Kim Jong Nam | Bildquelle: AP

Tod von Kim Jong Uns Halbbruder Kim starb durch Nervengift VX

Stand: 11.03.2019 08:27 Uhr

Das Nervengift VX dürfte es nach der Chemiewaffenkonvention eigentlich gar nicht mehr geben, trotzdem wurde es jetzt an der Leiche von Kim Jong Nam gefunden. Es könnte ein weiteres Indiz für einen Geheimdiensthintergrund der Tat sein.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

VX ist einer der stärksten chemischen Kampfstoffe überhaupt - farblos, geruchlos, ölig. Das Gift dringt durch die Augen und die Atemwege in den Körper ein, verursacht erst Husten und Übelkeit und lähmt dann die Atemmuskulatur, führt unter starken Krämpfen und Schmerzen innerhalb weniger Minuten zum Tod. 

Spuren von VX wurden bei der Obduktion von Kim Jong Nams Leiche auf Augen und Gesicht entdeckt. Das passt zu dem Video aus der Überwachungskamera vom Flughafen Kuala Lumpur. Dieses zeigt zwei Frauen, die sich dem Halbbruder des nordkoreanischen Diktators von hinten nähern und mit einem Tuch über das Gesicht wischen. Wenig später ist er tot. 

Für die Toxikologen ein Rätsel ist, wie die beiden Frauen, die in Kuala Lumpur in Untersuchungshaft sitzen, den Kontakt mit dem Nervengift unversehrt überstehen konnten - auch wenn sie sich nach dem Anschlag gründlich die Hände gewaschen haben. Denn ein einziger Tropfen VX auf der Haut ist normalerweise innerhalb von Minuten tödlich. 

Weitere Indiz für Geheimdiensthintergrund?

Das Nervengas VX dürfte es eigentlich gar nicht mehr geben. In der Chemiewaffenkonvention von 1993 wurde die Zerstörung aller Vorräte beschlossen. Bis dahin wurde VX auch von den USA produziert. Die Verwendung eines militärischen Kampfstoffes könnte ein weiteres Indiz für einen Geheimdiensthintergrund sein.

Nach vier Nordkoreanern wird noch gefahndet. Der Malaysische Polizeichef Khalid Abu Bakar möchte zwei Mitarbeiter der nordkoreanischen Botschaft vernehmen: "Wir haben die Botschaft angeschrieben und um die Erlaubnis gebeten, sie zu befragen. Was - wie man sich vorstellen könnte - sehr schwierig werden dürfte."

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Streit zwischen Nordkorea und Malaysia

Vor der nordkoreanischen Botschaft in Malaysia protestieren erneut Dutzende gegen das Regime in Pjöngjang. Für sie, wie für die meisten Geheimdienstexperten, steht fest, dass Kim Jong Nams Halbbruder auf dem Diktatorenthron in Pjöngjang hinter dem Mord steckt: aus Rache an dem Abtrünnigen, der seiner Heimat vor Jahren den Rücken kehrte und danach über seinen - seiner Ansicht nach unfähigen - Diktatorenbruder lästerte.

Nordkorea wirft unterdessen Malaysia vor, für den Tod seines Staatsbürgers verantwortlich zu sein. Die Forderung Malaysias nach einer DNA-Probe nächster Angehöriger vor Herausgabe des Leichnams bezeichnet Pjöngjang als absurd. Der Geheimdienstthriller um das Giftattentat auf Kim Jong Uns Halbbruder geht also weiter. 

Über dieses Thema berichteten die tagesschau am 24. Februar 2017 um 06:00 und 08:00 Uhr und NDR Info um 12:08 Uhr.

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