Leibwächter rund um Kims Auto | Bildquelle: AFP

Mercedes trotz Sanktionen Kims Luxus-Karren

Stand: 18.07.2019 15:32 Uhr

Kim präsentiert sich immer wieder mit Luxus-Limousinen - dabei sollte es die in Nordkorea nicht geben. Eine Recherche zeigt, wie Kim an Mercedes und Co. gelangt.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Eine Handvoll Bodyguards joggt neben einem gepanzerten Maybach, einem Mercedes oder auch einem Rolls-Royce nebenher. Aus dem Wagen steigt Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Immer wieder haben diese Bilder die Öffentlichkeit in der jüngeren Vergangenheit in Erstaunen versetzt. Wegen seines Atomprogramms sind Luxusgüter wie diese seit 2006 sanktioniert, dürfen also nicht nach Nordkorea exportiert werden. Doch das abgeschottete Land umgeht diese Auflagen geschickt, wie eine gemeinsame Recherche des "Centers vor Advanced Defense Studies", das ist eine auf Schmuggel spezialisierte Nichtregierungsorganisaton, und der "New York Times" zeigt.

Kim Jong Un schaut aus einem Autofenster mit heruntergelassener Scheibe. | Bildquelle: WALLACE WOON/EPA-EFE/REX
galerie

Sanktionen hin oder her - Kim Jong Un präsentiert sich gerne in westlichen Luxuslimousinen.

Von Rotterdam über Russland nach Pjöngjang

Die Reporter haben den Weg von zwei Autos nachverfolgt. Demnach wurden die Mercedes-Limousinen im Juni vergangenen Jahres in Rotterdam in Container geladen. Sechs Wochen später landeten sie in Dalian in China, wo sie Ende August weiter nach Japan verschifft wurden. Von dort ging es weiter in die südkoreanische Hafenstadt Busanu und dann nach Russland.

Mehrfach änderten sich offenbar der Name des Schiffes, die Registrierung sowie der Eigentümer der Fracht. Zuletzt soll es ein russischer Geschäftsmann gewesen sein. Von Wladiwostock aus machten sich die Limousinen zumindest auf ihre letzte Reise. Die nordkoreanische Fluggesellschaft Air Koryo soll sie nach Pjöngjang geflogen haben.

Interessant dabei: Eines der Transportschiffe wurde anschließend mit mehreren Tonnen Steinkohle in Südkorea aufgebracht - es kam: aus Russland. Steinkohle ist das Hauptexportgut Nordkoreas, ist aber ebenfalls sanktioniert.

Für Experten zeigt die Nachverfolgung der Fracht zweierlei: Nordkorea hat viele Helfer, die mit ihnen gemeinsam Sanktionen unterwandern und: Über verschlungene Wege könnte sich Nordkorea so auch viel gefährlicheres Material als Luxusgüter besorgen.  

Über dieses Thema berichtete BR24 am 18. Juli 2019 um 20:42 Uhr.

Darstellung: