Sadiq Khan | REUTERS

Neuer Bürgermeister der britischen Hauptstadt Khan verspricht ein sozialeres London

Stand: 07.05.2016 12:47 Uhr

Mit seinem Versprechen für ein sozialeres London hat der Labour-Politiker Khan die Bürgermeisterwahl gewonnen. Sein konservativer Rivale Goldsmith musste sich deutlich geschlagen geben. Wohl auch, weil die Londoner dem Milliardärssohn nicht recht über den Weg trauten.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Die Computer streikten im Londoner Rathaus, und so verzögerte sich die Bekanntgabe des Ergebnisses der Bürgermeisterwahl bis in die frühen Morgenstunden. Sadiq Khan war derweil schlafen gegangen, wurde aber dann noch rechtzeitig geweckt, um sich bei den Londonern zu bedanken. Sie hätten das Unmögliche möglich gemacht.

Jens-Peter Marquardt ARD-Studio London

Das Unmögliche - erstmals steht ein Muslim an der Spitze Londons, und nicht nur das: erstmals auch an der Spitze einer europäischen Metropole. Das hatte schon in der vergangenen Nacht Konsequenzen. Natürlich stieß Khan nicht mit Sekt auf seinen Sieg an, sondern mit einer Diät-Cola.

Ein Novum, keine Überraschung

Seine Wahl ist ein Novum, aber keine Überraschung: Labour-Kandidat Khan lag bereits in den Wochen zuvor immer klar vor seinem konservativen Gegenkandidaten. Zac Goldsmith versuchte, im Endspurt des Wahlkampfs das Blatt noch zu wenden. Er machte Khans Religion zum Thema, rückte ihn in die Nähe islamistischer Extremisten: Khan sei wiederholt gemeinsam mit Radikalen öffentlich aufgetreten und somit ein Sicherheitsrisiko. Der so Angegriffene wehrte sich im Wahlkampf mit dem Argument, er habe als Menschenrechtsanwalt Klienten verteidigt, deren Ziele er nicht immer geteilt habe.

Als der Sieg fest stand, konnte sich der neue Bürgermeister einen Seitenhieb auf die Strategie seines Konkurrenten nicht verkneifen. Bei dieser Wahl sei es nicht ohne Streit abgegangen, aber er sei stolz darauf, dass sich London für Hoffnung und nicht für Angst, für Einheit und nicht für Spaltung entschieden habe, so Khan.

Goldsmith Strategie ging jedenfalls nicht auf, auch nach Auszählung der Zweitstimmen lag er 14 Prozentpunkte hinter Khan. Der frühere Berater der Konservativen, Steve Hilton, kritisierte die Strategie der persönlichen Angriffe: "Es war mindestens unvorsichtig, eine Strategie zu fahren, die so charakterisiert werden konnte. Und es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet Zac Goldsmith es geschafft hat, den Konservativen wieder das Markenzeichen einer hässlichen Partei anzuheften."

Es waren seine Berater, die Goldsmith im Endspurt des Wahlkampfs diese Strategie empfohlen hatten. Jetzt kam daran sogar Kritik aus der eigenen Familie des Milliardärssohns: Seine Schwester twitterte, diese habe nicht zu ihm gepasst, sie kenne einen ganz anderen Zac, einen toleranten, liberalen, umweltorientierten Bruder.

Loondoner Finanzdistrikt

In London leben etwa 8,6 Millionen Einwohner, mehr als eine Million von ihnen sind Muslime.

Die Religion war nicht entscheidend

Nicht die Religion hat diese Wahl entschieden, auch nicht die Tatsache, dass Khan für den Verbleib Großbritanniens in der EU ist und Goldsmith dagegen. Entscheidend war, dass die Londoner dem Aufsteiger eher zutrauen, die sozialen Problem der Stadt anzupacken, als Goldsmith, dem reichsten Abgeordneten des britischen Unterhauses. Khan erinnerte nach der Bekanntgabe des Ergebnisses an seine Herkunft: Als Sohn eines aus Pakistan eingewanderten Busfahrers - aufgewachsen zusammen mit sieben Geschwistern in einer Sozialwohnung in Südlondon - habe er als Kind nicht einmal davon geträumt, Bürgermeister von London zu werden.

Khan verspricht ein sozialeres London: mehr Jobs, höhere Löhne, komfortablere öffentliche Verkehrsmittel, saubere Luft und vor allem erschwingliche Wohnungen. Ein ziemlich ambitioniertes Programm, vor allem angesichts weiter explodierender Mieten und Hauspreise im schon jetzt teuren London - und der begrenzten Möglichkeiten eines Londoners Bürgermeister: Die wahre Macht liegt hier in den Händen von Camerons Zentralregierung und bei den Bezirksbürgermeistern der Stadt.    

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KOMMENTARE

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Indigen 07.05.2016 • 20:31 Uhr

Goldsmith und Khan

Goldsmith ist Jude und Konservativer. Rechtzeitig zum Wahlkampf outete sich die Labour Partei als anti-semitisch. Das kam zum taktisch klugen Zeitpunkt. In den britischen Medien wird über Khan berichtet er habe Verbindungen zu extremen Islamisten. Warten wir doch erst mal ab, wie er sich als Bürgermeister von London macht. Nach seiner Amtszeit könnten wir ihn dann mit Lob überschütten. Der erste moslemische Bürgermeister Londons zu sein ist ja an sich noch gar kein Qualifikationsmerkmal.