Der Wald nördlich von Istanbul, in den die sterblichen Überreste von Jamal Khashoggis gebracht worden sein sollen. | Bildquelle: AFP

Fall Khashoggi Eine Spur führt in den Wald

Stand: 19.10.2018 16:28 Uhr

Im Fall des vermissten Journalisten Khashoggi gibt es neue Details. Die türkische Polizei weitete ihre Suche auf ein Waldgebiet bei Istanbul aus. Ermittler vernahmen Mitarbeiter des Konsulats.

Türkische Ermittler vermuten, dass die Leiche des vermissten Journalisten Jamal Khashoggi aus dem saudi-arabischen Konsulat geschafft wurde. Aus ihren Kreisen verlautete, die sterblichen Überreste Khashoggis seien entweder in den Belgrader Wald nördlich von Istanbul oder in die Stadt Yalova am Marmarameer südlich von Istanbul gebracht worden. Wie türkische Medien berichteten, begannen Ermittler mit der Durchsuchung des Waldes, der sich in einem Naherholungsgebiet unweit der Bosporus-Metropole befindet.

Saudi-Arabien wies die Vorwürfe zurück, Khashoggi sei ermordet worden. Die Regierung legte aber bisher keine Erklärung für das Verschwinden des Journalisten vor.

Der saudische Journalist Jamal Khashoggi auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2015 | Bildquelle: AP
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Der saudische Journalist Jamal Khashoggi auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2015.

Zwei Autos hatten Konsulat verlassen

Ein Gewährsmann sagte der Nachrichtenagentur AP, die Polizei habe festgestellt, dass am 2. Oktober - dem Tag des Verschwindens Khashoggis - zwei Fahrzeuge das saudische Konsulat verlassen hätten. Das eine sei zu dem Wald gefahren, das andere nach Yalova.

Die türkische Staatsanwaltschaft lud Angestellte des saudischen Konsulats als Zeugen vor. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, es handele es sich um 15 türkische Mitarbeiter, unter ihnen ein Fahrer, ein Buchhalter und ein Techniker. Die Mitarbeiter seien im Büro des Generalstaatsanwalts vernommen worden.

In türkischen Berichten hieß es, Khashoggi sei im Konsulat getötet und seine Leiche zerstückelt worden. Die Täter seien Agenten mit Verbindungen zum saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Khashoggi hatte sich in Kolumnen der Zeitung "Washington Post" kritisch über den politischen Aufstieg des Kronprinzen geäußert. Sein Verschwinden löste international Empörung aus.

Audioaufnahme von der Ermordung Khashoggis

Türkische Regierungsmitglieder lancieren seit dem Verschwinden Khashoggis über türkische und US-amerikanische Medien Informationen zu dessen angeblicher Ermordung im saudischen Konsulat in Istanbul. Die regierungsnahe türkische Zeitung "Yeni Safak" berichtete am Mittwoch, es existiere eine Audioaufnahme von der Ermordung Khashoggis.

US-Außenminister Mike Pompeo erklärte, er habe eine solche Aufzeichnung nicht gehört. Sein türkischer Kollege Mevlüt Cavusoglu bestritt, dass eine Aufnahme an US-Vertreter weitergegeben worden sei. Er kündigte Aufklärung an. "Was ist mit Khashoggi passiert, wie ist es passiert, und wer sind die Verantwortlichen? Darüber liegen uns natürlich Informationen und Beweise vor, als Ergebnis von bisherigen Ermittlungen", sagte Cavusoglu. Aber die werde die Türkei "mit der gesamten Weltöffentlichkeit" teilen, sobald sich alles vollständig geklärt habe.

Die türkische Zeitung "Sabah" veröffentlichte nun weitere Fotos, die Mitglieder des mutmaßlichen saudi-arabischen Mordkommandos zeigen sollten. Ein mutmaßlicher Agent soll Kronprinz Mohammed nahestehen und diesen auf mehreren Auslandsreisen begleitet haben.

Druck auf Saudi-Arabien

Menschenrechtsgruppen und Journalistenverbände forderten die Türkei auf, eine UN-Ermittlung zum Verschwinden Khashoggis zu beantragen. Die Türkei müsse verlangen, dass UN-Generalsekretär Antonio Guterres eine transparente Untersuchung einleite, erklärten Amnesty International, Human Rights Watch, Reporter ohne Grenzen und das Komitee zum Schutz von Journalisten.

Um Druck auf Saudi-Arabien auszuüben, sagen immer mehr Vertreter aus Politik und Wirtschaft ihre Teilnahme an einer internationalen Investorenkonferenz ab, die kommende Woche in Riad stattfinden soll.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Oktober 2018 um 13:12 Uhr.

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