Jamal Khashoggi (Archiv Foto von 2011) | Bildquelle: AFP

Saudischer Journalist Khashoggi USA fordern Aufklärung von Riad

Stand: 09.10.2018 05:47 Uhr

Die USA haben Saudi-Arabien aufgefordert, das Verschwinden des Journalisten Khashoggi in der Türkei zu untersuchen. Doch das Thema birgt außenpolitische Risiken für Trumps Nahost-Strategie.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Fred Hiatt verlangt Antworten. Der verantwortliche Redakteur der Meinungsseite der "Washington Post" reagiert auf das Verschwinden seines Autors, des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi: "Der Gedanke scheint unvorstellbar, dass eine Regierung einen ihrer Staatsbürger, in ein Konsulat im Ausland lockt, um ihn zu ermorden, weil er friedlich seine Meinung äußert." 

Khashoggi lebte zuletzt in den USA und schrieb zum Beispiel für die "Washington Post". Er soll vor einer Woche das saudische Konsulat in Istanbul besucht haben. Seitdem ist er nicht mehr gesehen worden.

Enorme außenpolitische Risiken

Für die Trump-Administration ist die Affäre mit erheblichen Risiken für die Außenpolitik verbunden. "Es bereitet mir Sorgen, ich mag die Berichte nicht", sagte US-Präsident Donald Trump. "Ich hoffe, das löst sich von selbst. Im Moment weiß niemand irgendetwas. Aber das ist eine schlimme Geschichte." Außenminister Mike Pompeo rief in einer schriftlichen Erklärung Riad auf, "eine gründliche Untersuchung des Verschwindens zu unterstützen".

Das saudiarabische Konsulat in Istanbul. | Bildquelle: AFP
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Im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul wollte Kashoggi Papiere für seine Hochzeit abholen - seitdem ist er verschwunden.

Trump wollte Washington wieder zum wichtigen Partner für Saudi-Arabien und dessen Herrscherfamilie machen. Seine erste Auslandsreise im Mai 2017 führte ihn nach Riad. Auf die Fassade des Hotels hatten die Gastgeber das Portrait des Präsidenten und das des Kronprinzen, Mohammend Bin Salman, projiziert. Reiter mit saudischen und US-amerikanischen Flaggen begleiteten den Konvoi des Präsidenten. "Wir sind nicht gekommen um anderen zu sagen, wie sie leben sollen, wer sie sein sollen oder zu wem sie beten. Stattdessen bieten wir eine Partnerschaft an", so Trump.

Fortan spielten Menschenrechte keine Rolle mehr bei Treffen. Rüstungsaufträge für US-Unternehmen und Jobs in den USA waren Trumps Ziel. Washington setzt zudem im Kampf gegen Irans Vormachtstellung in Nahost auf das saudische Regime. Wenn Anfang November weitere US-Sanktionen gegen Teheran in Kraft treten, hofft Washington, dass die Saudis die Förderquote für Rohöl erhöhen, um den Benzinpreis in den USA stabil zu halten. Das alles steht auf dem Spiel - deshalb die Zurückhaltung bisher.

Gefühl von Bedrohung

Khashoggi musste Saudi-Arabien verlassen, nachdem er sich mit Kronprinz Mohammed überworfen hatte. Aber auch in den USA fühlte er sich nicht unbeobachtet, erklärte er im Gespräch mit dem Radiosender NPR vor ein paar Wochen: "Selbst wenn ich mit Ihnen spreche, habe ich das Gefühl, jemand schaut mir über die Schulter. Ich habe Familie in Saudi-Arabien, Freunde und die Regierung übt Druck aus."

Jetzt fürchtet Hiatt, der Redakteur der "Washington Post", um das Leben seines Autors. Irgendetwas Schlimmes muss ihm zugestoßen sein. "Jamal hatte in seinen Kolumnen für die 'Washington Post' geschrieben, dass er dem Land helfen will,  die Reformen umzusetzen, die der Kronprinz versprochen hatte. Aber das ist nicht zu erreichen, wenn man Menschen einsperrt, die ihre Meinung sagen."

Demonstranten halten Bilder des saudischen Journalisten Jamal Kashoggi während eines Protestes vor dem saudiarabischen Konsulat in Istanbul. | Bildquelle: REUTERS
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Nach dem Verschwinden Kashoggis in Istanbul äußerten bei einer Protestkundgebung Vertreter der Reporterorganisation "Haus der arabischen Journalisten in der Türkei " sich besorgt über das Schicksal des prominenten Regierungskritikers.

Trump reagiert auf Verschwinden des saudischen Journalisten Khashoggi
Torsten Teichmann, BR Washington
09.10.2018 06:33 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 09. Oktober 2018 Deutschlandfunk um 06:19 Uhr und NDR Info um 06:45 Uhr in den Nachrichten.

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