Der saudische Außenminister Adel Al-Dschubeir spricht bei einem Gipfel in Bahrain über den Fall Khashoggi. | Bildquelle: REUTERS

Fall Khashoggi Riad will Verdächtige nicht ausliefern

Stand: 27.10.2018 10:47 Uhr

Saudi-Arabien weigert sich, die 18 Tatverdächtigen im Fall des getöteten Journalisten Khashoggi an die Türkei auszuliefern. Die weltweite Besorgnis um den Fall tut Außenminister Al-Dschubeir als Hysterie ab.

Saudi-Arabien will die 18 Festgenommenen im Fall Khashoggi nicht wie gefordert an die Türkei ausliefern. "Sie sind in Saudi-Arabien inhaftiert, die Ermittlung findet in Saudi-Arabien statt und sie werden in Saudi-Arabien strafrechtlich verfolgt", sagte Außenminister Adel Al-Dschubeir auf einer Sicherheitskonferenz in Bahrain.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Riad zuvor aufgefordert, Klarheit über den Verbleib der Leiche des regierungskritischen Journalisten zu schaffen: "Es ist klar, dass er getötet wurde, aber wo ist er? Sie müssen die Leiche zeigen", sagte Erdogan in einer Ansprache vor Führungskräften seiner Partei. Die Staatsanwaltschaft Istanbul hatte wenig später ein Auslieferungsgesuch an Riad gestellt.

Al-Dschubeir beklagte auf der Konferenz, das saudische Königreich sei als der eindeutige Schuldige an Khashoggis Tod ausgemacht worden, bevor die Ermittlungen abgeschlossen worden seien. "Die Angelegenheit ist ziemlich hysterisch geworden", sagte er - dabei habe man klar gemacht, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.

Türkei geht von Mord durch saudische Agenten aus

Der saudische Journalist Jamal Khashoggi war am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul getötet worden. Der Fall hatte internationales Entsetzen hervorgerufen. Saudi-Arabien hatte erst angegeben, den Verbleib des zunächst vermissten Khashoggi nicht zu kennen, und dann Wochen später seinen gewaltsamen Tod eingestanden. Die türkische Regierung hatte in dem Fall immer wieder gezielt Informationen über angebliches Beweismaterial an Nachrichtenmedien gestreut und so schrittweise den Druck auf das Königreich erhöht.

Türkische Regierungsbeamte gehen davon aus, dass der Kritiker von Kronprinz Mohammed bin Salman von eigens angereisten saudischen Agenten ermordet wurde. Nach etlichen Dementis räumte das Königreich zuletzt dessen Tötung ein, sprach aber zugleich von einer aus dem Ruder gelaufenen Befragung. Die saudische Staatsanwaltschaft spricht von einer vorsätzlichen Tötung.

Mattis: Todesfall Khashoggi gefährdet Stabilität

Auch die USA sind in die Angelegenheit involviert, da Khashoggi aus Angst vor politischer Verfolgung in die USA übersiedelt war und dort unter anderem für die "Washington Post" schrieb. US-Präsident Donald Trump hatte Riad einerseits mit Sanktionen gedroht, falls der Fall nicht aufgeklärt werde, andererseits das Festhalten der USA an einem milliardenschweren Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien bekräftigt.

Al-Dschubeir sagte nun, die Beziehungen Riads zu Washington seien "hieb- und stichfest". Trump habe eine "rationale, realistische" Außenpolitik, die alle arabischen Golfstaaten unterstützten.

US-Verteidigungsminister James Mattis vermied es auf der Konferenz in Bahrain, Riad direkt zu kritisieren. Er sagte: "Das Versagen irgendeiner Nation, sich an internationale Normen und Rechtsstaatlichkeit zu halten, unterminiert die regionale Stabilität zu einer Zeit, wenn sie am meisten benötigt wird." Die "Ermordung" Khashoggis müsse allen "mit unserem gemeinsamen Interesse an Frieden und unerschütterlichem Respekt für Menschenrechte im Sinn" große Sorge bereiten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2018 um 11:00 Uhr.

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