Der saudische Kronprinz Salman | Bildquelle: AFP

Kronprinz zum Fall Khashoggi "Ein abscheuliches Verbrechen"

Stand: 24.10.2018 22:43 Uhr

Der saudische Kronprinz Bin Salman will in enger Kooperation mit der Türkei die Tötung des Journalisten Khashoggi aufklären. Es handele sich um ein "abscheuliches Verbrechen".

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Kronprinz Mohammed bin Salman von Saudi-Arabien gilt als der mächtigste Mann im Königreich. Mehrere Männer aus seinem engsten Umkreis wurden im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod des Journalisten Jamal Khashoggi verhaftet. Deshalb auch wurde mehrfach der Verdacht geäußert, dass der Kronprinz von der Tötung Khashoggis wusste. Zuletzt deutete das auch US-Präsident Donald Trump an.

Sprecher des Königreiches hatten erstmals am vergangenen Wochenende eingeräumt, dass Khashoggi im saudischen Konsulat am 2. Oktober getötet wurde. Nun äußerte sich bin Salman zum ersten Mal öffentlich auf dem Podium der Investment Konferenz "Future Investment Initiative" zum Fall:

"Das Verbrechen ist für jeden Saudi schmerzhaft. Und es ist wohl schmerzhaft für jeden Menschen auf der Welt. Es ist ein abscheuliches Verbrechen, das mit nichts zu rechtfertigen ist."

Derzeit arbeite Saudi-Arabien daran, alle Rechtswege auszuschöpfen, um die Untersuchungen voranzubringen, mit den türkischen Behörden zusammenzuarbeiten und die Täter vor Gericht zu stellen, damit sie verurteilt werden.

Insbesondere aus der Türkei war seit dem Verschwinden Khashoggis am 2. Oktober scharf gegen das saudische Königshaus geschossen worden, vor allem aber gegen den Kronprinzen. Die türkischen Medien wurden gefüttert mit Informationen aus dem türkischen Sicherheitsapparat.

Das versuchte der Kronprinz jetzt abzutun: "Zweifellos ist die Kooperation zwischen der saudischen Regierung und der türkischen Regierung einzigartig. Wir wissen, dass viele versuchen, diesen schmerzhaften Vorfall zu nutzen, um einen Keil zu treiben zwischen Saudi-Arabien und die Türkei. Und diesen Leuten möchte ich eine Botschaft zukommen lassen. Sie werden das nicht schaffen, solange es einen König von Saudi-Arabien gibt - namens Salman Abdel-Aziz und einen Kronprinz, der Mohammed bin Salman heißt, und einen Präsidenten in der Türkei, der Erdogan heißt."

"Vision 2030": Saudi-Arabien unabhängiger vom Öl

Bin Salman saß neben dem Kronprinz von Bahrain und dem Regierungschef des Libanon auf dem Podium. Nach den Aussagen zu Khashoggi erörterten die drei Politiker das eigentliche Thema der Veranstaltung: Investitionen im Nahen Osten. Bin Salman widmete sich in seinen Redebeiträgen seinem Projekt: "Vision 2030". Dies hat er für Saudi-Arabien erarbeitet, um das Königreich von der Abhängigkeit des Öls zu befreien: "Saudi Arabien ist in den vergangenen drei Jahren sehr große Schritte zur Entwicklung der saudischen Wirtschaft gegangen."

Witz am Rande

Am Ende nutzte er das Forum für einen Witz: Im November des vergangenen Jahres hatte Libanons Regierungschef Saad Hariri von Riad aus seinen Rücktritt erklärt und behauptet, der Iran wolle ihn töten lassen. Seinerzeit hieß es, Bin Salman, der im Iran einen Erzfeind sieht, hätte Hariri in Riad festgesetzt und zu diesen Aussagen gezwungen. Jetzt feixte der Kronprinz zu seinem Nachbarn auf dem Podium, Saad Hariri: "Am Ende will ich sagen, dass Regierungschef Saad zwei Tage in Saudi-Arabien verbringen wird. Ich möchte nicht, dass Gerüchte aufkommen, dass er entführt wurde."

Und Hariri antwortete: "Ich bin völlig frei!" Ob Bin Salman hofft, dass er in einem Jahr schon Witze machen kann über den Fall Khashoggi? 

Kronprinz zur Tötung von Khashoggi
B. Blaschke, ARD Kairo
24.10.2018 22:00 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Oktober 2018 um 18:03 Uhr.

Darstellung: