einen Durchmesser von 25 bis 30 Zentimetern.

Der Unglücksort im südspanischen Totalán bei Málaga sieht aus wie eine riesige Baustelle: Etliche Bagger, Kräne und Lkw stehen bereit, um die Tonnen Erde und Gestein abzutransportieren. Die Arbeiten am Rettungstunnel laufen mit einer Art Riesenbohrmaschine, die auf einem Bagger montiert ist. Mit dem schweren Gerät sollen nun weitere rund sieben Meter ausgehoben werden, um auf der Höhe zu sein, in der Julen vermutet wird.

Loch in der Gemeinde Totalán in der Provinz Málaga | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Der Schacht hat nur einen Durchmesser von etwa 30 Zentimeter.

Handarbeit für Verbindungstunnel

Anschließend, so sieht es der Plan vor, werden Spezial-Bergungsteams für Bergwerksunglücke mit einer Art Aufzug nach unten befördert. Dort sollen sie dann einen etwa vier Meter langen horizontalen Gang graben, um den Unglücksschacht zu erreichen. Dieser Schritt gilt als besonders schwierig, denn er muss ohne Maschinen vollzogen werden. Die Experten müssen Handarbeit leisten, sie haben nur Hacken und Schaufeln dabei - außerdem Lampen und Sauerstoffmasken.

Die Teams haben viel Erfahrung mit solchen Rettungseinsätzen, aber es könnte sein, dass der Bau dieses Verbindungstunnels weitere 24 Stunden dauern kann.

Hoffnung, ihn lebend zu finden

Die Helfer rechnen damit, am Dienstag oder auch erst am Mittwoch zu Julen vorzustoßen. Die Verantwortlichen betonen immer wieder, dass sie noch Hoffnung haben, den Zweijährigen lebend aus dem Erdloch zu holen. Spanische Medien zitieren Ärzte mit den Worten, dass Kleinkinder in solchen Krisensituationen enorme Kräfte entwickeln könnten.

Laut Angaben des Vaters war Julen vor acht Tagen bei einem Familienausflug in den Schacht gefallen. Er soll sich in einer Tiefe von gut 70 Metern befinden. Psychologen betreuen die Eltern. Sie hatten erst vor einem Jahr einen Sohn verloren, er war an einem plötzlichen Herzstillstand gestorben.

Verantwortliche haben immer noch Hoffnung
Oliver Neuroth, ARD Madrid
21.01.2019 12:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Januar 2019 im Mittagsecho um 13:30 Uhr.

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