Kim Jong Un | AFP
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Treffen in Wladiwostok Was Kim bei Putin erreichen will

Stand: 24.04.2019 13:25 Uhr

Der nordkoreanische Machthaber Kim bringt eine lange Wunschliste zu seinem ersten Treffen mit Präsident Putin mit. Nach dem Reinfall beim zweiten Gipfel mit US-Präsident Trump will Kim einen Erfolg.

Was will Kim erreichen?

Mehr als 10.000 Nordkoreaner arbeiten noch in Russland, viele von ihnen in der Abholzungsindustrie im Osten Russlands. Wegen der Sanktionen droht ihnen Ende des Jahres die Ausreise. Doch die Arbeiter sorgen mit ihrem Einkommen für einen wichtigen Geldfluss nach Nordkorea. Experten gehen von Hunderten Millionen Dollar aus. Diesen Geldfluss möchte Kim aufrecht erhalten.

Zudem droht Nordkorea eine Lebensmittelknappheit. Russland hat sich bereit gezeigt, humanitäre Hilfe zu leisten und mehr als 2000 Tonnen Weizen zu schicken.

Warum gerade Putin?

Kims größtes Interesse ist die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Nach dem gescheiterten zweiten Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump sucht Nordkoreas Machthaber nach Wegen aus der Isolierung. Laut einem internen Dokument, das einem südkoreanischen Forscher vorliegt und in einer japanischen Zeitung in dieser Woche veröffentlicht wurde, will Kim den Handel mit Russlands Hilfe bis 2020 auf das Zehnfache steigern.

Derzeit ist China Nordkoreas wichtigster Verbündeter - Kims Russland-Reise gilt daher auch als Suche nach einem Gegengewicht zu Peking. Jeong Young-tae vom Seouler Institut für Nordkoreastudien erkennt in dieser Ausrichtung die staatliche "Juche"-Doktrin wieder, wonach das Land eigenständig sein und sich nicht mit einem einzelnen Partner verbünden soll.

Wie positioniert sich Russland?

Russland ist einer der wenigen Verbündeten des international isolierten Nordkoreas. Es ist unklar, wie weit Wladimir Putin ihm entgegen kommen will oder kann. Trotz einer Beziehung, die bis zur Gründung Nordkoreas zurückreicht, waren Pjöngjang und Moskau nie besonders eng miteinander.

Experten gehen davon aus, dass Putin den Einfluss Washingtons in der Region zu verringern sucht. Russland wolle daran erinnern, "dass es existiert und dass es wirtschaftliches und politisches Potenzial hat", sagte Andrei Lankow von der Kookmin-Universität in Seoul. Laut Konstantin Asmolow vom Moskauer Fernost-Institut konzentriert sich die russische Außenpolitik allerdings weiterhin auf die Ex-Sowjetstaaten und den Nahen Osten. Konkrete Ergebnisse über eine neue Absichtserklärung hinaus erwartet er daher nicht.

Kim Jong Il besucht 2002 den damaligen russischen Präsidenten Putin in Wladiwostok

Putin ist erfahren im Umgang mit nordkoreanischen Machthabern. Hier begrüßt er Kim Jong Il.

Putin hat mehr Erfahrung mit den Machthabern Nordkoreas als die meisten. Er besuchte Pjöngjang 2000 und traf Kims Vater, Kim Jong Il, 2001 in Moskau und 2002 in Wladiwostok. Moskau hat eine entscheidende Rolle gespielt, Kims Großvater Kim Il Sung an die Macht zu bringen und geholfen, das Land nach dem Koreakrieg 1950-53 wiederaufzubauen. Diese Verbindungen zerfielen jedoch mit dem Kollaps der Sowjetunion 1991.

Anders als China, das viele chinesische Geschäftsleute in Nordkorea hat, hat Russland dort jedoch nur wenig Einfluss. Beamte haben lange über große Projekte gesprochen - inklusive Zugstrecken nach Europa, oder Pipelines in Nordkorea - aber Putin hat bisher wenig Interesse gezeigt, sie tatsächlich umzusetzen. Wichtiges Ziel für Putin bei den Verhandlungen mit Nordkorea: China nicht verärgern. Direkt nach dem Treffen mit Kim fliegt Putin nach Peking für ein internationales Treffen zu Chinas Handels- und Infrastrukturprojekt "Neue Seidenstraße", das für Russland lukrativ sein könnte.

Wird es um das Atomprogramm gehen?

Kreml-Angaben zufolge soll bei dem Treffen auch das umstrittene Atomwaffenprogramm eine Rolle spielen. Es solle eine politische und diplomatische Lösung für das Problem gesucht werden, sagte der russische Präsidentenberater Juri Uschakow der Agentur Tass zufolge. Ziel sei eine friedliche Lösung.

Moskau setzt sich für eine Lockerung der Sanktionen im Gegenzug für ein Entgegenkommen Pjöngjangs beim Atomprogramm ein.

Warum der Zeitpunkt?

Das Treffen zwischen Kim und Putin in Wladiwostok kommt erstaunlich spät. Beinahe anderthalb Jahre sind vergangen, seitdem Kim verkündet hat, aus der Isolation herauskommen zu wollen, die diplomatischen Beziehungen mit China und Südkorea zu erweitern und Denuklearisierungsgespräche mit Washington zu führen. Seitdem gab es vier Gipfel mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, drei mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In und zwei mit Trump. Die Gipfel haben viel dazu beigetragen, Kim als ernstzunehmenden Mitspieler auf der Weltbühne anzusehen.

Aber der Gipfel mit Trump in Hanoi hat seine Grenzen aufgezeigt. Er endete ohne Abkommen, weder zur Denuklearisierung, noch zur Aufhebung der Sanktionen, was jetzt vermutlich noch schwieriger wird, da beide Seiten sich stur zeigen. Kims Entscheidung, sich mit Putin zu treffen, ist offenbar die Suche nach neuen Wegen.

Was kommt nach dem Treffen?

Wenn Putin sich entscheidet, sich hinsichtlich Nordkorea mehr zu engagieren, könnte das Washingtons Bemühungen um die atomare Abrüstung Nordkoreas erschweren. Putin will offenbar den Einfluss der USA in der Region verringern.

Für Kim ergibt es Sinn, sich alle Optionen offen zu halten, da der Druck aus Washington in naher Zukunft wohl nicht nachgeben wird.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. April 2019 um 11:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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demokrateur 24.04.2019 • 17:28 Uhr

@14:20 von Sisyphos3 - "Verdammt gut" - naja...

"Mehr als 10.000 Nordkoreaner arbeiten noch in Russland Doch die Arbeiter sorgen mit ihrem Einkommen für einen wichtigen Geldfluss nach Nordkorea. Experten gehen von Hunderten Millionen Dollar aus . alle Achtung - für Holzfäller da zahlen die Russen aber verdammt gut" Hunderte Millionen für mehr als 10.000 Arbeiter, bedeutet Zehntausende pro Arbeiter - ggf. also durchschnittlich 20.000 pro Arbeiter und Jahr. Das ist gar nicht sooo viel für einen gefährlichen Knochenjob (wenn alle als Holzfäller arbeiten, was ich mir nicht vorstellen kann) und sicherlich mehr als 40 Stunden pro Woche und weniger als 30 Tage Urlaub - es erklärt aber die Bedeutung der Arbeitsplätze für Nordkorea.