Kerzen und Poster des Journalisten Khashoggi vor dem Konsulat von Saudi-Arabien in Istanbul.

Nach Mord an Khashoggi Anklage gegen 20 Verdächtige

Stand: 25.03.2020 14:26 Uhr

Vor anderthalb Jahren wurde der saudische Journalist Khashoggi brutal ermordet. In Istanbul soll nun 20 Verdächtigen der Prozess gemacht werden - darunter auch Vertrauten des saudischen Kronprinzen.

Rund anderthalb Jahre liegt der Mord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi zurück. Heute ist in Istanbul eine Anklage gegen 20 Verdächtige eingeleitet worden. Die türkische Staatsanwaltschaft erklärte, der Prozess werde in Abwesenheit der Angeklagten geführt. Ein Datum nannte sie nicht.

Ein Sonderkommando aus Riad hatte Khashoggi am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul brutal getötet, als er Papiere für seine geplante Hochzeit abholen wollte. Der Journalist hatte sich immer wieder regimekritisch geäußert. Sein Leichnam wurde zerstückelt. Die saudische Regierung hat den Mord inzwischen eingeräumt: Khashoggi sei "bei einem missglückten Einsatz zu seiner Festnahme" getötet worden.

Hauptangeklagte sind nach Angaben der Istanbuler Staatsanwaltschaft zwei ehemalige Berater des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Saud bin Abdullah al-Kahtani und Ahmed al-Asiri werde vorgeworfen, die 18 übrigen Angeklagten zu vorsätzlichem Mord unter Folter angestiftet zu haben.

Hauptangeklagte sind Vertraute des saudischen Kronprinzen

Al-Kahtani gilt als enger Vertrauter bin Salmans und war am saudischen Königshof zuständig für Medienangelegenheiten. Er war in Saudi-Arabien bereits einmal festgenommen, dann aber wieder entlassen worden. Laut der Staatsanwaltschaft in Saudi-Arabien wurde er befragt, mangels Beweisen für eine mögliche Verwicklung aber dort nicht angeklagt.

Der zweite Hauptangeklagte Al-Asiri war ehemaliger Vizechef des Geheimdienstes in Saudi-Arabien. In der türkischen Anklage ist zudem ein saudischer Gerichtsmediziner aufgeführt. Er soll Khashoggis Leiche zerstückelt haben. Die Türkei hatte bereits vergangenes Jahr einen Fahndungsaufruf nach den Verdächtigen bei der internationalen Polizeiorganisation Interpol beantragt.

Staatsanwaltschaft: "Tat war geplant"

Der türkische Staatsanwalt kommt zu dem Schluss, dass von Anfang an geplant gewesen sei, Khashoggi zu ermorden, sollte er nicht einwilligen, nach Saudi-Arabien gebracht zu werden. Man habe die Tat "mit allen Details geplant". Er widerspricht damit der saudischen Darstellung, wonach der Mord zunächst nicht beabsichtigt gewesen sei.

Die UN-Sonderberichterstatterin Agnès Callamard hatte festgestellt, es gebe glaubwürdige Hinweise auf eine mögliche persönliche Verantwortung des saudischen Kronprinzen bin Salman. Dieser bestreitet, die Tötung selbst angeordnet zu haben.

Bereits im Dezember hatte ein Gericht in Saudi-Arabien fünf Männer im Fall Khashoggi zum Tode verurteilt. Drei weitere Angeklagte erhielten Haftstrafen von insgesamt 24 Jahren. Die UN kritisierten das saudische Urteil als Verhöhnung des Rechts.

Mordfall Khashoggi: Anklage gegen 20 Verdächtige in der Türkei
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
25.03.2020 15:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. März 2020 um 14:00 Uhr.

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