Sadiq Khan | dpa

Sieg für Labour-Politiker Sadiq Khan ist Londons neuer Bürgermeister

Stand: 06.05.2016 20:41 Uhr

Nun ist es offiziell: Sadiq Khan wird neuer Bürgermeister von London und damit das erste muslimische Stadtoberhaupt der britischen Hauptstadt. Nach Angaben der Wahlbehörden bekam der Labour-Politiker Khan rund 300.000 Stimmen mehr als sein konservativer Rivale Zac Goldsmith.

Es gibt einen Machtwechsel in der britischen Hauptstadt. Sadiq Khan wird neuer Bürgermeister von London. Der Labour-Politiker wird nach der Bekanntgabe das offiziellen Wahlergebnisses das erste muslimische Stadtoberhaupt der britischen Hauptstadt - und überhaupt einer europäischen Hauptstadt.

Loondoner Finanzdistrikt

In London leben etwa 8,6 Millionen Einwohner, mehr als eine Million von ihnen sind Muslime.

Wie die Wahlbehörden mitteilten, lag Khan nach Auszählung der Erst- und Zweitpräferenzen mehr als 300.000 Stimmen vor seinem konservativen Rivalen Zac Goldsmith, einem Multimillionär, der einer reichen Investorenfamilie entstammt. Dem Endergebnis zufolge erhielt Khan rund 1,31 Millionen Stimmen, auf Goldsmith entfielen rund 995.000 Stimmen. Bei dem Votum konnten die Wähler ihre Präferenzen auf mehrere Kandidaten verteilen. Das bedeutet: Sie durften auch angeben, wer Bürgermeister werden soll, falls ihr Favorit weniger als 50 Prozent der Stimmen erhält.

Khan bedankte sich und sagte: "London hat für die Hoffnung und gegen die Furcht, für die Einheit und gegen die Spaltung gestimmt." Das mache ihn stolz. Khan versprach, ein "Bürgermeister für alle Londoner" zu sein.

Bereits nach der ersten Runde hatte der 45-jährige Khan vorne gelegen. Er ist nun der Nachfolger von Boris Johnson, dem Ambitionen auf das Amt des Premierministers nachgesagt werden. Goldsmith warb wie der populäre und nach acht Jahren scheidende Johnson für den EU-Austritt Großbritanniens. Khan ist dagegen für den Verbleib seines Landes in der Staatengemeinschaft. Am 23. Juni sollen die Briten darüber in einem Referendum entscheiden.

Glückwünsche aus anderen Metropolen

Labour-Chef Jeremy Corbyn gratulierte Khan bereits vor Bekanntgabe des Endergebnisses über Twitter.

Glückwünsche kamen auch aus anderen Metropolen. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio hob hervor, dass sich Khan vor allem um bezahlbares Wohnen kümmern wolle. Er freue sich auf die Zusammenarbeit, erklärte de Blasio.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo erklärte, die Londoner würden von Khans "Humanität und Fortschrittlichkeit" profitieren.

Auch vom politischen Gegner kamen Glückwünsche. Der konservative britische Wirtschaftsminister Sajid Javid, der wie Khan auch pakistanischer Abstammung ist, twitterte: "Von einem Sohn eines pakistanischen Busfahrers zum anderen: Glückwunsch."

Selbst die Schwester des unterlegenen Tory-Kandidaten Zac Goldsmith, Jemima Goldsmith, gratulierte Khan. Er sei "ein großartiges Vorbild für junge Muslime", schrieb die Ex-Frau des pakistanischen Cricket-Stars Imran Khan auf Twitter. Gleichzeitig äußerte sie Kritik an dem Wahlkampf ihres Bruders. "Traurig, dass Zacs Wahlkampf ihn nicht so widerspiegelte, wie ich ihn kenne: umweltfreundlich, unabhängig im Denken und ein Politiker mit Integrität."

Goldsmith hatte Khan mehrfach vorgeworfen, sich nicht genügend von radikalen Muslimen abzugrenzen. Das wurde von vielen als unfair und teilweise sogar rassistisch betrachtet. Er musste dafür heftige Kritik einstecken.

Eine klassische Aufsteigerbiographie

Khan hat eine klassische Aufsteigerbiographie: Geboren wurde er 1970 als Sohn eines aus Pakistan zugewanderten Busfahrers. Zusammen mit sieben Geschwistern wuchs Khan in einer Sozialwohnung auf. Nach dem Studium arbeitete er drei Jahre als Rechtsanwalt für eine britische Menschenrechtsgruppe. 2005 zog er ins britische Unterhaus ein. Drei Jahre später wurde er Verkehrsminister - und war damit der erste Muslim in einer britischen Regierung.

Labour schwächelt in Schottland

Zu den Kommunal- und Regionalwahlen waren am Freitag rund 45 Millionen Briten aufgerufen. Besonders schmerzhaft für die Labour-Partei war das schwache Abschneiden in ihrer früheren Hochburg Schottland, wo sie hinter den schottischen Nationalisten und den Konservativen nur dritte Kraft wurde. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon von der nationalistischen Partei SNP wird voraussichtlich ihr Amt behalten. Ein neuerliches Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands stellte sie in ihrer Siegesansprache nicht in Aussicht. Ihre Partei wolle "mit Geduld" vorgehen, sagte Sturgeon. Bei dem Referendum 2014 hatte es keine Mehrheit für die Unabhängigkeit gegeben.

Bei den Kommunalwahlen im englischen Landesteil zeichneten sich für Labour leichte Verluste ab. Kritiker des umstrittenen Parteichefs Corbyn verwiesen aber darauf, dass die Oppositionspartei in den Regionalwahlen zur Mitte der Legislaturperiode in der Regel zulegen kann. Ihre Stellung als stärkste Kraft behauptete die Labour-Partei im Landesteil Wales.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Mai 2016 um 18:22 Uhr

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KOMMENTARE

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Zwicke 07.05.2016 • 04:34 Uhr

@03:55 von fathaland slim

Sie schreiben u.a... "Solche Fatwen gibt es wie Sand am Meer... Die haben aber eher wenig zu bedeuten..." _ ... Frage: Ungefähr so "balanglos" wie die Fatwen gegen Salman Rushdie oder gegen Hamed Abdel-Samad... Na, dann fragen Sie doch mal die Betroffenen. _ Nichts für ungut, werter @fathaland slim - doch hier reiten Sie ihr Berliner Kiez-Multikulti-Steckenpferd wohl doch etwas zu unbekümmert...