Ein Menschenrechtsaktivist hält ein Bild des Journalisten Jamal Khashoggi. | Bildquelle: REUTERS

Verschwundener Regimekritiker Neue Vorwürfe im Fall Khashoggi

Stand: 10.10.2018 13:44 Uhr

Der Fall des vermissten Journalisten Khashoggi bleibt rätselhaft: Die "Washington Post" will Informationen haben, dass ihn die Behörden in Saudi-Arabien töten wollten. Die Verlobte des Regimekritikers bittet nun Trump um Hilfe.

In der Affäre um den vermissten Journalisten Jamal Khashoggi gerät Saudi-Arabien stärker unter Druck: Nach Angaben der "Washington Post" sollen die saudischen Behörden in Riad schon vor dem Verschwinden des regimekritischen Autors Pläne geschmiedet haben, ihn gefangen zu nehmen und zu verhören - oder sogar zu töten. Die Zeitung bezieht sich dabei auf Informationen des US-Geheimdienstes, der die Kommunikation zwischen saudischen Regierungsvertretern ausgespäht haben soll.

Jamal Khashoggi (Archiv Foto von 2011) | Bildquelle: AFP
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Jamal Khashoggi: Wurde der Journalist getötet?

Saudi-Arabien weist Vorwürfe zurück

Der Fall bleibt allerdings rätselhaft: Khashoggi wird seit einer Woche vermisst. Er hatte das Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul betreten, um Papiere für seine Hochzeit abzuholen. Doch er soll das Konsulat nicht mehr verlassen haben.

Medien und Freunde des Vermissten berichteten daraufhin, dass Khashoggi im Konsulat ermordet worden sein soll. Sie beriefen sich auf türkische Polizei- und Regierungskreise. Saudi-Arabien weist die Vorwürfe zurück und beharrt darauf, dass Khashoggi erst nach dem Verlassen des Konsulats verschwunden sei.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat daraufhin die saudischen Behörden aufgefordert, zu beweisen, dass Khashoggi das Konsulat verlassen hat. Die Türkei erhofft sich von einer Durchsuchung des Konsulats neue Erkenntnisse.

Das saudiarabische Konsulat in Istanbul. | Bildquelle: AFP
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Was geschah im Konsulat von Saudi-Arabien in Istanbul?

Khashoggi lebte im Exil

Der Fall findet in den USA große Aufmerksamkeit, weil Khashoggi dort im Exil lebte und unter seinem anglisierten Namen "Jamal Khashoggi" auch Artikel für die "Washington Post" geschrieben hat. In ihren Recherchen berichtet die Zeitung, dass am Morgen des 2. Oktober ein 15-köpfiges Team aus der saudischen Hauptstadt Riad mit zwei Privatfliegern nach Istanbul gereist und anschließend zu dem Konsulat gefahren sein soll. Das Blatt beruft sich auf zwei mit den Ermittlungen vertraute Informanten.

Am Ende des Tages sei die Männergruppe dann mit verschiedenen Maschinen abgereist, die auf Umwegen nach Riad zurückgeflogen seien. Das sollen auch Flugaufzeichnungen bestätigen.

Was zwischen An- und Abreise der Saudis geschah, ist nicht klar. Allerdings liegen der "Washington Post" nach eigenen Angaben Aufnahmen einer Polizei-Überwachungskamera vor. Dort ist ein Van mit getönten Scheiben zu sehen.

Van mit getönten Scheiben

Laut Vertretern der türkischen Sicherheitsbehörden wurden einige der Männer vom Konsulat zur knapp 500 Meter entfernten Residenz des saudischen Konsuls gebracht - und das etwa zwei Stunden, nachdem Khashoggi die Landesvertretung betreten hatte, berichtet die "Washington Post". Laut der Zeitung gehen die türkischen Ermittler davon aus, dass die Gesandten Riads in dem Konsulat warteten.

Auch die regierungsnahe türkische Zeitung "Sabah" nährte den Verdacht gegen Saudi-Arabien. "Sabah" veröffentlichte die mutmaßlichen Namen der 15 Saudi-Araber. Sie druckte auch Fotos einiger der Männer bei der Passkontrolle ab. Die Saudi-Araber hätten in zwei Hotels übernachtet, die im gleichen Istanbuler Viertel liegen wie das saudiarabische Konsulat. Bei einem der Männer handelt es sich saudi-arabischen Medienberichten zufolge um einen Forensik-Experten.

Die Verlobte Khashoggi bittet nun US-Präsident Donald Trump um Hilfe bei der Aufklärung des Falls. In einem Meinungsbeitrag für die "Washington Post" schrieb Hatice Cengiz, sie vertraue auf die türkischen Behörden bei den Ermittlungen. Zugleich appelliere sie, an "Präsident Trump und First Lady Melania Trump, Licht auf das Verschwinden von Jamal zu werfen".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Oktober 2018 um 14:00 Uhr.

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