US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AFP

Mordfall Khashoggi Trump unter Zugzwang?

Stand: 17.11.2018 16:46 Uhr

US-Präsident Trump schien sich in der Affäre um den getöteten Journalisten Khashoggi schon mit den Erklärungen aus Saudi-Arabien zufrieden geben zu wollen. Doch neue Erkenntnisse der CIA bringen ihn wohl unter Zugzwang.

Nach neuen Erkenntnissen in der Affäre um den getöteten Journalisten Jamal Khashoggi muss sich US-Präsident Donald Trump möglicherweise neu positionieren. Die CIA kommt nach Medienberichten zu der Einschätzung, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman die Tötung des Regierungskritikers in Istanbul befohlen hat. Dies sei der Schluss aus der Auswertung mehrerer Quellen, berichtete die "Washington Post". Bislang sei ihm gesagt worden, dass der saudische Kronprinz keine Rolle bei der Tötung gespielt habe, berichtete Trump zuletzt.

Auf die Frage, ob es Konsequenzen haben werde, sollte Mohammed bin Salman verantwortlich sein, sagte der US-Präsident nun, er werde sich das anschauen. Der Republikaner bezeichnete Saudi-Arabien sogleich als "großartigen Verbündeten" und pries die wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Königreich. "Sie sind ein wirklich spektakulärer Verbündeter, was Jobs und die wirtschaftliche Entwicklung angeht."

Als Präsident müsse er "viele Dinge" berücksichtigen, so Trump. Die "Washington Post" hatte zuvor berichtet, Trump seien Erkenntnisse über die Beteiligung des Kronprinzen gezeigt worden, er bleibe aber skeptisch, dass dieser die Tötung angeordnet habe.

Der saudische Kronprinz Salman | Bildquelle: AFP
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Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman

Pence: Werden Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen

Die Regierung in Riad weist jegliche Verantwortung der saudischen Führungsspitze zurück und macht hochrangige Regierungsmitarbeiter für den Mord verantwortlich. Fünf Verdächtigen droht die Todesstrafe.  

Nach den Worten von Vizepräsident Mike Pence wolle die US-Regierung die Hintermänner des Mordes nicht davonkommen lassen. "Die USA sind entschlossen, alle zur Rechenschaft zu ziehen, die für diesen Mord verantwortlich sind", sagte Pence am Rande des APEC-Gipfels in Papua-Neuguinea.

Anruf auf Anordnung des Bruders?

Immer wieder hatte das saudische Köngigshaus beteuert, nichts von der geplanten Ermordung Khashoggis gewusst zu haben. Dem Bericht der "Washington Post" zufolge wies Kronprinz, Mohammed bin Salman, seinen Bruder Khalid an, mit Khashoggi zu telefonieren. Khalid bin Salman ist der saudische Botschafter in den USA.

Wie die Zeitung weiter berichtet, sagte der Botschafter in dem Telefonat Khashoggi zu, er solle in das saudische Konsulat nach Istanbul gehen, um Dokumente abzuholen - er sei dort sicher.

Botschafter bestreitet Darstellung der Zeitung

Khalid bin Salman weist das zurück. Er schrieb auf Twitter, ein solches Gespräch habe es nicht gegeben. Sein letzter Kontakt mit dem Journalisten sei am 26. Oktober 2017 per Textnachricht gewesen. Die "Washington Post" schrieb, der Anruf sei von US-Geheimdiensten abgehört worden. Khalid bin Salman war gut eine Woche nach dem Verschwinden Khashoggis überraschend nach Riad zurückgeflogen. Er kehrte nicht nach Washington zurück.

Dem Bericht zufolge ist unklar, ob Khalid bin Salman davon gewusst habe, dass Khashoggi ermordet werden würde. Der Botschafter selbst schrieb auf Twitter, er habe nicht mit Khashoggi am Telefon gesprochen, und er habe ihm auch nicht empfohlen, in die Türkei zu reisen.

Mit Informationen von Sebastian Schreiber, ARD-Studio Washington

Fall Khashoggi: Saudischer Kronprinz soll Mord laut CIA angeordnet haben
Sebastian Schreiber, ARD Washington
17.11.2018 07:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 17. November 2018 die tagesschau um 15:40 Uhr .

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