Saudischer Kronprinz bin Salman | Bildquelle: dpa

Fall Khashoggi Saudi-Arabien warnt vor "roter Linie"

Stand: 20.11.2018 12:02 Uhr

Saudi-Arabien wehrt sich gegen den Verdacht, Kronprinz Salman könnte für den Mord an Jamal Khashoggi verantwortlich sein. Außenminister Al-Dschubeir warnte davor, mit solchen Vermutungen eine "rote Linie" zu überschreiten.

Erstmals hat sich Saudi-Arabien zu den Vorwürfen geäußert, Kronprinz Mohammed bin Salman könnte hinter dem Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi stehen. US-Medien hatten am Wochenende berichtet, der Geheimdienst CIA gehe diesem Verdacht nach.

Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Dschubeir | Bildquelle: dpa
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Außenminister al-Dschubeir warnte vor Versuchen, der saudischen Königsfamilie zu schaden.

Der Außenminister des saudischen Königreichs, Adel al-Dschubeir stellte sich in einem Interview mit der Zeitung "Al-Sharq al-Awsat" klar gegen diesen Verdacht: "Wir im Königreich wissen, dass solche Behauptungen gegen den Kronprinzen völlig falsch sind und wir weisen sie entschieden zurück." Die Vermutung beruhe nur auf Medienberichten und nicht auf Beweisen.

Zudem warnte er andere Länder davor, zu versuchen, dem König oder dem Kronprinzen zu schaden. Damit würde eine "rote Linie" überschritten: "Wir werden keine Versuche zulassen, sie anzutasten, von wem auch immer und unter welchem Vorwand auch immer." Was aus dieser Drohung folgt, ließ der Minister offen.

Trump bezeichnet Verdacht als "voreilig"

Nach übereinstimmenden Medienberichten ist die CIA zu dem Schluss gekommen, der Kronprinz sei für die Tat verantwortlich. Die US-Regierung bestätigte diese Berichte bislang nicht. Präsident Donald Trump teilte aber mit, die CIA werde ihm am heutigen Dienstag einen Bericht über die Ermittlungen vorlegen und darin Hintermänner und Täter benennen. Ob dieser Bericht dann veröffentlicht oder zunächst nur dem Kongress vorgelegt wird, ist unklar.

Jamal Khashoggi | Bildquelle: AP
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Khashoggi wurde am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul getötet.

Trump selbst verwies am Wochenende erneut darauf, dass bin Salman ihm mehrmals persönlich versichert habe, nichts mit der Tötung zu tun gehabt zu haben. Dies hätten ihm auch viele Menschen bestätigt, erklärte Trump im TV-Sender "Fox News".

Trumps Bemühungen, die wirtschaftlich guten Beziehungen zu Saudi-Arabien nicht zu belasten, stoßen aber innerhalb seiner eigenen Partei und im Kongress auf Kritik. Der einflussreiche Senator Lindsey Graham bezeichnete den Kronprinzen als "Abrissbirne" in den Beziehungen zwischen Washington und Riad. Er habe anfangs zwar große Hoffnungen in bin Salman als Reformer gesetzt. Das habe sich aber erledigt. Der Kronprinz sei "irrational und wirr". Graham kündigte an, er werde "nie mehr" mit bin Salman zusammenarbeiten.

Der Kongress will handeln

Bob Corker, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, kündigte an, sollte Trump den mutmaßlichen Drahtzieher des Mordes nicht bestrafen, werde dies der Kongress tun. Und sein Parteifreund Rand Paul forderte einen Stopp der Rüstungsverkäufe an Saudi-Arabien. Dies hat Trump mit Verweis auf den Umfang geplanter Geschäfte und die damit verbundenen Jobs in den USA bislang abgelehnt.

Nach bisherigen Erkenntnissen war der im US-Exil lebende Khashoggi am 2. Oktober im Konsulat seines Heimatlandes Saudi-Arabien in Istanbul umgebracht worden. Unter immensem internationalem Druck gab Riad erst viel später den Tod des "Washington-Post"-Kolumnisten zu und machte ein 15-köpfiges Team für den Mord verantwortlich. Die saudische Staatsanwaltschaft hat mittlerweile elf mutmaßlich Beteiligte an der Tat angeklagt. Für fünf Angeklagte forderte sie die Todesstrafe.

War es der Kronprinz? US-Bericht zu Khashoggi-Mord
Martin Ganslmeier, DLF
20.11.2018 14:04 Uhr

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Deutschland verhängt Einreisesperren

Als Konsequenz auf den Fall Khashoggi haben mehrere Staaten bereits Sanktionen gegen Saudi-Arabien verhängt. Deutschland ordnete am Montag Einreisesperren gegen 18 saudische Staatsangehörige an. Kronprinz bin Salman gehört allerdings nicht dazu. Rüstungsexporte sollen vorerst gestoppt werden.

Auch Frankreich will Sanktionen gegen das Königreich verhängen. Es ist aber noch offen, wen oder was diese Strafmaßnahmen treffen könnten. Die Türkei regte bei den Vereinten Nationen eine internationale Untersuchung des Falls an.

Mit Informationen von Martin Ganslmaier, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. November 2018 um 15:00 Uhr.

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