Der saudische Kronprinz Salman | Bildquelle: AFP

Tötung Khashoggis Der Kronprinz redet von "Hintermännern"

Stand: 24.10.2018 18:13 Uhr

Es steht der Verdacht im Raum, der saudische Kronprinz selbst könnte die Tötung des Journalisten Khashoggi befohlen haben. Nun nahm Salman erstmals öffentlich Stellung - und sprach von einem "abscheulichen Verbrechen".

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hat die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi als "abscheuliches Verbrechen" verurteilt. Bei einem Wirtschaftsforum in Riad sagte der Kronprinz zu, den Fall aufzuklären. "Die Hintermänner dieses Verbrechens werden zur Rechenschaft gezogen", sagte er. "Die Gerechtigkeit wird siegen."

Offizielle Version wird international angezweifelt

Es waren die ersten öffentlichen Äußerungen des Thronfolgers seit Khashoggis Tod. Der einflussreiche Kronprinz steht wegen des Falles selbst unter Druck. Saudi-Arabien hatte am Samstag nach wochenlangen Dementis erklärt, dass der Regierungskritiker Khashoggi am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul bei einem "Faustkampf" zu Tode gekommen sei.

Diese offizielle Version der Ereignisse wird allerdings international stark angezweifelt. Im Raum steht der Verdacht, dass Kronprinz bin Salman persönlich die Tötung des kritischen Journalisten angeordnet haben könnte. Einige Verdächtige stammen aus seinem Umfeld. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte gestern von einem "politischen Mord" gesprochen, der Tage im Voraus von einem aus Saudi-Arabien angereisten Kommando geplant worden sei.

Der Ton ändert sich

Nach den USA hat inzwischen auch Großbritannien Sanktionen gegen Verdächtige aus Saudi-Arabien verhängt. Premierministerin Theresa May teilte mit, die Verdächtigen würden mit Einreisesperren belegt.

Die USA und insbesondere Präsident Donald Trump hatten sich lange vorsichtig zum Tod Khashoggis geäußert und Vertrauen in die saudische Version geäußert. Inzwischen hat Trump seine Tonlage geändert. In Washington sprach er von einer "dilettantisch verschleierten Tötung" und einem "totalen Fiasko". Schon der Tatplan sei "sehr schlecht" gewesen, sagte Trump im Weißen Haus. "Er wurde schlecht ausgeführt, und die Vertuschungsaktion war eine der schlechtesten Vertuschungsaktionen in der Geschichte."

Erstmals schloss Trump auch nicht aus, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hinter dem Tod Khashoggis steckt. Der Prinz leite de facto die Regierungsgeschäfte, sagte er. "Wenn es also irgendjemand war, dann er."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Oktober 2018 um 16:00 Uhr.

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