Frauen halten das Bild des verschwundenen saudischen Journalisten Khashoggi in die Höhe. | Bildquelle: AFP

Vermisster Journalist Khashoggi Druck auf Saudi-Arabien wächst

Stand: 12.10.2018 20:57 Uhr

Der Druck auf Saudi-Arabien im Fall des mutmaßlich ermordeten Journalisten Khashoggi ist gestiegen. Vertreter Riads wollen nun offenbar gemeinsam mit der Türkei ermitteln - und reisten dafür nach Ankara.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Auch nach über einer Woche gibt es im Fall Jamal Khashoggi immer noch mehr Fragen als Antworten. Fest steht nur, dass der saudische Journalist seit dem 2. Oktober verschwunden ist. Die Spekulationen häufen sich. Hat ihn wirklich ein eigens aus Saudi-Arabien angereistes Spezialkommando umgebracht und gar zerstückelt? Der Druck auf Saudi-Arabien wächst. Das Land soll beweisen, dass Khashoggi das Konsulat seines Landes in Istanbul wieder unversehrt verlassen hat.

"Dass er ermordet wurde, steht zu 100 Prozent fest. Aber die Details sind unklar", sagt Turan Kislakci vom türkisch-saudischen Medienverband. Er kannte Khashoggi seit geraumer Zeit. "Wir haben schon vor zwei Tagen die Videoaufzeichnungen über dieses 15-köpfige Team gesehen", erklärt er. Allerdings seien die Aufzeichnungen zerschnipselt. Sie machten aber deutlich, dass es noch mehr Videomaterial geben müsse.

Spionage im saudischen Konsulat?                                   

Kislakci berichtet von den Aufnahmen, über die die "Washington Post" schrieb. Darauf soll zu hören sein, wie Khashoggi im saudischen Konsulat verhört, gefoltert und ermordet worden sein soll. Die Zeitung wirft die Frage auf, ob die Türkei das Konsulat ausspioniert hat - eigentlich ein No Go unter Staaten.

Kislakci versucht, die Herkunft des Videos zu erklären. "Vielleicht über das Sicherheitsunternehmen", sagt er. Denn es sei eine türkische Firma, die dort den Sicherheitsdienst mache. Die hätte das komplette Video-Überwachungssystem aufgebaut. "Die Sicherheitsunternehmen haben immer Kopien der Kameraaufzeichnungen, auch wenn es heißt, sie seien am entsprechenden Tag abgestellt gewesen. So hatte Saudi-Arabien erklärt, warum es keine Bilder davon gibt, wie Khashoggi das Konsulat wieder verlässt."

Türkische Medien spekulieren über eine weitere Möglichkeit. Khashoggi soll eine Apple Watch getragen haben mit Verbindung zu seinem Handy. Das sei bei seiner Verlobten gewesen, die draußen gewartet hatte. Es wäre die weniger heikle Variante für die Türkei in einer Situation, in der die Beziehungen zu Saudi-Arabien ohnehin schon angespannt sind.

"Ich glaube, dass Präsident Erdogan mehr weiß, als er in der Öffentlichkeit sagt", bemerkt Erol Önderoglu von "Reporter ohne Grenzen" in der Türkei. "Ich glaube, dass er die gemeinsamen Interessen mit Saudi-Arabien nicht zerstören will. Aber klar ist, wenn Khashoggi im Konsulat umgebracht wurde, dann wird das ein riesiges Verfahren nach sich ziehen."

Hinweise auf Khashoggi-Ermordung
Mittagsmagazin, 12.10.2018, Katharina Willinger, ARD Istanbul

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Trumps Reaktion "enttäuschend"

Kislakci hatte sich auch mehr Unterstützung von den USA versprochen. Denn dort lebte Khashoggi überwiegend, nachdem er aus Saudi-Arabien vergangenes Jahr geflohen war. Aber von US-Präsident Donald Trumps Reaktion ist Kislakci enttäuscht. Die sei schwach gewesen und reiche nicht. Aber die internationalen Medien hätten stark reagiert. "Sie sind Journalisten und müssen das einfach tun. Denn Jamal Kashoggi war ein international bekannter, renommierter Journalist, der auf brutale, barbarische Weise ermordet wurde, ohne Anklage, ohne Schuld - nur weil er Journalist war." Die Schwelle der Angst müsse überwunden werden, sagt er.

Khashoggi hatte zuletzt vor allem den saudischen Kronprinzen Muhammed bin Salman mehrfach scharf kritisiert. 2017 sagte er im arabischen Fernsender Al Jajzeera in einem Interview: "Zu Ihrer Frage, was genau man in Saudi-Arabien nicht mehr aushalten könne? Den Verlust der Freiheit, das Gefühl der Hilflosigkeit, die eigene Meinung nicht sagen zu dürfen. Ich tue das aus Liebe zum König und dem Thronfolger. Und da bin ich nicht der Einzige. Es gibt viele saudische Bürger, die in den Gefängnissen verschwunden sind. Andere haben sich freiwillig aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen."  

Gemeinsames Ermittlerteam

Für diese für saudische Verhältnisse offenen Worte bezahlte Kashoggi möglicherweise mit seinem Leben. "Das ist ein beispielloser, alarmierender Fall, ein skandalöser Fall", betont Önderoglu. "Wir drängen darauf, zu erfahren, was genau mit Khashoggi passiert ist." Er selbst habe noch nie einen solch komplexen Fall in der Türkei erlebt.

Nun wollen Saudi-Arabien und die Türkei offenbar ein gemeinsames Team bilden, das in dem Fall ermitteln soll. Eine saudische Delegation reiste dafür in die Türkei.

Gefährliches Journalistenleben: Der Fall Jemal Khashoggi
Karin Senz, ARD Istanbul
12.10.2018 18:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 12. Oktober 2018 um 13:00 Uhr.

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